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Tiere : Nacktmulle - langes Leben unter der Erde

  • -Aktualisiert am

Lieber nicht ans Licht - der Nacktmull Bild: dpa

Kleine Nager leben nicht lang. Selbst unter optimalen Bedingungen werden sie meist nicht älter als zwei bis drei Jahre. Ganz anders der Nacktmull, der sich unterirdisch in ostafrikanischen Wüstengebieten tummelt.

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          Kleine Nager wie Mäuse und Goldhamster haben keine hohe Lebenserwartung. Selbst unter optimalen Bedingungen werden sie meist nicht älter als zwei bis drei Jahre. Ganz anders der Nacktmull, Heterocephalus glaber, der sich unterirdisch in ostafrikanischen Wüstengebieten tummelt. Kaum größer als eine hiesige Feldmaus, kann er mehr als 26 Jahre alt werden. Damit ist er eines der langlebigsten Nagetiere, womöglich sogar das langlebigste überhaupt, wie Paul Sherman von der Cornell University und Jennifer Jarvis von der Universität Kapstadt vermuten. Nachdem sie diese kleinen nackthäutigen Nager vor 26 Jahren erstmals in Pflege genommen haben, ist eines der damals gefangenen Tiere noch immer am Leben ("Journal of Zoology", London, Bd. 258, S. 307).

          Bis auf den Tag genau läßt sich das Alter nur bei Nacktmullen feststellen, die in Gefangenschaft geboren sind. Einige von ihnen haben, gesund und munter, bereits die Zwanzig überschritten. Vielleicht ist es also nur eine Frage der Zeit, bis das eine oder andere Exemplar nachweislich ein Alter von mehr als 27 Jahren und 4 Monaten erreicht. Diesen Rekord für Nagetiere hält derzeit das afrikanische Stachelschwein Hysterix brachyura. Der älteste Biber starb mit 25 Jahren. Beide Arten von Nagern sind ebenso stattlich wie wehrhaft: der Biber mit seinem kraftvollen Gebiß, das Stachelschwein mit seinen Stachelspießen, die sich in die Haut des Gegners bohren.

          Keine leichte Beute

          Trotz ihrer bescheidenen Körpergröße sind die Nacktmulle ebenfalls keine leichte Beute. In ihrem unterirdischen Tunnelsystem sind sie vor Feinden gut geschützt. Zumal die kräftigen Nagezähne, mit denen sie die Gänge in das steinharte Erdreich meißeln, auch als Waffen taugen. Außergewöhnlich langsam ist der natürliche Alterungsprozeß wohl auch deshalb, weil die Nacktmulle ihren Stoffwechsel auf Sparflamme halten. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren brauchen sie kaum Energie in die Regulierung ihrer Körpertemperatur zu investieren - in ihren unterirdischen Gängen herrscht jahraus, jahrein eine gleichmäßige Temperatur von 29 bis 30 Grad Celsius.

          Darüber hinaus dürfte noch eine dritte Eigenart die Evolution von Langlebigkeit begünstigt haben: Das Sozialsystem der Nacktmulle gibt kleinen, jungen Tieren kaum eine Fortpflanzungschance. Denn ähnlich wie in einem Bienenvolk bringt stets nur ein einziges Weibchen Junge zur Welt. Das Privileg, Vater zu werden, ist ähnlich eingeschränkt. Nur ein bis drei Männchen dienen dem fruchtbaren Weibchen als Partner. Alle übrigen Tiere - durchschnittlich siebzig bis achtzig, bei üppigem Nahrungsangebot auch bis zu dreihundert - arbeiten mehr oder weniger eifrig für die Gemeinschaft. Sie schaffen nahrhafte Zwiebeln und Knollen herbei, bauen das Tunnelsystem aus und verteidigen es energisch gegen Eindringlinge. Wenn jedoch die "Königin" oder ihr Partner sterben, dann rekrutieren sich die Nachfolger aus dieser Arbeiterschar. Mitunter, so beobachteten die Forscher, gelingt es einem Nacktmull noch im reifen Alter von siebzehn Jahren, eine solche Spitzenposition zu erringen. Lange abwarten zu können lohnt sich also.

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