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Thailand : Angst um Tourismus könnte Warnung verzögert haben

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Bild: dpa

Die Menschen in Südostasien sind empört über das Fehlen eines Tsunami-Warnsystems. Selbst im Internet gab es Warnungen erst Stunden nach der Katastrophe. Regierungen geraten unter Druck.

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          Die einzigen Warnungen vor der tödlichen Flut gab es in Thailand. Doch die Radiosender im Süden des Landes spielten die Gefahr herunter. Auch im Internet wurde eine Warnung veröffentlicht - allerdings erst drei Stunden, nachdem die Tsunamis dort am Sonntag mehr als tausend Menschen in den Tod gerissen hatten. Die anderen Länder trafen die Wassermassen völlig überraschend. Bei den Menschen herrscht Wut und Fassungslosigkeit, daß es in der Region kein Warnsystem gibt.

          Die Regierungen geraten unter Druck. Denn ein Frühwarnsystem - wie es etwa auf Hawaii oder in Japan existiert - hätte zahlreichen Menschen das Leben retten können. Besonders in den am schlimmsten betroffenen Ländern Indien und Sri Lanka hätten viele Menschen in den vom Epizentrum des Bebens mehrere hundert Kilometer entfernten Küstenregionen gewarnt werden können. In Sri Lanka können die Menschen nicht glauben, daß es in aller Welt Warnsysteme gibt, nur im Indischen Ozean nicht. „Das ist tragisch“, sagte der frühere Chef der srilankischen Luftwaffe, Harry Goonetilleke, und fügte an: „Das ist absolut inakzeptabel.“

          Asiatischer Tsunami auf Hawaii registriert

          Auch in Malaysia herrscht Ungläubigkeit: „Es lagen mindestens drei Stunden zwischen dem Beben und dem Zeitpunkt, als die Wellen bei uns einschlugen“, sagt Meena Raman von der Organisation Umweltfreunde Malaysias. „Die Menschen sind wütend und wollen wissen, warum die Regierungsstellen keinen Alarm gegeben haben.“

          Zu wenig Informationen

          Die Wissenschaftler des Pazifik-Tsunami-Warnzentrums auf Hawaii hatten die Flutwellen nach dem Erdbeben im Indischen Ozean am Sonntag nach eigenen Angaben vorhergesagt. Allerdings habe es in den Anrainerstaaten des Ozeans kein System gegeben, um die Warnungen an die Bevölkerung weiterzuleiten.

          Der für humanitäre Einsätze zuständige stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Egeland sagte, er habe nicht gewußt, daß es in der Region keine Warnsysteme gebe. Bei der Weltkonferenz zum Schutz vor Katastrophen im kommenden Monat in Kobe in Japan werde man die Möglichkeiten für ein entsprechendes Netz erörtern. „Ich denke, es wird ein gewaltiges Unternehmen, ein wirklich ausgeklügeltes Tsunami-Warnsystem aufzubauen, das dann auch wirklich an vielen dieser Orte effektiv arbeitet“, sagte Egeland.

          Vier Fünftel aller Tsunamis toben durch den Pazifik. Sie werden durch den sogenannten Feuergürtel ausgelöst, einen seismisch überaus aktiven Randbereich rund um den Pazifischen Ozean, in dem Erdbeben und Vulkanausbrüche in großer Zahl auftreten. Von Chile über Alaska bis hin nach Japan und zu den Pazifischen Inseln spannt sich dieser „Ring of Fire“, der so verheerende Katastrophen wie die Explosion der indonesischen Insel Krakatau 1883 und das Erdbeben im japanischen Kobe 1995 auslöste. Das Frühwarnsystem im Pazifik wurde eingerichtet, nachdem 1949 auf Hawaii ein Tsunami rund 150 Menschen getötet hatte.

          Indien erwägt

          Der indische Informationsminister Dayanidhi Maran sagte, sein Land erwäge den Aufbau eines Netzes zur Warnung vor Flutwellen. Der australische Ministerpräsident John Howard sagte, man prüfe, wie Australien die Region dabei unterstützen könne. Auch Japan zeigte sich bereit, sein Know-how aus rund 40 Jahren Tsunami-Forschung beizusteuern. Japan will im März ein verbessertes Tsunami-Warnsystem für den
          Pazifik installieren. Ein in Tokio angesiedeltes Zentrum soll Erdbeben von Sibirien bis Indonesien registrieren und genauer und schneller vor den Flutwellen warnen, wie ein Vertreter des japanischen Wetteramts mitteilte. Japan sei bisher das einzige Land, das Tsunamis innerhalb von drei bis vier Minuten nach einem Erdbeben vorhersagen könne. Das neue System schließe den Indischen Ozean aber nicht mit ein, hieß es.

          Harley Benz vom amerikanischen Erdbeben-Informationszentrum in Golden im Bundesstaat Colorado erklärte, der Aufbau eines Basissystems würde etwa zwei Jahre dauern. Die größte Schwierigkeit liege allerdings in der Koordination zwischen den unterschiedlichen Behörden in der Region.

          Thailändische Regierung untersucht

          Ein weiteres Problem läßt sich jedoch auch mit dem besten Warnnetzwerk nicht lösen, wie die Vorgänge in Thailand zeigten. Aus Angst vor negativen Folgen für den Tourismus - eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes - werden Warnungen möglicherweise nicht vollständig und rechtzeitig weitergegeben. „Vor fünf Jahren hat das staatliche Wetteramt eine Warnung vor einer möglichen Flutwelle herausgegeben, nachdem sich ein Erdbeben bei Papua-Neuguinea ereignet hatte. Danach gab es massive Beschwerden der Tourismusbehörde, daß eine solche Warnung dem Tourismus schade“, sagte Sumalee Prachuab, der das nationale Seismologische Institut leitet. Seitdem sei das Wetteramt zur Zurückhaltung bei solchen Meldungen angehalten.

          Der thailändische Minister für Information und Kommunikationstechnik, Surapong Suebwonglee, kündigte an, daß eine unabhängige Kommission in Kürze ihre Arbeit aufnehmen werde. Sie soll überprüfen, ob das Wetteramt es tatsächlich versäumt hat, die Öffentlichkeit rechtzeitig zu warnen.

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