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Pandabären für Berlin : Chinas Panda-Diplomatie

  • -Aktualisiert am

Reisefertig: Meng Meng Bild: dpa

Am Samstag darf der Berliner Zoo zwei Bambusbären aus China willkommen heißen. Offiziell werden sie am 5. Juli als Staatsgäste begrüßt und vorgestellt, von Xi Jinping und Angela Merkel.

          Es ist eine Staatsaffäre, bei der die internationale Politik möglichst rasch in den Hintergrund treten soll. Am Samstag werden zwei Riesenpandas auf dem Flughafen in Berlin-Schönefeld landen. Hinter einer Absperrung aus Plexiglas werden sie der Presse präsentiert. Doch offiziell werden Meng Meng (Kleiner Traum) und Jiao Qing (Charmeur) erst am 5. Juli als Staatsgäste begrüßt und vorgestellt, von zwei Staatenlenkern: Xi Jinping und Angela Merkel.

          Früher gab es Pandas als Geschenk, heute sind sie Leihgaben, auf die man sich aufwendig vorbereiten muss. Der Berliner Zoo hat für das Paar Eigenbrötler zwei Gehege gebaut, die von den chinesischen Fachleuten als „sehr professionell“ gelobt wurden. Das Halten von Riesenpandas ist eine Herausforderung. Sie fressen 50 Kilogramm Bambus am Tag. Nach Berlin wird er ihnen aus den Niederlanden geliefert werden. Aber sie brauchen auch Nahrung, die mehr Kalorien enthält. Deshalb bekommen sie „Panda-Brot“ aus Weizenmehl, Haferflocken und Erdnussöl zugefüttert.

          Die einzigen ihrer Art in deutschen Zoos

          Riesenpandas sind rar, aber nicht mehr akut vom Aussterben bedroht, sondern nur gefährdet. Bei der letzten Zählung 2014 gab es noch 1864 in der Wildnis lebende Pandas in China. Sie leben an Berghängen auf 2700 bis 4000 Meter Höhe, in den Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi. Ihr Lebensraum dort ist auf einige Naturparks geschrumpft. Die meisten Leihpandas kommen aus Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, wo China in einer großen Forschungsstation Pandabären züchtet. „Pandas sind Botschafter für ihre Art“, sagt ein WWF-Sprecher. „Der Mensch schützt, was er kennt.“ Für die Bemühungen um den Panda bekommt China Lob vom WWF.

          Die Panda-Diplomatie hat eine lange Tradition. Schon Mao Tse-tung gab die niedlichen Tiere als Geschenke an befreundete oder umworbene Staaten. Seit aber China um den Wert der Pandabären weiß, werden sie an ausländische Zoos nur ausgeliehen, gegen größere Summen. Etwa eine Million Dollar im Jahr kostet die Gebühr für ein Panda-Paar. Nach chinesischen Angaben werden damit die Forschung und Aufzucht finanziert. Mit Leihgaben bedacht werden oft Länder, die für China gerade von Bedeutung sind. Dass Deutschland mit einem Paar beglückt wird, kann durchaus als Zeichen dafür verstanden werden, dass die chinesische Regierung besonderen Wert auf die Beziehungen zu Deutschland legt.

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          Meng Meng und Jiao Qing werden die einzigen ihrer Art in deutschen Zoos sein. Auf ihrem Lufthansa-Cargo-Flug werden sie von zwei Tierpflegern und dem Berliner Tierarzt Andreas Ochs begleitet. Als Zoo-Attraktion treten sie die Nachfolge des Panda-Paars Bao Bao und Tien Tien an, die 1980 ein Geschenk an Helmut Schmidt waren, der sie wiederum dem Zoo in West-Berlin schenkte. Tien Tien verendete früh, die neue Bärin Yan Yan wurde 1995 vom damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen aus China abgeholt, erwies sich jedoch als unfruchtbar – und nicht sehr angetan von Bao Bao. Sie verendete 2007, Bao Bao 2012.

          Hoffentlich Lust auf Sex

          Bundeskanzlerin Merkel bekam die Zusage für die Leihgabe im Jahr 2015. Dann zogen sich die Verhandlungen hin. Nun hat sich in diesem Jahr ein politisch günstiger Termin für die Übergabe gefunden. Kurz vor dem Gipfeltreffen der G20 am 7. und 8. Juli in Hamburg wollen sich der chinesische Staatspräsident Xi Jinping und die Bundeskanzlerin zum Fototermin mit den beiden Pandas einfinden. Beim Treffen der G20 wollen Deutschland und China angesichts der Trumpschen Herausforderung an einem Strang ziehen, was den Freihandel und den Klimaschutz angeht. Da ist ein bisschen Panda-Diplomatie eine günstige Einstimmung.

          Wegen ihrer Größe und ihres kontrastreichen Fells sind Pandabären eindrucksvoll. Doch als Zootiere besitzen sie keinen großen Unterhaltungswert, weil sie abwechselnd Bambus mampfen und schlafen. Am Publikum zeigen sie sich nicht sehr interessiert. Gerade der sieben Jahre alte Jiao Qing soll recht träge sein. Die vierjährige Meng Meng dagegen gilt als sehr aktiv.

          Besonders wird auf einen Termin im Frühjahr 2018 hingefiebert – wenn Meng Meng ihre fruchtbaren Tage und Jiao Qing hoffentlich Lust auf Sex haben wird. Sollten die beiden in Berlin Nachwuchs bekommen, müsste dieser aber, sobald er die Mutter nicht mehr braucht, nach China gebracht werden.

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