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Angespülte Tiere : Zehn Pottwale in nur einer Woche gestrandet

Ein Kamerateam steht am Samstag am Strand von Wangerooge neben einem angeschwemmten toten Pottwal. Bild: dpa

An den Nordseeküsten sind zahlreiche Wale gestrandet und verendet. Auch ein Rettungsteam, das die Wale zurück ins Meer treiben sollte, konnte sie nicht mehr retten. Denn die Tiere haben einen verhängnisvollen Fehler gemacht.

          An den Küsten der Nordsee sind in den vergangenen Tagen immer mehr Pottwale verendet. Der bislang letzte Fund war am Mittwoch ein totes Tier bei Büsum in Schleswig-Holstein. Bei Helgoland waren zuvor zwei Pottwale tot im Wasser treibend entdeckt worden. Vor der Küste der niederländischen Wattenmeer-Insel Texel verendeten gleich fünf Exemplare. Sie waren am Dienstag noch lebend in der Brandung entdeckt worden. Gemäß dem niederländischen Wal-Protokoll wurde umgehend ein Rettungsteam gebildet, dass die Tiere zurück in die See treiben sollte. Wegen schlechten Wetters musste die Aktion allerdings abgebrochen werden.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Am Morgen stellten die Fachleute dann den Tod der fünf Pottwale fest. Mit den zwei Tieren, die schon am vergangenen Freitag auf einer Sandbank vor der niedersächsischen Nordsee-Insel Wangerooge entdeckt wurden, sind nun insgesamt zehn Pottwale tot gesichtet worden. Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) aus dem Niedersächsischen Umweltministerium sagte am Mittwoch in Hannover, vor der niederländischen Küste seien zudem noch weitere Pottwale gesichtet worden. Bei einem Sichtungsflug über dem Niedersächsischen Wattenmeer wurden nach Angaben des Ministeriums jedoch keine weiteren Tiere der geschützten Art entdeckt. „Es könnte jedoch sein, dass noch weitere Exemplare angespült werden“, sagte Kottwitz.

          Die Wale sind falsch abgebogen

          Die Staatssekretärin sagte, die Pottwale hätten vermutlich einen folgenreichen Fehler begangen. Statt ihren Weg aus den kalten arktischen Gewässern in Richtung Äquator fortzusetzen, seien sie bei den schottischen Shetland-Inseln falsch abgebogen und in die Nordsee geschwommen. Der natürliche Lebensraum von Pottwalen sind Ozeane mit einer Wassertiefe von mehr als 1000 Metern. Wenn die Großsäuger jedoch durch die etwa 700 Meter tiefe Norwegische Rinne schwimmen, können sie sich später in der allenfalls 100 Meter tiefen Nordsee nicht mehr über ihre Echolaute orientieren.

          „Nicht nur das Wattenmeer, die gesamte Nordsee ist für die Pottwale flaches Gewässer“, sagte Kottwitz. Einmal in die Nordsee gelangt, hätten die Tiere keine Chance mehr. „Es gibt natürlich immer Bemühungen, die Wale am Leben zu erhalten, aber es ist fast aussichtslos. Beinahe unmöglich ist es, sie dorthin zurückzubringen, wo sie sein sollten.“ Bei den nun gefundenen Pottwalen soll es sich ausschließlich um junge Männchen handeln. „Es sind immer junge Herren, die sich verirren“, sagte Kottwitz. „Die Damen bleiben am Äquator, wo es schön warm ist.“

          Geprüft werden soll nun, ob alle in der Nordseeküste verendeten Pottwale demselben Verband angehörten. Zudem soll der Mageninhalt der Tiere auf Plastikmüll untersucht werden. Nach Angaben der Grünen-Politikerin gibt es zur Zeit aber keine Hinweise darauf, dass menschlicher Müll im Meer oder Unterwasserlärm durch Ölförderung oder Windkraftanlagen für das Verenden der Tiere ursächlich sei.

          Ein Fachmann musste die Wale entgasen

          Es sei zwar bekannt, dass sich Schweinswale von solchen Geräuschen stören ließen. Bei Pottwalen sei dies jedoch nicht belegt. Zudem gebe es schon aus dem 16. Jahrhundert Berichte über an der Nordseeküste gestrandete Wale, sagte Kottwitz. Auch in der jüngeren Vergangenheit habe es immer wieder vergleichbare Vorkommnisse gegeben. 1997 etwa wurden in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden insgesamt etwa 20 tote Wale gefunden.

          Die Behörden planen nun den Abtransport der toten Wale. Den beiden zuerst gefundenen Exemplaren auf Wangerooge waren schon am Wochenende die Unterkiefer abgetrennt worden, damit sich Trophäenjäger nicht an den Tierkörpern zu schaffen machen. Ein Problem beim Umgang mit den jeweils mehr als zwölf Meter langen Pottwalen sind die Verwesungsgase, die sich in ihren Kadavern bilden. Diese können nicht nur gesundheitsschädlich sein, es besteht auch die Gefahr, dass die Kadaver bersten. Das Gebiet um die toten Tiere ist deshalb schon seit Tagen gesperrt.

          Am Mittwoch wurden die beiden toten Wale von einem niederländischen Fachmann entgast. Er stach die Kadaver mit einem langen Speer an. In den nächsten Tagen soll ein erster Versuch unternommen werden, die Tiere abzutransportieren. Dafür soll im Sand eine Rinne geformt werden, durch welche die mit Seilen umwickelten Kadaver gezogen werden können. Anschließend sollen die Walkörper in den Hafen nach Hooksiel gebracht und dort zerlegt werden. Die Kosten der Beseitigung eines Kadavers wurden am Mittwoch auf etwa 20.000 Euro beziffert.

          Dem vorzeitigen Ende der jungen Wale will man auf der Insel Wangerooge aber zumindest ein wenig Sinn abgewinnen. Einer der beiden Pottwalkörper soll für etwa 60.000 Euro präpariert werden. Sein Skelett könnte künftig im Nationalpark-Haus Wangerooge zu besichtigen sein.

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