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Tiere : Maikäfer kommen im April - dafür zu Milliarden

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Maikäfer am zerstörerischen Werk

Maikäfer am zerstörerischen Werk Bild: dpa

Alle vier Jahre locken Frühling und Sonne eine neue Maikäfer-Generation aus dem Boden - mit verheerenden Folgen.

          2 Min.

          Der Maikäfer kommt - im Südwesten sogar gewaltig. In Südhessen droht in diesem Jahr die größte Maikäferplage seit Jahrzehnten: Rund fünf Milliarden der braunen Käfer werden um Darmstadt, Lampertheim und Mannheim aus dem Boden krabbeln, sobald die Frühlingssonne Luft und Boden erwärmt hat. Was viele Menschen als Naturschauspiel erleben, sehen die Forstleute mit großer Sorge. Es gibt kein zugelassenes Mittel gegen die braunen Brummer, und so können sie sich immer weiter ausbreiten. Dabei richten die Engerlinge des Waldmaikäfers (Melolontha hippocastani) während ihrer vierjährigen Entwicklung im Boden dramatische Schäden an.

          Auch in anderen Regionen Deutschlands gibt es vereinzelt Maikäfer- Vorkommen. So klagen die Bauern in Nordbayern über wachsende Schäden, die der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) auf ihren Äckern verursacht. Die Engerlinge ziehen Wildschweine an, die nach der begehrten Eiweißnahrung das Erdreich umwühlen.

          Bäume von oben und unten abgefressen

          In Südhessen gab es bereits mehrere Massen-Flugjahre, im Vier-Jahres-Rhythmus wuchs die Zahl der Maikäfer seit 1982 in die Milliarden. Wenn die Temperaturen stimmen, verlassen die braunen Brummer wie auf Kommando den Boden - nach der Erwartung der Experten in diesem Jahr etwa ab Mitte April. In der Dämmerung steuern die Käfer schnurstracks Laubbäume an. Von deren frischem Grün bleibt nach der Attacke nichts übrig. Normalerweise erholen sich die Bäume jedoch wieder und treiben im Juni neu aus.

          Viel größer ist die Gefahr, die im Boden lauert: Jedes Käferweibchen legt 60 bis 70 Eier. Die Engerlinge, die sich daraus entwickeln, fressen den Wald buchstäblich von unten auf. Die weißlichen, schließlich daumengroßen Larven ernähren sich von Wurzeln. Treten sie in Massen auf vernichten sie ganze Wälder. Zwei bis vier Engerlinge je Quadratmeter kann der Wald nach Erfahrung der Forstleute verkraften. In Südhessen sind es inzwischen bis zu 168 Engerlinge je Quadratmeter. Stattliche Bäume lassen sich mit einer Hand umstoßen, wenn ihre Wurzeln der Massenattacke zum Opfer gefallen sind. Nach Angaben des hessischen Umweltministeriums sind mehr als 6.000 Hektar Wald befallen.

          Kein Mittel gegen die Schädlinge

          Die Forstleute müssen dem Spektakel tatenlos zusehen, denn ein wirksames und umweltschonendes Gegenmittel gibt es bislang nicht. An biologischen Mitteln wird gearbeitet. Im Raum Mannheim wollen die Förster versuchsweise ein Insektizid ausbringen. Das Mittel sei im Spargel- und Obstanbau zugelassen, wirke tödlich gegen Maikäfer, aber sei für andere Insekten kaum schädlich, sagt Hansjochen Schröter von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die in Hessen befallenen Flächen seien aber für eine punktuelle Bekämpfung viel zu groß.
          Auch Vögel, Fledermäuse oder Wildschweine als natürliche Feinde der Käfer und Larven fressen, was sie können, aber „das hilft bei der Menge nicht viel“, sagt Horst Gossenauer-Marohn vom Landesbetrieb Hessen-Forst.

          Alle Hoffnung setzen Förster und Wissenschaftler nun auf ein neues Mittel auf Biobasis: Mit einem Duftstoff sollen die männlichen Käfer in eine Falle gelockt werden, wo ein Schadpilz lauert. Fliegt der Käfer wieder aus der Falle, soll er tödliche Sporen mitnehmen, bei der Paarung an Weibchen weitergeben und auf diese Weise die Eier infizieren. Funktioniert das System, vernichtet der Pilz die neue Brut. Das Mittel soll in diesem Jahr erstmals erprobt werden.

          „Da könnten wir auch gleich Geldscheine vergraben“

          Ordnungsgemäße Waldwirtschaft ist in Südhessen längst nicht mehr möglich. Aufforstung ist im Staatswald verboten, ganze Landstriche sind bereits entwaldet. Neuanpflanzungen machen keinen Sinn, denn das wäre nur neues Futter für die Engerlinge. „Dann könnten wir auch gleich Geldscheine vergraben“, sagt Gossenauer- Marohn.

          „Wir warten auf den natürlichen Zusammenbruch der Population“, so Stefan Reccius, Leiter des am stärksten betroffenen Forstamts Lampertheim. Erfahrungsgemäß gehen die Maikäfer nach Massenvermehrungen nach vier bis sieben Generationen von selbst zu Grunde. Bisher gibt es allerdings dafür in Südhessen keine Anhaltspunkte.

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