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Wegen ihres Elfenbeins getötet : Massaker an Elefanten in Botswana

In Botswana, hier im Chobe National Park, wurden Elefanten lange Zeit gut geschützt. Bild: AFP

Bisher galt Botswana als relativ sicher für Elefanten. Doch die Wilderer aus den umliegenden afrikanischen Staaten weichen dorthin aus. Tierschützer entdeckten nun fast 90 getötete Tiere.

          Es könnte das größte Massaker in der Geschichte der Elefantenwilderei sein: Im Norden Botswanas, nicht weit vom legendären Okavango-Delta entfernt, entdeckten Wildhüter die Kadaver von mindestens 87 Elefanten. Offensichtlich waren die Tiere Opfer von Wilderern geworden, die es auf das Elfenbein abgesehen hatten: Sämtlichen gemeuchelten Tieren waren die Stoßzähne abgetrennt worden.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Den Hinweis auf das Gemetzel hatten die Ranger von Elephants Without Borders bekommen, die mit einem Flugzeug in der Gegend unterwegs waren, um Tiere zu zählen. Nach dem Fund sagte Mike Chase, Mitarbeiter der Tierschutzorganisation, dem britischen Sender BBC: „Ich bin schockiert. Das ist bei weitem die größte Elefantenwilderei an einem Ort, die ich in Afrika gesehen oder von der ich auch nur gehört habe.“

          Die Zahl der frisch gewilderten Elefanten, die er soeben in Botswana entdeckt habe, sei doppelt so hoch wie an den schlimmsten anderen Orten in Afrika. Als frisch gewildert gilt ein Elefant, wenn er in den letzten drei Monaten abgeschlachtet worden ist.

          In Botswana leben mindestens 130.000 Elefanten

          Die übelsten Gemetzel müssen sich nach Einschätzung der Wildhüter vor ungefähr zwei Wochen ereignet haben – und damit nur wenige Wochen, nachdem der erst seit dem ersten April amtierende Staatspräsident Mokgweetsi Masisi die Anti-Wilderer-Einheiten seines Landes entwaffnen ließ.

          Unmittelbar nach Bekanntwerden der Bluttat forderte das in Kapstadt ansässige Magazin „This is Africa“ Präsident Masisi zu einer Kehrtwende seiner Politik auf: „Schütze die Elefanten und beende die Wilderei! Botswana ist der letzte sichere Ort für Elefanten, und sie müssen geschützt werden.“ Tatsächlich gilt Botswana als Musterstaat in Afrika. In keinem Land des Kontinents wird die Korruption derart rigoros bekämpft, und auch der Tierschutz galt lange als vorbildlich.

          Die Zahl der in Botswana lebenden Elefanten wird auf 130.000 geschätzt, die Regierung in Gaborone gibt sie sogar mit 230.000 an. Dass die Elefanten in Botswana lange Zeit so geschützt lebten, liegt auch daran, dass Masisis Vorgänger als Staatspräsident, Ian Khama, im Jahr 2013 gegenüber Wilderern eine umstrittene Shoot-To-Kill-Politik durchsetzte, die es seinen Wildhütern erlaubte, gnadenlos gegen die Elefantenschlächter vorzugehen. 2014 wurde die Trophäenagd auf Elefanten verboten, nachdem über das Thema jahrelang gestritten worden war. Gerade im südlichen Afrika argumentieren viele Politiker, aber auch Wildhüter, es gebe zu viele Elefanten. Ihre Zahl müsse in bestimmten Gegenden reduziert werden, um die Natur zu schützen. Zudem könne das dadurch erwirtschaftete Geld in den Schutz der Nationalparks investiert werden.

          Preis für Roh-Elfenbein gestiegen

          Neben der Entwaffnung seiner Wildhüter stellte Masisi den von seinem Vorgänger verhängten Bann der Jagd in Frage und erklärte Anfang Juli, seine Regierung werde eine zweimonatige Evaluierung vornehmen und dann entscheiden, ob einzelne Elefanten wieder zum Abschuss freigegeben werden.

          In den vergangenen Jahren hatte die Wilderei in vielen afrikanischen Ländern dramatische Ausmaße angenommen. Während Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts noch mehrere Millionen Elefanten in Afrika gelebt haben sollen, waren es 1981 immerhin noch rund 1,2 Millionen. Ihre derzeitige Anzahl wird auf nur noch rund 350.000 geschätzt. Allein im letzten Jahrzehnt soll Afrika rund ein Drittel seiner Elefanten verloren haben, das ostafrikanische Tansania, wo die Wilderei besonders schwer wütet, sogar rund sechzig Prozent.

          Eine Entscheidung der chinesischen Regierung, den Handel mit Elfenbein zu verbieten und seit Ende 2017 alle Geschäfte und Schnitzfabriken zu schließen, hatte Hoffnung gemacht, dass der Wilderei so Einhaltung geboten werden könnte. Insbesondere, seit immer mehr Chinesen in Afrika Geschäfte machen, hatte sich die Lage zugespitzt. Nach Schätzungen der Organisation Pro Wildlife ist in China der Preis für Roh-Elfenbein zwischenzeitlich auf bis zu 2100 Dollar pro Kilo gestiegen. Pro Wildlife geht davon aus, dass immer noch jedes Jahr rund 20.000 afrikanische Elefanten gewildert werden: „Drahtzieher sind global organisierte kriminelle Banden, die in Afrika Wilderer anheuern und sie mit automatischen Waffen ausstatten“, so die Organisation.

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