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Aktion in Kenia : Stoßzähne im Wert von 100 Millionen Dollar angezündet

Kenias Präsident Mwai Kibaki hat den ersten Haufen Stoßzähne im Tsavo West National Park in Brand gesetzt. Bild: dpa

Kenia will ein Zeichen gegen Wilderei setzen und lässt dafür mehr als 100 Tonnen Elfenbein in Flammen aufgehen.

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          Im Nationalpark von Nairobi hat man sich am Samstag auf ein Riesenspektakel vorbereitet: ein Dutzend mehr als zwei Meter hohe Elfenbein-Türme wurden feierlich angezündet. Noch nie zuvor wurde so viel Elfenbein auf einmal vernichtet: 105 Tonnen Elefantenstoßzähne und 1,5 Tonnen Nashorn-Hörner hatten die Behörden sorgsam aufeinander schichten lassen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Von der Ferne sahen die kegelförmigen Gebilde wie harmlose Strohballen aus. Doch die kenianische Regierung hat ein ernstes Anliegen: Sie will mit dem Feuerspektakel gegen den Handel mit Elfenbein protestieren und auf den Schutz der Elefanten aufmerksam machen. „Es wird mir eine Freude sein, mehr als 100 Tonnen Elfenbein in Brand zu setzen, und damit einen Beitrag zu leisten, um Wilderern und ihren Komplizen das Handwerk zu legen“, schrieb der Präsident Uhuru Kenyatta in der kenianischen Zeitung „The Star“. „Wenn wir nichts unternehmen, werden unsere Kinder die ersten Afrikaner in 10.000 Jahren sein, die ohne diese schönen Tiere aufwachsen“.

          Besonders in Asien ist Elfenbein begehrt

          Naturschützer schätzen, dass in Afrika jedes Jahr zwischen 20.000 und 35.000 Elefanten skrupellosen Wilderern zum Opfer fallen, die es auf ihre wertvollen Stoßzähne abgesehen haben. Die Population ist in den vergangenen Jahrzehnten auf heute knapp 500.000 geschrumpft. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es angeblich noch drei bis fünf Millionen Elefanten in Afrika. Kenias Nachbar Tansania ist besonders betroffen. Elefanten, die 50 bis 70 Jahre leben können, pflanzen sich nur langsam fort. Das macht es besonders schwer, sich gegen den Schwund zu stemmen.

          Elfenbein ist vor allem in Asien als Statussymbol begehrt, wo es zu Schmuck oder Kunstgegenständen verarbeitet wird. Nur wenige Tage zuvor hatte der Zoll in Thailand vier Tonnen geschmuggeltes Elfenbein in einem Wert von 6 Millionen Dollar sichergestellt.

          Seit 1989 ist der internationale kommerzielle Handel mit Elfenbein größtenteils verboten. Einige afrikanische Länder jedoch erwirkten Ausnahmen, um Elfenbein-Lagerbestände mit Zertifikaten verkaufen zu dürfen. Die kenianische Regierung drängt die internationale Gemeinschaft jetzt zur Unterzeichnung eines globalen Handelsverbots, das auf einer Artenschutzkonferenz im Herbst in Südafrika diskutiert werden soll. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie wir unsere Elefanten verlieren”, sagte Kenyatta. Naturschützer verweisen auch auf Korruption als Grund, weshalb der Elfenbein-Handel weiter floriert. Zudem seien die Sicherheitskräfte der Wilderer-Mafia in vielen afrikanischen Ländern hilflos ausgesetzt.

          Elfenbein im Wert von 100 Millionen Dollar verbrannt

          Kenyatta und einige seiner Vorgänger hatten schon vorher Elfenbein aus Protest verbrannt, aber weitaus geringere Mengen. Schätzungen nach ging am Samstag etwa 5 Prozent der Elfenbeinmenge auf der Welt in Flammen auf. Bei den jetzigen Stoßzähnen und Nashorn-Hörnern handelte es sich um Diebesgut, das über Jahrzehnte beschlagnahmt wurde. Fachleute hatten jeden einzelnen Zahn und jedes einzelne Horn zuvor gekennzeichnet, elektronisch erfasst und von einigen Proben für eine DNA-Analyse entnommen. Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, Raubzüge nachzuvollziehen und den Verbrechersyndikaten auf die Schliche zu kommen. Lediglich 32 Tonnen Elfenbein hielten die Kenianer zurück. Sie dienen zu Forschungszwecken oder werden in laufenden Gerichtsverfahren benötigt.

          Kritiker äußerten Zweifel, ob sich das Verbrennen von Elfenbein auf den Markt auswirken werde. Der weltberühmte bekannte Tierschützer und Paläontologe Richard Leakey jedoch hielt dagegen: „Ich glaube, dass viele Menschen in China und anderswo einfach nicht wissen, was sie den Elefanten mit dem Kauf von Elfenbein antun. Vielleicht denken sie, es stamme von Elefanten, die auf natürliche Weise gestorben sind“, sagte der Wissenschaftler, über dessen Leben Angelina Jolie und Brad Pitt demnächst einen Film drehen wollen, „aber wenn Kenias Regierung Elfenbein von einem Wert von 100 Millionen Dollar verbrennt, wird es ihnen vielleicht die Augen öffnen“. 

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