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Tiere : Schwere Zeiten für Vögel

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Auf der roten Liste, der Spatz Bild: AP

Das Worldwatch Institut warnt vor einem Artenrückgang unter Vögeln wie dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren.

          4 Min.

          Nie zuvor mussten Vögel weltweit so viele Federn lassen wie in diesen Tagen. Seit dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren habe es keinen derart dramatischen Artenrückgang mehr gegeben, warnt eine Studie des Worldwatch Institutes In Washington. Naturschützer legten zudem in Bonn eine Rote Liste vor, aus der hervorgeht, dass es vielen wild lebenden Vögeln in Deutschland wie etwa Haussperling, Mehlschwalbe, Kiebitz oder Feldlerche, deutlich schlechter geht. Und Wissenschaftler melden, dass der Klimaeffekt vor allem Zugvögel bedrohe.

          Und schuld ist vornehmlich der Mensch. Die Untersuchung „Winged Messengers: The Decline of Birds“ (Geflügelte Boten: Der Niedergang der Vögeln) des Worldwatch Instituts macht aus, dass 99 Prozent der am schärfsten bedrohten Vogelarten unter Faktoren leiden, die vom Menschen beeinflusst sind.

          Fast 1.200 Vogelarten sterben laut Prognose noch in diesem Jahrhundert aus

          Laut Institut werden zwölf Prozent der weltweiten Vogelpopulation - fast 1.200 Arten - wahrscheinlich noch in diesem Jahrhundert aussterben. Doch geht es, wie der Titel der Studie sagt, nicht nur um die gefiederten Freunde des Menschen, sondern um diesen selbst. „Vögel sind wertvolle Indikatoren für die Lage der Umwelt. Mit ihrem Gedeih oder Verderb weisen sie auf Probleme, die auch dem Menschen bevorstehen“, erläutert Studienautor Howard Youth.

          Auch bedroht, der Kiebitz

          Zu diesen Problemen gehört in erster Linie der Verlust ihres Lebensraumes durch das Abholzen von jährlich 50.000 bis 170.000 Quadratkilometern Waldfläche. Dies gefährdet das Überleben von 85 Prozent der am meisten bedrohten Vogelarten und wird selten durch ein neues Aufforsten ausgeglichen. Lebensbedrohend können auch gebietsfremde Tiere wie Schlangen, Ratten, Pflanzen oder Insekten sein, die durch den globalen Handel oder internationalen Tourismus in die Lebensräume der Vögel eingeführt wurden.

          Pestizide töten jährlich Millionen Vögel auf dem Land und im Wasser. Ölkatastrophen durch havarierte Tanker können ganzen Populationen zum Verhängnis werden. Der illegalen Jagd für seltene Vogelarten fallen jährlich ebenfalls Millionen zum Opfer, schreibt Youth. Der Einsatz überlanger Fischfangleinen bedroht wenigstens 23 Arten von Seevögeln. Andere Vogelarten werden durch Klimaveränderungen aus der Bahn geworfen oder verlieren durch sie ihren Lebensraum.

          Dem dramatischen Verlust der Artenvielfalt können nach Überzeugung des Wissenschaftlers nur international koordinierte Maßnahmen Einhalt gebieten. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass bereits bestehende Gesetze in Zukunft strikter befolgt werden.

          Brutvögel in Deutschland arm dran

          In Deutschland ist nach Angaben des Vizepräsidenten des Naturschutzbundes (Nabu), Helmut Opitz sowohl die Zahl der stark gefährdeten Arten als auch die der Vögel auf der so genannten Vorwarnliste gewachsen.„Das ist die bittere Quittung für den sorglosen Umgang mit unserer heimischen Natur.“ Mehr als die Hälfte aller Vogelarten wird nach den Erhebungen inzwischen als gefährdet eingestuft (110 Arten) oder weist Besorgnis erregende Bestandsverluste (31 Arten) auf. Als ungefährdet gelten noch 113 von insgesamt 254 Arten. Die dritte Rote Liste nach der Wiedervereinung (Vorgängerlisten 1991 und 1996) wurde vom Nabu, dem Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV) und dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erarbeitet und präsentiert.

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