https://www.faz.net/-gum-ov80

Tiere : Die Vortänzer der Indianer

  • -Aktualisiert am

Vom Aussterben bedroht: das Kleine Präriehuhn Bild: Kansas Department of Wildlife and Parks

Einst bevölkerten sie die Prärie - heute stehen sie auf der Liste der bedrohten Tiere ganz weit oben: In Texas versucht man, die Attwaters-Präriehühner vor dem Aussterben zu bewahren.

          6 Min.

          Vor etwa 250 Jahren, als sich durch die Mitte Nordamerikas noch ein breiter Präriegürtel zog, konnten die Siedler an manchen Stellen im Frühjahr morgens und abends kaum ihr eigenes Wort verstehen. Dann war die Luft von dumpfen Trommelschlägen und lauten Klickgeräuschen erfüllt, und über die "rolling hills", die von wogendem Gras bewachsenen weiten Flächen, flogen orangefarbene Bälle auf und ab. Damals zählten die Präriehühner, während ihrer Balz Verursacher dieser beeindruckenden Ton- und Farbschau, nach Millionen.

          Noch während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die mit Netzen gefangenen und geschossenen Vögel tonnenweise in Eisenbahnwaggons aus dem Mittleren Westen zu den Märkten der Städte im Osten der Vereinigten Staaten transportiert - ähnlich wie die wegen ihres Schicksals bis zum heutigen Tag immer noch bekannte Wandertaube (Columba migratoria), von der es bis ins 19. Jahrhundert mehr als 100 Millionen in Nordamerika gegeben haben soll. In regelrechten Schlachten wurden die in riesigen Schwärmen und Brutkolonien zusammenlebenden Tiere bis um 1890 in freier Wildbahn vernichtet. Es gelang nicht einmal, die sozial lebende Wandertaube in Gefangenschaft zu erhalten: Die letzte starb 1914 im Zoo von Cincinatti.

          Vom Aussterben bedroht

          Es hätte nicht viel gefehlt, und den Präriehühnern wäre es genauso ergangen. Nicht nur durch die intensive Bejagung wegen ihres schmackhaften Fleischs. Bis heute setzt den fast nur am Boden lebenden Vögeln die "Kultivierung" der Prärie und ihre intensive landwirtschaftliche Nutzung zu. Wissenschaftler und Naturschützer sind sich trotz der seit mehr als 50 Jahren unternommenen großen Anstrengungen um das Überleben von "Tympanuchus cupido" und seiner Verwandten nicht sicher, ob es langfristig gelingt, die verschiedenen heute noch lebenden Arten und Unterarten der Präriehühner in freier Wildbahn zu erhalten. Das "Heidehuhn" (heath hen), das den europäischen Siedlern im Osten Nordamerikas als erstes begegnete und dem als "Nominatform" die Gattung der Eigentlichen Präriehühner ihren Namen verdankt, hat sich nach zu starker Bejagung und Zerstörung seines Lebensraumes bereits vor gut siebzig Jahren für immer verabschiedet.

          Das letzte Exemplar von "Tympanuchus cupido cupido" wurde 1932 auf einer Insel vor der Küste von Massachusetts gesehen. Damit gibt es von den in der Familie der Fasanenartigen zur Unterfamilie der Rauhfußhühner gehörenden Eigentlichen Präriehühnern nur noch drei Vertreter: das (Große) Präriehuhn ("Tympanuchus cupido pinnatus"), das Attwaters-Präriehuhn ("Tympanuchus cupido attwateri") und das Kleine Präriehuhn ("Tympanuchus pallidicinctus"). Das Attwaters-Präriehuhn ist mit einer Körperlänge von 40 bis 45 Zentimetern etwas kleiner als das Kleine Präriehuhn. Die drei Vertreter leben heute getrennt voneinander in eng begrenzten Verbreitungsgebieten.

          Gezüchtet und ausgewildert

          Ob das noch lange so bleiben wird? Das nach seinem englischen Entdecker genannte Attwaters-Präriehuhn könnte bald dem Heidehuhn auf der Liste der ausgerotteten Vogelarten folgen. Nur noch etwa 60 Exemplare dieser kleinen Ausgabe des Großen Präriehuhns (Greater Prairie-Chicken) leben in freier Wildbahn. Und bis auf wenige in diesem Restvölkchen, um das sich mittlerweile Ornithologen auf der ganzen Welt sorgen, kommen diese aus der Zucht in Gefangenschaft und wurden ausgewildert. Damit zählt das Attwaters-Präriehuhn zu den seltensten Vogel(unter)arten der Erde und steht in Nordamerika auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere ganz oben.

          Weitere Themen

          Trump nennt Fauci „eine Katastrophe“

          Corona-Liveblog : Trump nennt Fauci „eine Katastrophe“

          Bayerischer Innenminister hält neue Grenzkontrollen für möglich +++ Irland ruft höchste Warnstufe aus +++ Ausgangssperre für Berchtesgadener Land +++ Irland ruft höchste Warnstufe aus +++ Südafrika: Deutschland auf Liste der Hochrisikoländer +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verändern sich dauernd. In welche Länder man reisen darf und wie sich die Infektionszahlen in Deutschland und der Welt entwickeln – unsere Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Wie lässt sich eine Million in Form eines Grundstücks anlegen?

          Monopoly, Börse oder Spende : Was tun mit einer Million?

          Eine Frau erbt ein Grundstück im Wert einer Million. Wie lässt sich damit Geld verdienen, wenn das Grundstück nicht benötigt wird? Darauf lässt sich ein Supermarkt bauen, oder das Grundstück in Aktien eintauschen.
          Katja Scholtz (links) und Kirstin Warnke

          Volkskrankheit Migräne : Dann bin ich wohl ein Totalschaden

          Sie kennen sich nur flüchtig. Dann erfährt die eine, dass die andere auch Migräne hat – wie sie selbst. Und schreibt ihr. Ein Mailwechsel über Schmerzen, Scham und flüchtige Momente der Freude.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.