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Der Nerz und das Virus : Beendet Corona die Pelztierzucht in Dänemark?

Der Amerikanische Nerz ist ein Raubtier aus der Familie der Marder. Bild: dpa

Dänemark ist der wichtigste Lieferant von Nerzfellen für die Bekleidungsindustrie. Doch nach Corona-Fällen auf Nerzfarmen müssen nun bis zu vier Millionen Tiere getötet und beseitigt werden. Einige Politiker fordern ein Verbot der Pelztierzucht.

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          Der Amerikanische Nerz, ein Raubtier aus der Familie der Marder, ist in Dänemark gewissermaßen ein Neuankömmling. Erst in den dreißiger Jahren wurden die ersten Exemplare zur Nutztierhaltung in das Land gebracht. Heute ist Dänemark der wichtigste Lieferant von Nerzfellen für die Mode- und Bekleidungsindustrie: Rund 17 Millionen Stück werden Jahr für Jahr aus dem Königreich exportiert, die rund 1100 dänischen Nerzzüchter halten sich für die besten der Welt.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt aber hagelt es schlechte Nachrichten für sie. Zuerst hat die Corona-Pandemie zu einem steilen Preisverfall im Pelzgeschäft geführt, weil die vor allem von asiatischen Kunden angeschobene Nachfrage stark nachließ. Dann wurden auf einer Reihe von dänischen Nerzfarmen Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen. Das ist besonders heikel; offenbar können befallene Tiere Menschen anstecken, im schlimmsten Fall mit neu entstandenen Varianten des Virus. Die sozialdemokratische Regierung in Kopenhagen hat deshalb Anfang des Monats beschlossen, dass die Bestände befallener Betriebe zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Seuche gekeult werden müssen; dasselbe gilt auch für alle benachbarten Farmen in einer Acht-Kilometer-Zone rund herum. Bisher wurden auf 105 dänischen Nerzfarmen Corona-Infektionen festgestellt, vor allem im ländlichen Nordjütland. In den kommenden Wochen sollen daher bis zu vier Millionen Tiere in Kabinen mit Kohlenmonoxid getötet und beseitigt werden.

          Ein generelles Verbot der Nerzzucht

          Ist das der Anfang vom Ende der dänischen Nerzindustrie? Tierschützer nehmen schon lange an den Haltungsbedingungen Anstoß. Sie haben sich, anders als etwa in Belgien, Frankreich und Norwegen, in Dänemark aber bisher nicht durchsetzen können. Mehr Gewicht könnte es haben, dass die oberste dänische Seuchenbehörde das jüngste Infektionsgeschehen nun als eine „potentielle Gefahr“ für die Volksgesundheit einordnet. Einige Politiker im Parlament haben sich prompt für ein generelles Verbot der Nerzzucht ausgesprochen.

          Dazu werde es nicht kommen, sagt indes der Agrarökonom Henning Otte Hansen von der Universität Kopenhagen voraus. Die Branche sei wirtschaftlich robust, das Auf und Ab der Preise werde sie überstehen. Und der politische Widerstand beschränke sich auf kleinere linke Parteien, die große Mehrheit stehe auf der Seite der Pelztierhalter. Dazu passt, dass der Staat den von der Massentötung betroffenen Betrieben eine großzügige Entschädigung zahlt. In der Bevölkerung macht man gerne Witze über die vermeintlich hinterwäldlerischen Nerzfarmer, im Fernsehen stützte sich vor kurzem eine ganze Comedyserie auf dieses Klischee. Aber in Wahrheit sind die Dänen stolz auf den Status als Weltmarktführer im Nerzbusiness. Mehr als die Hälfte von ihnen ist laut einer repräsentativen Umfrage gegen ein Verbot.

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