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Grüne rufen zu Verzicht auf : Tierversuche für die Lehre?

In einem Universitätslabor wird eine Maus für einen Versuch vorbereitet Bild: dpa

In Baden-Württemberg gibt es Streit darüber, in welchem Umfang es künftig noch Tierversuche in der Hochschullehre geben sollte. Forscher befürchten eine Benachteiligung des Wissenschaftsstandorts.

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          In Baden-Württemberg streiten Grüne einerseits und die CDU sowie die Universitäten andererseits heftig über die Frage, in welchem Umfang es künftig an den Hochschulen noch Tierversuche für die Lehre geben sollte. Die Grünen wollen Tierversuche für Lehrzwecke weitgehend unterbinden. Die Landesrektorenkonferenz, die Studiendekane der biologischen Fachbereiche sowie die Universität Hohenheim laufen Sturm gegen eine entsprechende Formulierung im Hochschulrechtsänderungsgesetz.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach dem Willen der Grünen soll es in Paragraph 30a künftig heißen: „In der Lehre soll auf die Verwendung von hierfür getöteten Tieren verzichtet werden, sofern wissenschaftlich gleichwertige Lehrmethoden und -materialien zur Verfügung stehen oder die mit dem Studium bezweckte Berufsbefähigung dies zulässt.“ Außerdem sollen die Hochschulen, allerdings „unter Gewährleistung der Wissenschaftsfreiheit“, Lehrmethoden sowie Materialien entwickeln, mit denen Tierversuche möglichst ganz vermieden werden können.

          Ein „grünes Herzensanliegen“

          Die Forscher an den Universitäten sehen darin eine Benachteiligung des Wissenschaftsstandorts. „Auch die biomedizinische Forschung kommt ohne Einsatz von Tieren und die durch praktisches Training während der Ausbildung gelernten Fertigkeiten nicht aus. Um auch in der Praxis, zum Beispiel bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19, das Tierwohl im Sinne des Gesetzgebers so weit wie möglich umzusetzen, werden exzellent ausgebildete Biowissenschaftler/innen und Toxikolog/innen benötigt, die Kenntnisse von tierischen Organismen in der Art und Qualität beherrschten“, heißt es in der Stellungnahme der Dekane, die der F.A.Z. vorliegt.

          Das direkte Sezieren und physiologische wie ökologische Experimente ließen sich nicht durch Modelle und Filme ersetzen. Außerdem seien schon jetzt eine Genehmigung bei den Landesbehörden und eine ethische Güterabwägung für Tierversuche vorgeschrieben. Oftmals würden schon heute für Präparationskurse nur Zuchttiere oder nicht mehr benötigte Tiere aus der tierexperimentellen Forschung verwendet (zum Beispiel Ratten).

          Die Dekane und Hochschulrektoren schlagen im Gesetz deshalb folgende Formulierung vor: „In der Lehre soll für die Verwendung von hierfür getöteten Tieren eine ethische Güterabwägung zwischen Tierwohl und notwendiger Ausbildung der Fachexpertise in den lebenswissenschaftlichen Studiengängen unter Berücksichtigung der 3R-Prinzipien (reduce, refine, replace) durchgeführt werden. Der Einsatz von ergänzenden Lehrmethoden ohne Tierverwendung ist zu erweitern, sofern die mit dem Studium bezweckte Berufsbefähigung dies zulässt.“

          Die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU, Marion Gentges, sagte zu dem Konflikt: „Wir teilen die Bedenken der Universitäten. Ich habe das Wissenschaftsministerium gebeten, die Novelle in dem Punkt im Sinne der Freiheit von Wissenschaft und Forschung noch zu verbessern.“ Ihr sei bekannt, dass es sich um ein „grünes Herzensanliegen“ handele, aber der Wissenschaftsstandort dürfe nicht weiter beschädigt werden.

          Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will von einer Änderung der vorliegenden Formulierung derzeit wenig wissen. Die Sorge um die Freiheit der Wissenschaft sei „unbegründet“. „Die Forschung ist von der Regelung gar nicht betroffen, es geht allein um die Ausgestaltung der Lehre“, sagte sie der F.A.Z. „Auf die Verwendung von hierfür getöteten Tieren soll dann verzichtet werden, wenn gleichwertige Methoden zu Verfügung stehen. Das ist ein breites gesellschaftliches Anliegen, auch gerade von Studierenden.“

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