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Gefährliches Versteck : Auf den Spuren der Waldohreule

  • -Aktualisiert am

Gefährliches Versteck: Waldohreulen auf einer Weide Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Sie ist Deutschlands zweithäufigste Eulenart und versteckt sich normalerweise in dicht benadelten Baumkronen. Unser Autor hat eine erwachsene Waldohreule und ihre flüggen Jungen aber im Geäst einer alten Weide entdeckt – ein gefährliches Versteck.

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          Mit diesem Tagesversteck, das die erwachsene Waldohreule für sich und ihre flüggen Jungen in der Morgendämmerung ausgesucht hat, hat sie keine gute Wahl getroffen. Statt in einer dicht benadelten Fichtenkrone, in einer üppig beblätterten Buche oder Eiche sind die Vögel im Geäst einer alten Weide gelandet. Hier haben sie zwar viel Platz, jedoch wenig Deckung. Die aber ist für sie lebenswichtig. Wenn ein Habicht oder ein Sperberweibchen die Familienrunde entdeckt, greifen sie in einem Überraschungsangriff blitzschnell mit ihren scharfen Krallen an den Zehen der Füße (Fänge) zu.

          Sind es bei Tage Greifvögel, die den mit Ausnahme der Federohren und dem längeren Stoß etwa taubengroßen Waldohreulen gefährlich werden können, so müssen sie sich in der Dämmerung und bei Nacht vor einigen der insgesamt zehn in Deutschland und Mitteleuropa lebenden Eulenarten vorsehen. Vor allem der Uhu, die größte der vier „Ohreneulen“ – neben der Waldohreule sind das die bei uns seltene Zwergohreule und die Sumpfohreule –, und der Waldkauz halten sich des öfteren an Angehörigen aus der eigenen Familie der Eulen (Strigdae) schadlos. Weltweit gibt es 146 Eulenarten. Der Lebensraum der Waldohreule erstreckt sich von den Kanarischen Inseln bis nach Japan, auch Nordafrika, Ostafrika und Nordamerika hat sie besiedelt.

          Ein eigenes Nest kommt nicht in Frage

          In Deutschland ist die Waldohreule (Asio otus) nach dem größeren Waldkauz die zweithäufigste Eule. Oft lebt und brütet sie ganz nah an menschlichen Siedlungen. Friedhöfe, Parkanlagen und Gärten mit altem Baumbestand bevorzugt sie als Standorte. Die alte Weide, auf der die Vögel fotografiert wurden, steht nur gut zehn Meter von einem bewohnten Haus entfernt. Doch hier würden sie nie nisten. Zur Brut, die manchmal schon Ende Februar beginnt, sucht sich ein Paar das ausgediente Nest einer Krähe, einer Elster, eines Greifvogels, einer Ringeltaube, eines Graureihers oder den verlassenen Kobel von Eichhörnchen. Ein eigenes Nest zu bauen kommt für sie wie für fast alle anderen Eulen nicht in Frage. Während der Balz umwirbt das Männchen mit leisen, aber dennoch gut hörbaren monotonen „Huh“-Rufen und mit klatschenden Flügelschlägen das Weibchen. Das weithin hörbare Klatschen erzeugt es durch das Zusammenschlagen seiner Schwingen unter seinem Bauch beim Fliegen. Die Schwingen haben eine Spannweite von 90 Zentimetern. Bei der Nestsuche trifft das Weibchen die endgültige Auswahl, denn es allein brütet 27 bis 30 Tage und wird währenddessen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Feldmäuse stehen an erster Stelle der Beute. Neben anderen Mausarten und Ratten schlagen sie bisweilen auch ein Teichhuhn, einen Steinkauz oder einen Singvogel.

          Viele Mäuse sorgen für viele Eier

          Oft ist die Brutunterlage so dürftig, dass kaum Platz bleibt für das volle Gelege von vier bis fünf Eiern, in Jahren mit vielen Mäusen sogar bis zu neun Eiern. Ob ein Nest von einer Waldohreule belegt ist, lässt sich meistens an dem herausragenden Schwanz oder den sichtbaren Federohren erkennen. Die Jungen, nach dem Schlüpfen einige Tage blind und taub, verlassen im Alter von etwa drei Wochen das Nest. Sie sind dann noch nicht flugfähig, klettern aber, oft von den flatternden Flügeln unterstützt und mit leisem Fiepen Kontakt zu Geschwistern und Eltern haltend, im Geäst der Bäume umher. Bis die drei Jungvögel rechts auf unserem Bild (links einer der Altvögel mit angelegten Ohren und mit wachem Blick seiner arttypischen bernsteingelben Augen) flügge sind, vergehen weitere zwei bis drei Wochen.

          Im Herbst, nach der ersten Mauser, verlassen die meisten Jungvögel ihre Heimat und ziehen nicht selten in bis zu 2000 Kilometer entfernte süd- und ostwärts gelegene Gegenden. Dabei überfliegen sie sogar Meere. Die „Horneule“ oder der „Kleine Uhu“, wie die Waldohreule im Volksmund neben knapp 50 anderen Namen auch heißt, kann in Gefangenschaft 28 Jahre alt werden. Ihr Bestand wird im Atlas Deutscher Brutvogelarten von 2014 mit 26000 bis 43000 Revierpaaren angegeben.

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