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Moschusochse : Der Zottelige aus einer anderen Zeit

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Seit 1947 hat sich die südlichste Population auf dem europäischen Festland auf etwa 300 Tiere vermehrt, ist aber von Inzucht bedroht. Den damit verbundenen Krankheiten fielen auch einige der Moschusochsen zum Opfer, die zum ersten Mal 1971 vom Dovrefjell nach Härjedalen in Schweden gewandert waren. Von etwa 30 Tieren in den achtziger Jahren sind heute weniger als zehn übrig geblieben. In manchem Sommer ziehen sie wieder über die nahe norwegische Grenze zurück.

Abschusslizenzen werden an Jagdtouristen verkauft

Da die Moschuskühe nur in jedem zweiten Jahr kalben und die Tiere selten älter als 20 Jahre alt werden, hat die natürliche Vermehrung ihre Grenzen. Der Weltbestand ist dennoch gewachsen: von etwa 80.000 im Jahr 1980 auf heute rund 145.000. In Kanada und in Grönland dürfen jedes Jahr einige Tiere mit besonderer Erlaubnis bejagt werden. Die Eingeborenen verkaufen ihre Abschusslizenzen mitunter an zahlungskräftige Jagdtouristen, unter ihnen manche aus Deutschland. Das Erlegen eines Moschusochsen hat aber nicht viel mit Jagd und Pirsch zu tun, sondern ist – nach einer Anfahrt im Motorschlitten – ein simples Abknallen.

Umimmak oder Oominkmak, die „Bärtigen“ oder „Die mit dem langen Bart“, heißen die zur Unterfamilie der Ziegenartigen zählenden urwüchsigen Fellträger in der Sprache der Ureinwohner Grönlands und der Inuit im Norden von Kanada und Alaska. Die Namen verdanken die Tiere ihren besonders langen Deckhaaren an der Kehle. In den niederschlagsarmen Tundren nördlich oder oberhalb der Baumgrenze ernähren sie sich von Flechten, Moosen und Gräsern. In den Übergangszonen liefern Blätter und Rinde der Strauchbirken und Strauchweiden das Futter, mit dem sie von Frühjahr bis Herbst die Fettschicht auf ihrem Körper bilden. Zwischen November und März verlieren Moschusochsen bis zu einem Drittel ihres Gewichts, das bei einem Bullen fast 400 Kilogramm betragen kann.

Obwohl sie mit ihren Hufen die karge Vegetation von Schnee und Eis befreien können und mit ihren für die Dunkelheit des nordischen Winters besonders sensiblen Augen auch den kleinsten Halm entdecken, müssen sie lange Hunger- und Kälteperioden überstehen. Das ist vor allem für die im Mai und Juni nach einer Tragzeit von durchschnittlich achteinhalb Monaten geborenen Kälber, die bis zu 15 Monate lang zusätzlich zur Pflanzennahrung von ihren Müttern mit besonders fettreicher Milch gesäugt werden, eine Herausforderung. Im Winter bilden die „Bisamochsen“, die in der übrigen Jahreszeit in kleinen Gruppen von fünf bis 15 Tieren zusammenleben, Herden von mitunter mehr als 100 Tieren. Damit schützen sie sich besser gegen Wölfe und Kälte – im wärmeren Innern der Ansammlungen halten sich die Kälber auf.

Züchter haben es nicht leicht

Immer wieder gibt es Versuche, Moschusochsen zu domestizieren. Nicht zur Gewinnung von Fleisch, sondern zur Ernte der Unterwolle, des „Qiviut“. Sie ist dichter und feiner als Kaschmirwolle und in verarbeiteter Form besonders warm und weich. Doch die Tiere machen es den Züchtern nicht leicht. Sie brauchen spezielles Futter und gedeihen nur in kaltem Wetter. In der Brunft im Juli und August können die Bullen, wie in der Wildbahn, gefährlich werden. Dann rennen sie mit gesenkten Köpfen immer wieder aufeinander zu und prallen mit ihren Hornbasen, die zu elastischen Wülsten verdickt sind, mit aller Wucht zusammen – bis einer aufgibt.

In der Brunftzeit sollte man wildlebenden Moschusochsen weiträumig aus dem Wege gehen. Darauf weisen alle Führer im 1693 Quadratkilometer großen Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark hin. Zwei Wanderer wurden dort schon von Moschusochsen tödlich verletzt, weil sie den Tieren zu nahe kamen. Nicht nur die nach oben gebogenen Hörner, auch die stämmigen Vorderläufe mit den harten Hufen können zu tödlichen Waffen werden. Aber wie gesagt: In der Regel sind die Moschusochsen friedliebend.

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