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Thomas Reiter im Gespräch : „Wir müssen unsere Satelliten schützen“

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Im Jahr 2006 verbrachte Thomas Reiter ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation (ISS). Bild: NASA

Mit insgesamt 350 Tagen im All hält Thomas Reiter den Rekord unter den europäischen Astronauten. Heute arbeitet er bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Ein Gespräch über Flüge zum Mars, europäische Aussichten und den Schrott im Orbit.

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          Herr Reiter, Sie haben 1995/96 als erster Europäer ein halbes Jahr auf der sowjetischen Raumstation Mir verbracht und 2006 abermals ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation (ISS). Mit 350 Tagen im All halten Sie noch immer den Rekord unter den europäischen Raumfahrern. Wären sie damals auch zum Mars geflogen, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte?

          Wenn es möglich gewesen wäre, klar, das hätte ich gerne gemacht. Schon als Elfjähriger hat mich die Vorstellung fasziniert, mit eigenen Füßen auf einem anderen Himmelskörper zu stehen. Die Vorstellung ist für mich heute noch genauso faszinierend. Aber natürlich ist eine Reise zum Mars etwas ganz anderes, als ein halbes Jahr im Erdorbit zu sein. Wenn Sie von der Internationalen Raumstation aus dem Fenster schauen, haben Sie immer die Erde vor Augen. Wenn man zum Mars reist, ist man ein ganzes Jahr unterwegs. Man sieht die blaue Erdkugel immer kleiner werden, bis sie als kleiner Punkt ganz verschwindet. Gleichzeitig wird der rote Punkt, der Mars, vor einem immer größer.

          Technisch ist die Reise zum Mars eigentlich machbar, oder?

          Ja, aber wir könnten nicht schon morgen starten. Es müssen noch einige technologische Voraussetzungen geschaffen werden. Da sind noch Fragen zu klären, zum Beispiel wie man die Astronauten vor kosmischer Strahlung abschirmt, oder wie man die Reisezeit durch bessere Antriebssysteme möglichst kurz hält. Wenn man zum Mars fliegt, hat man Signallaufzeiten von bis zu 25 Minuten. Die Astronauten müssen deshalb wesentlich autonomer arbeiten als auf der Raumstation. Man muss die Lebenserhaltungssysteme so verbessern, dass sie möglichst regenerativ arbeiten, dass also Sauerstoff etwa aus ausgeatmetem Kohlendioxid zurück gewonnen wird. Aber das sind alles keine Dinge, die man nicht bewältigen könnte. Es stellt sich eher die Frage: Wann stellt man die Weichen für eine bemannte Reise zum Mars?

          Derzeit sieht es nicht danach aus. Stattdessen wird der Mars im August Besuch von „Curiosity“, einem Rover der Nasa, bekommen.

          Wir werden im Europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt die Mission mit allen Kräften unterstützen, mit unserem Orbiter „Mars Express“, der seit 2003 den Roten Planeten umkreist. An Bord des Satelliten ist eine hochauflösende Kamera, die in den vergangenen Jahren phantastische dreidimensionale Ansichten von der Marsoberfläche geliefert hat. Damit werden wir beispielsweise das Landegebiet fotografieren.

          Zu fremden Gipfeln: Bis der kilometerhohe marsianische Olymp, aufgenommen 1978 von der Sonde Viking 1, so aussah wie hier, waren die besten Bildbearbeiter am Werk, derer die Nasa habhaft werden konnte. Wenn im August „Curiosity“ auf dem Mars landet, sind neue spektakuläre Fotos zu erwarten.

          Die Europäische Raumfahrtbehörde Esa plante ursprünglich zusammen mit der Nasa die nächste große Mars-Mission, „ExoMars“, die auf dem Roten Planeten nach Lebensspuren suchen soll. Die Amerikaner sind ausgestiegen. Jetzt will man Russland als Partner gewinnen.

          Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos ist sehr interessiert an der Kooperation mit Europa und an der Erforschung des Mars. Russland hat ja in der Vergangenheit mit seinen Mars-Missionen nicht viel Glück gehabt. Zuletzt ist die Sonde Phobos Grunt ausgefallen und Ende Januar in die Erdatmosphäre eingetreten und verglüht. Wir prüfen Möglichkeiten, das ExoMars-Projekt gemeinsam durchzuführen. Hier bietet sich natürlich an, dass Russland die Trägerrakete zur Verfügung stellt. Aber auch von den Erfahrungen der Russen in der Raumfahrt würden wir in Europa natürlich profitieren.

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