https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/die-gruenen-wollen-tierversuche-fuer-lehrzwecke-unterbinden-17066967.html

Grüne rufen zu Verzicht auf : Tierversuche für die Lehre?

In einem Universitätslabor wird eine Maus für einen Versuch vorbereitet Bild: dpa

In Baden-Württemberg gibt es Streit darüber, in welchem Umfang es künftig noch Tierversuche in der Hochschullehre geben sollte. Forscher befürchten eine Benachteiligung des Wissenschaftsstandorts.

          2 Min.

          In Baden-Württemberg streiten Grüne einerseits und die CDU sowie die Universitäten andererseits heftig über die Frage, in welchem Umfang es künftig an den Hochschulen noch Tierversuche für die Lehre geben sollte. Die Grünen wollen Tierversuche für Lehrzwecke weitgehend unterbinden. Die Landesrektorenkonferenz, die Studiendekane der biologischen Fachbereiche sowie die Universität Hohenheim laufen Sturm gegen eine entsprechende Formulierung im Hochschulrechtsänderungsgesetz.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach dem Willen der Grünen soll es in Paragraph 30a künftig heißen: „In der Lehre soll auf die Verwendung von hierfür getöteten Tieren verzichtet werden, sofern wissenschaftlich gleichwertige Lehrmethoden und -materialien zur Verfügung stehen oder die mit dem Studium bezweckte Berufsbefähigung dies zulässt.“ Außerdem sollen die Hochschulen, allerdings „unter Gewährleistung der Wissenschaftsfreiheit“, Lehrmethoden sowie Materialien entwickeln, mit denen Tierversuche möglichst ganz vermieden werden können.

          Ein „grünes Herzensanliegen“

          Die Forscher an den Universitäten sehen darin eine Benachteiligung des Wissenschaftsstandorts. „Auch die biomedizinische Forschung kommt ohne Einsatz von Tieren und die durch praktisches Training während der Ausbildung gelernten Fertigkeiten nicht aus. Um auch in der Praxis, zum Beispiel bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19, das Tierwohl im Sinne des Gesetzgebers so weit wie möglich umzusetzen, werden exzellent ausgebildete Biowissenschaftler/innen und Toxikolog/innen benötigt, die Kenntnisse von tierischen Organismen in der Art und Qualität beherrschten“, heißt es in der Stellungnahme der Dekane, die der F.A.Z. vorliegt.

          Das direkte Sezieren und physiologische wie ökologische Experimente ließen sich nicht durch Modelle und Filme ersetzen. Außerdem seien schon jetzt eine Genehmigung bei den Landesbehörden und eine ethische Güterabwägung für Tierversuche vorgeschrieben. Oftmals würden schon heute für Präparationskurse nur Zuchttiere oder nicht mehr benötigte Tiere aus der tierexperimentellen Forschung verwendet (zum Beispiel Ratten).

          Die Dekane und Hochschulrektoren schlagen im Gesetz deshalb folgende Formulierung vor: „In der Lehre soll für die Verwendung von hierfür getöteten Tieren eine ethische Güterabwägung zwischen Tierwohl und notwendiger Ausbildung der Fachexpertise in den lebenswissenschaftlichen Studiengängen unter Berücksichtigung der 3R-Prinzipien (reduce, refine, replace) durchgeführt werden. Der Einsatz von ergänzenden Lehrmethoden ohne Tierverwendung ist zu erweitern, sofern die mit dem Studium bezweckte Berufsbefähigung dies zulässt.“

          Die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU, Marion Gentges, sagte zu dem Konflikt: „Wir teilen die Bedenken der Universitäten. Ich habe das Wissenschaftsministerium gebeten, die Novelle in dem Punkt im Sinne der Freiheit von Wissenschaft und Forschung noch zu verbessern.“ Ihr sei bekannt, dass es sich um ein „grünes Herzensanliegen“ handele, aber der Wissenschaftsstandort dürfe nicht weiter beschädigt werden.

          Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will von einer Änderung der vorliegenden Formulierung derzeit wenig wissen. Die Sorge um die Freiheit der Wissenschaft sei „unbegründet“. „Die Forschung ist von der Regelung gar nicht betroffen, es geht allein um die Ausgestaltung der Lehre“, sagte sie der F.A.Z. „Auf die Verwendung von hierfür getöteten Tieren soll dann verzichtet werden, wenn gleichwertige Methoden zu Verfügung stehen. Das ist ein breites gesellschaftliches Anliegen, auch gerade von Studierenden.“

          Weitere Themen

          „Ihr gehört ebenso erschossen“

          Prozess um Hassrede : „Ihr gehört ebenso erschossen“

          In München muss sich ein Mann wegen des Verunglimpfens des Andenkens der getöteten Polizisten im Kreis Kusel verantworten: Der Mann hatte laut Anklage in seiner Wohnung randaliert und herbeigerufene Polizisten als „Wichser“ bezeichnet.

          In Pamplona laufen wieder die Stiere

          Nach Covid-Pause : In Pamplona laufen wieder die Stiere

          Nach mehr als tausend Tagen sind in Pamplona die Stiere zurück auf den Straßen. Am Morgen der traditionellen Stierhatz mussten fünf Verletzte behandelt werden. Überschattet wird das Fest zudem von einer stark steigenden Corona-Inzidenz.

          Topmeldungen

          Der Getreidefrachter Zhibek Zholy ist wieder frei.

          Ukraine verärgert : Türkei lässt russischen Getreidefrachter frei

          Am vergangenen Wochenende setzte die Türkei einen russischen Frachter mit Tausenden Tonne Getreide an Bord fest, das laut Kiew aus der Ukraine stammt. Nun lässt die Türkei das Schiff wieder frei – zum Unmut der Ukrainer.
          Der Angeklagte Franco A. äußert sich vor dem Prozess in Frankfurt gegenüber Journalisten.

          Prozess gegen Franco A. : Der angebliche Flüchtling

          Seit Mai 2021 steht Franco A. – Oberleutnant der Bundeswehr, 33 Jahre alt, Vater von drei Kindern – vor Gericht. Er soll eine schwere staatsgefährdende Gewalttat geplant haben, bald wird das Urteil fallen. Die Verhandlung hat Düsteres offenbart.
          Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei ihrer Ankunft auf Bali am 7. Juli

          Probe Außenministertreffen : Was tun, wenn Putin demnächst teilnimmt?

          Beim G-20-Gipfel auf Bali sitzt auch Moskau mit am Tisch. Außenministerin Baerbock sagte darum gleich zu Beginn: „Wir alle haben ein Interesse daran, dass internationales Recht geachtet und respektiert wird.“
          Höchste Vorsicht: Ein Mitarbeiter des Gesundheitsdiensts wartet am Dienstag in Schanghai auf Testwillige.

          Kritik an Chinas Politik : Xi in der Null-Covid-Schleife

          Aus Frust über die Lockdown-Politik von Staats- und Parteichef Xi Jinping wollen viele Chinesen auswandern. Doch den meisten bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.