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Elefanten in Botswana : „Der einzige Weg ist der Abschuss“

Ein afrikanischer Elefant läuft durch die Savanne in Botswana. Bild: Picture-Alliance

In Botswana gibt es zu viele Elefanten, wie die Regierung mitteilt. Nun sollen die Tiere massenhaft erschossen und als Hundefutter verkauft werden. Artenschützer nennen aber ganz andere Zahlen.

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          Botswana ist stolz auf seine Tierwelt. Jedes Jahr locken Okavango-Delta, Chobe-Nationalpark und Kalahari Besucher aus aller Welt in das kleine afrikanische Land, das etwas mehr als zwei Millionen Einwohner hat und jährlich fast ebenso viele Touristen empfängt. Das ehemalige Betschuanaland gilt als Juwel. Die Regierung in Gaborone bekämpft die Korruption so energisch wie kaum eine andere auf dem Kontinent. Unter anderem deshalb ist hier auch die Wilderei nicht so verbreitet wie anderswo, was besonders den Elefanten zugute kommt. Die Botswana Tourism Organisation wirbt mit der „atemraubenden Schönheit, der unvorstellbaren Weite und der verblüffend reichen Tierwelt“. Das Geschäft boomt.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Der Plan, den einige Minister jetzt auf Anordnung von Botswanas Staatspräsident Mokgweetsi Masisi erarbeitet haben, dürfte Fremdenverkehrs-Profis aber entsetzen. Das Fleisch gekeulter Botswana-Elefanten soll in Zukunft zu Hundefutter verarbeitet und, in Dosen auf den Markt gebracht werden. Noch sind das „Culling“, das Abschießen ganzer Herden, und die Trophäenjagd verboten.

          Nach den Plänen von Masisis geschäftstüchtigen Kabinettschefs soll beides demnächst wieder kontrolliert zugelassen werden. Frans van der Westhuizen, Minister für lokale Regierung und ländliche Entwicklung, stellt auf seiner Facebook-Seite weitere Pläne vor: Er will Zäune und Game Ranches errichten, in denen Touristen eingehegte Tiere bestaunen können, als Puffer zwischen menschlichen Siedlungen und Gebieten, in denen die Tiere noch wild leben.

          Seit der 56 Jahre alte Masisi im April 2018 die Amtsgeschäfte von Ian Khama übernahm, versucht er, die Artenschutzpolitik seines Vorgängers rückgängig zu machen. Dieser hatte 2014 nicht nur die Trophäenjagd verboten, sondern seine Wildhüter im Kampf gegen schwer bewaffnete Elefantenschlächter mit einer Lizenz zum Töten ausgestattet. Masisi hat den Bericht seiner Minister begrüßt und will ihn nun prüfen lassen.

          „Es gibt zu viele Elefanten im Land“

          In Botswana gelten Elefanten mittlerweile als Landplage. Nirgendwo sonst in Afrika sind die Pflanzenfresser so zahlreich. Darüber, wie viele es genau sind, streiten sich die Experten. „Ihre Zahl liegt zwischen 270.000 und 300.000“, behauptet etwa der Abgeordnete aus Gaborone-Süd, Ndaba Gaolathe. „Es gibt zu viele Elefanten im Land.“

          Auf weniger als die Hälfte kommt Mike Chase von der Artenschutzorganisation Elephants Without Borders. Chase schätzt die Zahl der in Botswana lebenden Elefanten auf 130.000. Er hatte vor einigen Jahren die bislang umfangreichste Zählung von Elefanten geleitet. Nach diesem „Great Elephant Census“ lebten im Jahr 2014 genau 352.271 afrikanische Savannenelefanten in 18 Ländern. Doch selbst wenn man die niedrige Zahl von Chase zur Grundlage nähme, käme Botswana immer noch auf die mit Abstand größte Elefanten-Dichte der Welt. Allein mehr als ein Drittel aller Exemplare der Spezies „Loxodonta Africana“ lebte demnach in Botswana.

          Mit seinem Ansinnen, die Zahl der Elefanten im Land zu reduzieren, steht Botswanas Präsident nicht allein. Der Abgeordnete Kosta Markus aus der am Rand des Okavango-Deltas gelegenen Stadt Maun hält etwa 60.000 Tiere landesweit für verträglich. Doch fast so viele tummeln sich derzeit allein im Gebiet des Chobe-Flusses im Norden des Landes. Markus sagt: „Der einzige Weg, damit umzugehen, ist der Abschuss.“ Glaubt man den Anwohnern, betreiben die gefräßigen Tiere Raubbau an der Natur. Die zwischen zwei und mehr als sechs Tonnen schweren Elefanten fressen bis zu 17 Stunden am Tag. Um auf die 250.000 Kilokalorien zu kommen, die sie täglich brauchen, vertilgen sie etwa 200 Kilo Blattwerk und trinken zwischen 70 und 150 Liter Wasser. Besonders Kleinbauern leiden, wenn die Tiere, die sich über Maisfelder in der Nähe der Nationalparks hermachen, bisweilen bis zu 40 Prozent der Ernte vernichten.

          Gejagt wurden die tonnenschweren Tiere schon immer. Doch bevor die Europäer mit ihren Kanonenbooten und Maxim-Maschinengewehren anrückten, sollen in Afrika noch etwa 20 Millionen Elefanten gelebt haben. Bereits 1979 war ihre Zahl auf 1,3 Millionen geschrumpft. Besonders schlimm setzte die Wilderei dem Bestand in den vergangenen Jahren zu. Allein zwischen 2007 und 2014 soll der Kontinent etwa ein Drittel seiner Elefanten verloren haben.

          Im Gegensatz zum „Culling“ ist in diversen afrikanischen Ländern die kontrollierte Großwildjagd immer noch erlaubt. Die Staaten argumentieren, kontrollierter Abschuss sei nötig, um das Gleichgewicht in den Nationalparks zu gewährleisten. Die Einnahmen kämen nicht nur dem Artenschutz, sondern auch den Dorfgemeinschaften zugute. Safari-Urlauber könnte der Plan, Elefanten zu Dosenfutter zu verarbeiten, allerdings verschrecken.

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