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Erkrankung scheint möglich : Pandemie bedroht auch Berggorillas

Berggorillas im Kongo: Die Affenart ist stark gefährdet. Bild: AP

Wissenschaftler und Touristen ziehen sich aus dem Lebensraum der stark bedrohten Berggorillas zurück. Dabei sind gerade sie es, die die Tiere häufig vor Wilderern schützen. Auch die Gorillas könnten womöglich an Corona erkranken.

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          Die Ranger des Virunga-Nationalparks waren auf dem Weg zurück in ihr Hauptquartier, als sie Ende April in einen Hinterhalt gerieten. Mehrere Dutzend Kämpfer einer im Osten Kongos wütenden Rebellentruppe überfielen ihren Konvoi und richteten ein Massaker an. 17 Menschen kamen ums Leben, darunter 13 Parkwächter. So berichten es das kongolesische Institut für Naturschutz und die Leitung des Virunga-Nationalparks.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Das fast 8000 Quadratkilometer große Schutzgebiet im Länderdreieck von Kongo, Uganda und Ruanda beherbergt mehr als 600 Berggorillas. Die bis zu 200 Kilo schweren Kolosse sind die letzten ihrer Art. Gerade einmal etwas mehr als tausend von ihnen leben in allen drei Ländern zusammen noch in freier Wildbahn. Zuletzt hatte sich ihre Population etwas erholt. Doch nun drohen die Erfolge der Vergangenheit zunichte gemacht zu werden.

          In der Heimat der Gorillas eskaliert die Gewalt ausgerechnet während der Corona-Pandemie und der damit zusammenhängenden Weltwirtschaftskrise, durch die sich in vielen afrikanischen Ländern der Hunger ausbreitet. Helfer wie Christoph Waffenschmidt, der Vorstandsvorsitzende von World Vision Deutschland, warnen: „Viele Menschen müssen sich entscheiden, ob sie sich einer Erkrankung durch das Virus aussetzen oder ob sie und ihre Kinder an Hunger oder Mangelernährung sterben.“ Es sei zu befürchten, dass dieser Hunger „immer mehr Menschen in die Wildschutzgebiete treibt, um dort zu wildern“, sagt der Schweizer Artenschützer Karl Ammann, der im kenianischen Nanyuki lebt. „Ein großer Teil der afrikanischen Tierwelt landet jetzt schon in den Kochtöpfen der Ärmsten: Elefanten, Primaten, Gazellen.“

          Den Tieren drohe „ein Gemetzel“

          Doch nicht nur Krieg und Hunger setzen den Menschenaffen zu. Forscher befürchten, dass Schimpansen, Bonobos und Gorillas auch Opfer des Corona-Virus werden könnten. „Die Lage kann für die Menschenaffen grässlich werden“, warnt Thomas Gillespie, ein Umweltbiologe und Krankheitsökologe von der Emory University in Atlanta. Dass Viren nicht nur von Tieren auf Menschen überspringen, sondern auch den umgekehrten Weg gehen können, ist seit langem bekannt. Besonders gefährdet sind Menschenaffen, deren Erbgut zu 98 bis 99 Prozent mit dem der Menschen identisch ist. 2011 wiesen Wissenschaftler nach, dass sich in Ruanda zwei Gorillas mit dem humanen Metapneumovirus infiziert hatten und daran gestorben waren.

          Ähnliche Erfahrungen hatten Wissenschaftler um den deutschen Primatenfachmann Fabian Leendertz in Westafrika gemacht. Leendertz leitet im Robert-Koch-Institut die Projektgruppe „Epidemiologie hochpathogener Erreger“. Seit Jahren ist er unter anderem in einem Nationalpark in der Elfenbeinküste unterwegs. „Dort kommt es in der Schimpansenpopulation immer wieder zu Infektionen mit humanen respiratorischen Viren“, sagt er. 2016 hatten sich Tiere mit OC43 angesteckt, einem Coronavirus, das bei Menschen üblicherweise nur milde Erkältungssymptome auslöst.

          Um zu verhindern, dass sich Sars-CoV-2 nun mit möglicherweise verheerenden Folgen unter den Menschenaffen ausbreitet, haben Leendertz und Kollegen im Wissenschaftsmagazin „Nature“ eine Warnung veröffentlicht. „Als diejenigen, die professionell mit Menschenaffen arbeiten, haben wir eine große Verantwortung dafür, dass sie von unseren Krankheitserregern verschont bleiben.“ Aus diesem Grund wurden mittlerweile weltweit sämtliche Forschungsprojekte auf ein Minimum reduziert und der Tourismus eingestellt.

          „Es ist ein Dilemma“, sagt Leendertz. „Um die Tiere vor Sars-CoV-2 zu schützen, ziehen wir uns im Moment aus den von Menschenaffen bewohnten Gebieten zurück – dabei wissen wir aus Studien schon lange, dass die Anwesenheit von Wissenschaftlern und Touristen oft der beste Schutz vor Wilderern ist.“ Immer mehr afrikanischen Nationalparks geht durch die Schließung der Grenzen und das Ausbleiben der Touristen das Geld für Wildhüter und deren Ausrüstung aus. „Den Tieren in Afrika“, sagt Artenschützer Ammann, „droht ein Gemetzel.“

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