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Muffelwild in Deutschland : Bei der Brunft knallt’s

  • -Aktualisiert am

Rudelbildung: Mufflons lieben es, dicht gedrängt beieinander zu stehen und auch so zu fliehen. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Das Muffelwild ist nicht überall willkommen, aber in fast ganz Deutschland zum festen Teil der Wildbahn geworden. Bei der Brunft kann es gehörig zur Sache gehen.

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          Erst der Blick durchs Fernglas verschafft Gewissheit. Die 14 rotbraunen Tiere, die sich dichtgedrängt auf einem Feld mit aufwachsender Getreidesaat niedergelassen haben, sind keine Rehe. Als sie aufstehen und zum nahen Waldrand flüchten, sieht man, dass ihre Körper wesentlich kompakter sind als die von Rehen: Es sind Mufflons, auch Muffelwild oder Wildschafe genannt. Sie hier im Kreis Herzogtum Lauenburg im südöstlichen Schleswig-Holstein anzutreffen überrascht die Spaziergänger und sogar manchen Jäger.

          Seit etwa zwei Jahren lassen sich die Tiere, die ursprünglich in diesem Teil Deutschlands nicht heimisch sind, immer wieder mal blicken. Auf rund 50 ist der Bestand angewachsen. Die meisten sind die Nachkommen von einigen Mufflons, die ein Grundeigentümer zur „Rasenpflege“ in seinem nur teilweise eingezäunten Park angeschafft hatte. Normale Hausschafe, als deren Stammform die Mufflons gelten, erschienen ihm dafür zu langweilig. Doch er hatte nicht mit der Fruchtbarkeit und dem Ausdehnungsdrang der anfangs halbzahmen Muffelschafe gerechnet. Jetzt haben sie sich in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern ausgebreitet und damit eine kleine eigenständige Population gebildet - das vierte örtlich begrenzte Vorkommen im nördlichsten Bundesland.

          Nicht alle freuen sich über die Neusiedler

          Doch die Gatterflüchtlinge sollen nicht bleiben. Als nicht heimische Tierart, auch als Neozoen bezeichnet, gehörten sie nicht in die norddeutsche Wildbahn, argumentieren viele Naturschützer. Von Faunenverfälschung ist gar bisweilen die Rede. Auch mancher Förster und Waldbesitzer ist nicht gut auf die wilden Schafe zu sprechen. Selbst Jäger befürchten durch sie Nachteile für die angestammten Schalenwildarten. Oberste Jagdbehörden verfügen gebietsweise Totalabschüsse.

          Es gibt indes auch Befürworter der Neusiedler, die in ihnen eine Bereicherung der Wildbahn und der Jagdstrecke sehen. Sie verweisen darauf, dass in fast allen Bundesländern, selbst in Berliner Jagdgründen, gebietsweise Mufflons in teilweise beachtlicher Zahl leben und als in die deutsche Wildbahn integriert gelten.

          Ein Blick auf die Jagdstrecken der vergangenen Jahre bestätigt das. Im Jagdjahr 2014/15 (1. April bis 31. März) wurden in Deutschland 8007 Tiere erlegt, 779 mehr als ein Jahr zuvor. Im Jagdjahr 1987/88 waren es erst 4265 gewesen. Besonders wohl scheinen sich die Tiere in Mittelgebirgen und Heidelandschaften zu fühlen. Mit den höchsten Streckenzahlen können Thüringen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen aufwarten. Vom europäischen Gesamtbestand mit knapp 100 000 Tieren leben in Deutschland etwa zehn Prozent in 100 bis 120 Teilpopulationen.

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