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Hitzige Debatte im Bundestag : Ausbreitung der Wölfe soll stärker kontrolliert werden

  • Aktualisiert am

Ein verhaltensauffälliger Wolf steht am 07.03.2016 auf einem Feld in Niedersachsen. Bild: dpa

Der Wolf ist wieder da – und hat es sogar in die Koalitionsverhandlungen geschafft. Union und SPD wollen die Ausbreitung der Wölfe künftig wieder stärker kontrollieren. Muss das Tier gejagt werden?

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          Der Wolf breitet sich aus in Deutschland, immer wieder werden Schafe und andere Nutztiere gerissen. Auch viele Menschen haben Sorgen vor Angriffen. Union und SPD wollen die Ausbreitung der Wölfe künftig stärker kontrollieren, zugleich sollen Nutztiere besser vor Angriffen geschützt werden. Das haben die Parteien in den Koalitionsverhandlungen vereinbart.

          „Die Aussage im Koalitionsvertrag dazu ist sehr eindeutig“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen die Ausbreitung des Wolfes managen, auffällige Wölfe müssen konsequent kontrolliert, zügig vergrämt und nötigenfalls erschossen werden, um eine Gewöhnung der Wölfe an den Menschen zu unterbinden“, fasste er zusammen.

          „Die Debatte war intensiv und auch kontrovers. Aber allen Beteiligten war klar, dass es ohne Management nicht weitergeht“, sagte Lies. „Wir wollen die voranschreitende Ausbreitung des Wolfes in Deutschland vernünftig managen: Die Sicherheit der Menschen hat dabei oberste Priorität“, zitierte er aus dem Vertrag.

          Die auch aus Umwelt- und Naturschutzgründen wichtige Weidewirtschaft dürfe nicht beeinträchtigt werden, betonte Lies. „Der Schutz der Nutztiere muss verbessert werden, Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssen schnell und vollständig ausgeglichen werden.“ Der Bund werde die Länder dabei unterstützen. „Wölfe, die die empfohlenen Schutzmaßnahmen für Weidetiere mehrfach überwinden, sollen entnommen werden“, stehe im Vertrag. „Der Bund wird dazu kurzfristig mit den Ländern einen Kriterien- und Maßnahmenkatalog abstimmen.“

          Im Bundestag hat der Umgang mit dem Wolf am Freitag zu einer hitzigen Debatte geführt. Der FDP-Abgeordnete Karlheinz Busen sagte, die Zahl der durch Wölfe gerissenen Herdentiere sei drastisch gestiegen. „Dadurch sind teilweise Existenzen von Landwirten bedroht.“ In einigen ländlichen Räumen schrecke der Wolf auch nicht mehr vor Siedlungsgebieten zurück. Der Wolf müsse gejagt werden, wenn eine gesunde Population überschritten werde. Die bloße Aufnahme ins Jagdgesetz ändere am Schutzstatus zunächst allerdings nichts. Ohne eine gleichzeitige Aufnahme in die Jagdzeitenverordnung unterliege der Wolf automatisch einer ganzjährigen Schonzeit.

          SPD fordert nicht nur Herden-, sondern auch Wolfsschutz

          Die SPD-Politikerin Rita Schwarzelühr-Sutter, parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerin, warf der FDP vor, Ängste vor dem Wolf zu schüren. Wolfs- und Herdenschutz müssten vertretbar miteinander gestaltet werden. Eine Bejagung sei nicht sinnvoll. Ähnlich äußerte sich die Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke.

          Der Schutz der Herden müsse verbessert werden, sagte Nabu-Wolfsexperte Lucas Ende der dpa. Er ist überzeugt: „Der Schutz der Weiden mit Elektrozäunen funktioniert am besten.“

          „Auffällige Wölfe sind extrem selten“

          „Bei den Zäunen gibt es ein Wettrüsten“, hält Torsten Reinwald dagegen, Pressesprecher des Deutschen Jagdverbands. „Erst war es knapp ein Meter Höhe, aktuell sollen es 1,20 Meter sein.“ Es gebe aber schon Fälle, wo der Wolf 1,60 Meter überwunden habe. „Außerdem sind das Barrieren für viele andere Tierarten“, erklärte er. „Wir müssen viel, viel schneller handeln können. Wenn wie in Cuxhaven Wölfe ausgewachsene Rinder auf der Weide angreifen und fressen, dann müssen Konsequenzen folgen“, so Reinwald weiter. „Da bleibt letztendlich nur, die Wölfe zu töten. Eine Vergrämung ist da unrealistisch, das ist eine leere Worthülse.“

          Eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz sagte, in den vergangenen 20 Jahren sei es in Deutschland zu keiner Begegnung zwischen einem Wolf und einem Menschen gekommen, bei der ein Mensch aktiv angegriffen oder gar verletzt worden sei. „Wölfe, die sich gegenüber Menschen auffällig verhalten, sind extrem selten.“ Auch sie betonte, dass Jagd keine Methode zum Schutz der Herden sei.

          Wölfe auf einem realistischen Niveau halten

          „Den Wolf jetzt in das Jagdrecht aufzunehmen macht keinen Sinn, da der Wolf dann eine ganzjährige Schonzeit hätte“, sagte Lies. Hintergrund sei der sogenannte günstige Erhaltungszustand, der angesichts von EU-Regeln als Voraussetzung für eine Jagd erreicht sein müsse. „Wichtiger ist, dass der Bund mit Polen ein gemeinsames Monitoring auf den Weg bringt“, so Lies. „Wir brauchen das, um zu sehen, wie sich die Population des Wolfes eigentlich entwickelt hat, wann wir einen gesunden Erhaltungszustand haben - und wann wir am Ende auch über Jagdrecht und Entnahme reden können.“ Ziel müsse sein, die Wölfe auf einem realistischen, gesunden Niveau zu halten.

          Auch in Brüssel habe er für seinen Antrittsbesuch den Wolf auf die Tagesordnung setzen lassen, sagte Lies. „Die EU-Kommission definiert, wann der Wolf zum Beispiel ins Jagdrecht könnte – wann es also einen Erhaltungszustand gibt, der als entsprechende Grundlage gelten kann.“

          „Wir brauchen Schafe für die Sicherheit der Deiche“

          Auf EU-Ebene werde er sich für eine sachgerechte Ausnahmeregelung bei der Entnahme auch wegen wirtschaftlicher Schäden einsetzen, versprach Lies. Das sei besonders für die Küstenregion wichtig, weil dort die Deiche nicht komplett wolfssicher eingezäunt werden könnten. „Wir sind auf die Schafshalter angewiesen und brauchen für die Sicherheit der Deiche und damit der Menschen die Schafe auf den Deichen“, betonte Lies, der schon länger klarere Regeln fordert. Die Sicherheit der Menschen habe oberste Priorität, hatte er wiederholt betont. Das könne in bestimmten Fällen auch den Abschuss einzelner Tiere oder gar eines problematischen Rudels zur Folge haben.

          Allein in Niedersachsen sind nach Angaben der Landesjägerschaft etwa 150 Wölfe unterwegs, bundesweit sollen es um die 500 sein.

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