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Themenpark Dracula : Disneyland für Vampirfreunde

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Dracula-Mythos - statt Blut soll nun Geld fließen Bild: dpa

Mehr als 100 Jahre nach Veröffentlichung des gleichnamigen Schauerromans will die rumänische Regierung Touristen das Gruseln lehren.

          Graf Dracula ist nicht totzukriegen. Mehr als 100 Jahre nach Veröffentlichung des gleichnamigen Schauerromans will die rumänische Regierung mit einem Dracula-Themenpark im zentralrumänischen Sighisoara Touristen das Gruseln lehren. Noch existiert das Disneyland für Vampirfreunde größtenteils nur auf dem Papier, da fürchten sich einige Anwohner schon vor den Besucherströmen aus dem Ausland. „Die Stadt wird darunter leiden“, meint Maria Berza, Leiterin einer Stiftung zur Bewahrung rumänischen Kulturerbes.

          In Sighisoara liegen die historischen Wurzeln des Mythos, den der viktorianische Gruselschriftsteller Bram Stoker mit seiner literarischen Figur des Obervampirs Dracula begründete. In dem im 13. Jahrhundert von sächsischen Auswanderen begründeten Städtchen erblickte einst Vlad der Pfähler (1430-1476) das Licht der Welt. Den Rumänen gilt der ebenso tapfere wie blutrünstige Fürstenspross zusammen mit seinem Vater Vlad Dracul als Nationalheld, schließlich kämpfte er mit Erfolg gegen die türkischen Besatzer.

          Regierung will vom Mythos profitieren

          Von dem Mythos will auch die rumänische Regierung profitieren: „Rumänien brauchte ein spektakuläres Projekt, um Touristen anzuziehen“, sagt Projektleiter Sorin Marica. Auf einem 60 Hektar großen Gelände nördlich von Sighisoara soll bereits in drei Jahren ein mittelalterliches Schloss mitsamt Folterkammer und Gefängnisturm seine quietschenden Tore öffnen. Auf Fans der Blutsauger warten nicht allein Geister und Vampire, sondern auch ein Internationales Institut für Vampirologie.

          "Der Dracula-Park wird eine Mischung aus Legende und Geschichte, Wahrheit und Mythos“, verspricht Tourismusminister Matei Dan. Dank der erwarteten 1,1 Millionen Besucher pro Jahr will seine Regierung die jährlichen Tourismuseinnahmen von 500 Millionen Dollar (rund 564 Millionen Euro) auf eine Milliarde Dollar steigern. 3.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

          Skepsis bei Historikern

          Historiker teilen den offiziellen Optimismus nicht. Sie warnen vor „irreparablen Schäden“ im mittelalterlichen Kern von Sighisoara, der von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Auch Umweltschützer erheben Einwände. Sie fürchten Auswirkungen auf das örtliche Naturreservat, berühmt für seine Jahrhunderte alten Eichen. Von den Protesten alarmiert, hat die UNESCO inzwischen eine Kommission vor Ort entsandt.

          Im schlimmsten Falle bleibt den Anhängern des Vampirvergnügens ohnehin nicht mehr als die Vorfreude. Kritiker bezweifeln nämlich, dass die Regierung das erforderliche Startkapital von 31,5 Millionen Dollar zusammenbekommt. Eine Aktienemission im Dezember sollte ursprünglich fünf Millionen Dollar einbringen, mittlerweile verlaufen die Verkäufe aber äußerst schleppend. Es sei ein Fehler gewesen, die Aktie so früh auszugeben, meint Börsenanalyst Razvan Pasol. „So haben die Menschen gar keine Vorstellung, in was sie ihr Geld stecken.“ Vielleicht macht den Kleinanlegern ja das Speise-Angebot im Dracula-Park Appetit auf mehr: Geplant sind Fledermaus-Hirn und gepfähltes Schwein.

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