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Umstrittene Schlachtung : Die Ohnmacht vor dem Tod

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Die Robusteren richten sich auf und steigen auf ihre Artgenossen, um so lange wie möglich Luft zum Atmen zu bekommen. Die Panik äußert sich in schrillen Schreien. Die Grundlautstärke der Anlage von 80,4 dB steigt dann in der Grube auf einen Lärmpegel von 105,8 dB an, fand Troegers Team heraus; das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers in einem Meter Entfernung.

Zehn bis zwanzig Sekunden dauere es, bis die Schweine durch das CO2 betäubt sind, behauptet Peta – vornehmlich um diese zehn bis zwanzig Sekunden „Erstickungsnot“ und „Todesängste“ (so Peta) geht es den Tierrechtlern. Edmund Haferbeck, Manager der Rechtsabteilung von Peta Deutschland, sagt: „Schon eine Sekunde davon ist viel zu viel für jedes Schwein.“

Bis zu 1500 Tiere werden pro Stunde angestochen

Die vorgeschriebene Mindestaufenthaltsdauer im CO2-Schacht: 100 Sekunden; so ist es gesetzlich angeordnet, um sicherzustellen, dass die Schweine möglichst tief und fest narkotisiert sind. Dann taucht die Gondel wieder auf und wirft die leblosen Körper auf das Förderband, wo sie von einem Mitarbeiter erwartet werden. Möglichst zügig, damit sie beim nächsten Arbeitsgang noch betäubt sind, werden sie an einem Fuß angeschlungen, an einen Haken gehängt und in den Fließverkehr eingereiht.

Der gewollte Tod erfolgt dann durch Ausbluten. Der nächste Mitarbeiter am Band sticht mit einem Hohlmesser zu. Er muss direkt in die Hauptschlagader treffen, damit das Blut gut fließt. Dieses läuft über einen angeschlossenen Schlauch ab. Erst wenn es tot ist, darf das Tier in die Brühung kommen, eine Art Schweinewaschanlage mit Wasser, das auf 62 Grad Celsius erhitzt ist.

Fließbandarbeit: etwa alle fünf Sekunden ein Stich, ein Schwein, ein Stich, ein Schwein; 750 Tiere pro Band, 1450 bis 1500 Tiere pro Stunde. Eine recht blutige Angelegenheit. Es ist eben ein Schlachtbetrieb, auch wenn er als einer der modernsten in Europa gilt. „Wenn ein Arbeiter diese Hauptarterien nicht richtig trifft oder ein Schwein vergisst, weil mal drei übereinander hängen, dann fährt das Tier unter Umständen bei vollem Bewusstsein in die heiße Brühe“, sagt Troeger besorgt. „Diese Fehlentblutungen bei großen Betrieben sind ein Problem.“

Fehler können nie ganz ausgeschlossen werden

Bei Tönnies habe man als Konsequenz Kontrollsysteme beim Entbluten eingebaut, so Troeger, die bei anderen Schlachthöfen aber oft noch nicht nachgerüstet seien. Bei Tönnies wiegt eine Waage das Schwein automatisch vor und nach der Entblutung. Wenn das Gerät keine sichere Entblutung registriert, zeigt es das an; dann muss nachgestochen werden. Zusätzlich misst ein Analysegerät die Blutmenge. Das sei aber nicht ganz sicher, sagt Tönnies-Tierarzt Altemeier; deswegen habe man noch einen Mann dort stehen, der bei jedem Tier den Cornealreflex prüfen soll. „Der Mitarbeiter hat die Berechtigung, den roten Knopf zu drücken, um das Band zu stoppen.“ Mit einem Bolzenschussgerät kann er dann dem Tier den Rest geben. Dafür hat er aber nicht allzu viel Zeit, obwohl ein Zeitpuffer eingebaut ist; das Band soll laufen wie eine Autobahn zur Hauptreisezeit. Doch bei der hohen Umschlagsmenge bleiben ein paar Stopps nicht aus: „Wir haben eine tägliche Haltequote, das kommt einfach vor“, räumt Altemeier ein.

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