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Moschusochse : Der Zottelige aus einer anderen Zeit

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Aus einer anderen Zeit: Dass Moschusochsen heute noch in Nordeuropa, Sibirien und Nordamerika leben, grenzt an ein Wunder. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Fast wäre es ihm ergangen wie dem Mammut und anderen urweltlichen Tierarten. Doch der Moschusochse entging der Ausrottung, weil der Mensch rechtzeitig Rettungsversuche startete. Nun wächst die Population wieder.

          Der Winter kann kommen. Die Moschusochsen im norwegischen Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark sind gegen Eis und Schnee gut gerüstet. Im Herbst ist unter ihrem langhaarigen Fell eine dichte Unterwolle auf der Haut gewachsen, die wie ein Thermo-Anzug wirkt. Im Sommer hatte sich die letztjährige Warmhaltepackung in Flocken vom Körper abgelöst, so dass die Tiere aussahen wie in graue Lumpen gekleidet. In der mittelnorwegischen Gebirgslandschaft mit der 2256 Meter hohen Snøhetta als krönendem Abschluss hängen noch im Herbst überall dort, wo sich die Tiere aufhielten, kleine Wollflocken in den Sträuchern der kargen Vegetation.

          Aber jetzt decken die bis zu 80 Zentimeter langen dunkelbraunen Haare wie eine Überdecke den neuen Wollmantel zu. Dank des voluminösen Fells wirken die Moschusochsen mindestens um ein Drittel größer, als ihr Körper wirklich ist. Stämmige Beine, geschwungene Hörner und besonders bei den Bullen stark ausgebildete Stirnschilde verstärken den kraftvollen Auftritt.

          Es grenzt an ein Wunder, dass es Moschusochsen heute noch – oder besser: wieder – im nördlichen Europa sowie in der sibirischen und nordamerikanischen Tundra gibt. Fast wäre ihnen dasselbe Schicksal zuteilgeworden wie dem Mammut, dem Wollnashorn und anderen urweltlichen Tierarten, mit denen sie vor 30.000 Jahren durch die Wildnis zogen. Fossilien aus der Mindeleiszeit (vor 250.000 Jahren) belegen, dass die ursprünglich aus dem nördlichen Zentralasien stammenden Vorfahren auch auf dem Gebiet der heutigen Länder Deutschland, Frankreich und Ungarn beheimatet waren.

          Aber die Moschusochsen gerieten nach dem Ende der letzten Eiszeit immer näher an den Rand der Ausrottung. Nicht nur wegen der Klimaveränderung, sondern als Folge der Bejagung durch den Menschen. Zwar blieb ihnen in den Weiten des zirkumpolaren Nordens nach der großen Schnee- und Eisschmelze genügend Lebensraum mit kargem Pflanzenwuchs. Doch fast wären die nördlichsten Vertreter der zoologischen Familie der Hornträger (Bovidae) aus der Ordnung der Paarhufer (Unterordnung: Wiederkäuer) für immer von der Erde verschwunden.

          Menschen töteten Moschusochsen in erschreckender Zahl

          Ihr angeborenes Verhalten, grundsätzlich friedfertig zu sein und sich jeder Gefahr durch Angreifer zu stellen, wurde den langhaarigen „Schafsochsen“ besonders mit dem zunehmenden Einsatz von Feuerwaffen zum Schicksal. Die Herden haben die Angewohnheit, statt zu flüchten auf Feinde zu warten, ringförmig wie eine Wagenburg, die gehörnten Schädel nach außen gerichtet. Mit kurzen Ausfallschritten einzelner Bullen zu imponieren hilft zwar gegen Wölfe und Bären, nicht aber gegen Schüsse. Die Menschen töteten, ähnlich wie die Bisons, auch die Moschusochsen Nordamerikas und Sibiriens in erschreckender Zahl. Felle und Häute wurden verarbeitet, das Fleisch diente meist als Futter für Schlittenhunde.

          Als sich um 1900 abzeichnete, dass die einstmals großen Bestände von „Ovibus moschatus“ zu wenigen kleinen Herden auf einigen arktischen Inseln, im Norden Grönlands und in damals noch unzugänglichen Gebieten des Festlandsockels zusammengeschrumpft waren, kam es zu ersten Rettungsversuchen. 1917 wurden sie in Kanada unter Schutz gestellt, von 1974 an durften sie in großen Teilen Grönlands nicht mehr verfolgt werden. In beiden Ländern gibt es heute wieder die meisten der urwüchsigen Tiere. Nach anfangs vergeblichen Versuchen in den dreißiger Jahren wurden von der Mitte des Jahrhunderts an erfolgreich kleine Gruppen im sibirischen Russland, auf Spitzbergen und im norwegischen Dovrefjell bei Dombås angesiedelt.

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