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Schokolade aus Kamelmilch : Kamele als unterschätzter Rohstoff

Dromedare und Schokolade: Martin van Almsick (rechts) und Patrick Dorais im Berliner Zoo. Bild: Matthias Lüdecke

Selten werden Kamele als Nutztiere für die Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. Eine Farm in Dubai will das nun ändern: Schokolade, die mit Kamelmilch hergestellt wird, soll bald schon die Welt erobern.

          Schokolade aus Kamelmilch? Für Martin van Almsick ist das eine typische Dubai-Geschichte. „Menschen aus der ganzen Welt kommen dort zusammen, jeder bringt seine Idee mit, und jeder hat andere Kompetenzen.“ Eine solche Idee war vor zehn Jahren, mit Kamelmilch Schokolade herzustellen. Die Regierung Dubais hatte 2005 die erste moderne Kamelmilch-Farm gegründet, in der 5500 Kamele jeden Tag 8000 Liter Milch produzieren. Dann brachte Dubai sie zusammen: den Kölner Martin van Almsick, der bei Stollwerck das Schokohandwerk erlernt hatte; den Franko-Kanadier Patrick Dorais, der bei Nestlé in Genf die Branche kennengelernt hatte; und den Salzburger Johann Georg Hochleitner, der bereits in Österreich Schokolade mit Schafs-, Ziegen- und Büffelmilch hergestellt hatte. Nun wurde er bei dem 2007 gegründeten Unternehmen al-Nassma neben dem Mehrheitsaktionär Dubai Minderheitsaktionär; van Almsick baute es als Generaldirektor auf und leitet es mit großer Freude weiter; der Verkaufschef Dorais sorgt als Vielflieger dafür, dass der Absatz zweistellig wächst, während das Geschäft der konventionellen Schokoladenhersteller weltweit stagniert.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. „Wir profitieren natürlich vom Image Dubais in der Welt“, sagt Dorais. „Andererseits hat Dubai auch etwas von uns.“ Denn für die mehr als 15 Millionen Urlauber, die jedes Jahr Dubai besuchen, ist die Auswahl nicht gerade groß, wenn sie Mitbringsel suchen, die nicht nur Schmuck aus Indien und Elektronikgeräte aus Fernost sind. Kamelmilchschokolade ist ein authentisches Mitbringsel und ein exklusives, das zudem erschwinglich ist.

          Der Boom der „craft chocolate“

          Im Heimatmarkt setzte sich die Idee schnell durch – in den Geschäften des Luxushotels Burj al-Arab, in der Dubai Mall, dem größten Einkaufszentrum der Welt und natürlich im Duty Free des Flughafens mit den mehr als 90 Millionen Passagieren. Dort werden jedes Jahr Waren im Wert von zwei Milliarden Dollar umgesetzt. Auf Süßwaren entfallen acht Prozent, und in der Liste der verkauften 150 Süßwarenmarken hat sich al-Nassma – was Brise bedeutet, über die sich der Araber in der Wüste freut – bereits auf Platz zehn vorgearbeitet. „In Dubai werden die Menschen mit der Schokolade vertraut, und dann suchen sie diese auch zu Hause“, sagt Dorais. Zehn Jahre nach der Gründung verkauft al-Nassma seine Schokoladentafeln und das Kamel aus Schokolade von Sydney bis San Diego. „Wir konzentrieren uns auf das Flughafengeschäft und Premium-Kaufhäuser.“ In Deutschland vertreibt die KaDeWe-Gruppe exklusiv die Schokolade – das sind neben dem KaDeWe in Berlin das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. In nur wenigen Monaten habe man es bei Oberpollinger von einer kleinen Präsentation zu einer großen Wand gebracht, sagen van Almsick und Dorais während einer einwöchigen Reise, die sie durch Deutschland und Österreich geführt hat. In Wien vertreibt das Delikatessengeschäft Julius Meinl am Graben die Schokolade auch online.

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          Aber die Chinesen sind mit einem Anteil von 14 Prozent die größte einzelne Käufergruppe. Asiaten aus Fernost und Europäer stellen jeweils ein Drittel. Immer mehr Menschen sind heute bereit, für etwas Besonderes und Exklusives Geld auszugeben. Daher wachsen auf der ganzen Welt die Luxusmarken stark, und ein ganz kleiner Luxus ist eine solche Tafel Schokolade aus Kamelmilch – 70 Gramm kosten 7,50 Euro. Der stolze Preis rührt auch daher, dass Kamelmilchpulver 20 Mal so teuer ist wie Kuhmilchpulver und dass die Rezeptur von al-Nassma einen Milchanteil von 25 Prozent hat. Da senken sogar die an sich teuren Pistazien den Preis des Endprodukts. „Deswegen sind wir auch gleich den Weg des Premiumprodukts gegangen“, sagt van Almsick.

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