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92 Stück : Endlich wieder mehr Delfine im Mekong

Getummel im Mekong Bild: AFP

Erstmals seit mehr als 20 Jahren hat die Zahl der Delfine im Mekong dank dem Vorgehen gegen Wilderer wieder zugenommen. Die Tierschützer staunen.

          2 Min.

          Der Mekong durchquert sechs Länder und ist mehr als 4500 Kilometer lang. Gut 60 Millionen Menschen leben an ihm und meist auch von ihm. Sie fischen, sie betreiben Landwirtschaft und sie setzen auf die immer zahlreicheren Touristen – das alles gefährdet den Irrawaddy Delfin. Er ist benannt nach dem großen burmesischen Fluss, die größte Population der stark bedrohten Säuger aber lebt im Mekong. Und erstmals seit mehr als 20 Jahren hat die Zahl der Delfine dort dank strikter Regeln, Überwachung, Ausbildung und dem Vorgehen gegen Wilderer wieder zugenommen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In diesem Jahr zählten die Mitarbeiter des World Wild Fund For Nature (WWF) gemeinsam mit den Entsandten der Fischerei Behörde in Kambodscha die verbliebenen Irrawaddy Delfine im Mekong. 2015 waren sie nur noch auf 80 gekommen. Nun aber staunten sie: Denn sie fanden 92 der dunkelgrauen Säuger. Auch wurden in den vergangenen drei Jahren 32 Delfine geboren. Die Sterblichkeit der Jungtiere sei stark gesunken, berichtet der WWF. Sank der Bestand in der Zählperiode bis 2004 noch um sieben Prozent, schrumpfte er bis 2015 um immer noch 1,6 Prozent. Nun die Umkehr. Für den WWF ist der Anstieg der Population in Zeiten wachsender Industrialisierung, intensiverer Agrarwirtschaft und steigenden Fremdenverkehrs am Mekong ein „historischer Erfolg“.

          Früher wurden die kleinen Wale gefangen, um ihr Fleisch und Öl zu nutzen. Sie litten unter dem Fischen mit Dynamit, und auch die Soldaten Kambodschas machten Jagd auf sie. Heute sind sie besonders gefährdet durch Stellnetze, die sich oft Hunderte Meter durch den Fluss ziehen. Die neuen dünnen Billignetze aus China sind für die Tiere kaum noch auszumachen, während sie die dickeren der vergangenen Jahre erkennen konnten. Damit nicht genug: Dämme und Bewässerungssysteme der Menschen am Fluss nehmen ihnen den Lebensraum. Die Wasserkraftanlagen hindern kleinere Fische daran, ihre Laichplätze zu erreichen – damit aber fehlt den Delfinen ihre Ernährungsgrundlage. Pestizide und Plastikabfälle belasten das Flusswasser. Und schließlich nimmt der Bootsverkehr auf dem Mekong dank der zunehmenden Zahl der Reisenden und dem verstärkten Handel immer weiter zu – das setzt die Tiere unter Stress und tötet manche in den Schiffschrauben.

          Die Delfinhüter aber melden nun Erfolge: Seit 2015 wurden 35 Wilderer festgenommen, 16 verurteilt. Gut 358 Kilometer Stellnetze wurden aus den Bereichen entfernt, in denen sich die bis zu 2,7 Meter langen Tiere tummeln. „Wir konzentrieren uns auf Schutz und Konservierung“, sagt Eng Cheasan, der Generaldirektor der kambodschanischen Fischereiverwaltung. „Wir werden die Schulung ausbauen, um noch mehr Menschen entlang des Flusses zur Teilnahme an unseren Programmen zu bewegen.“ Das scheint zu Früchte zu tragen: Verendeten 2015 noch neun Tiere, waren es 2016 nur noch sechs, und 2017 nur noch zwei.

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