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Terror und die Folgen : Schicksal von entführtem US-Reporter Pearl weiter unklar

  • Aktualisiert am

Polizisten suchen die Friedhöfe Karachis ab Bild: AP

Seit zehn Tagen ist Pearl verschwunden. Inzwischen werden die Nachrichten der Entführer immer widersprüchlicher.

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          Der Fall des vor zehn Tagen in Pakistan entführten amerikanischen Journalisten Daniel Pearl mutet immer dubioser an. Die pakistanischen Behörden gehen jedoch offenbar davon aus, dass der Reporter des "Wall Street Journal" noch am Leben ist. Bei der Frage, was eigentlich vor sich geht, scheinen derweil einschließlich der Entführer alle Beteiligten im Dunkeln zu tappen.

          Höchst verwirrend liest sich die Kette der eingegangenen Nachrichten der Kidnapper: Zunächst wollten diese die Freilassung aller gefangenen Pakistaner in Afghanistan. Am Mittwoch stellten sie Amerika dafür ein Ultimatum von 24 Stunden. Nach dessen Ablauf sollte Pearl getötet werden. Bis Samstag gingen verschiedene Nachrichten ein - meist von der immer gleichen E-Mail-Adresse ausgesandt , denen zufolge Pearl bereits ermordet worden sei. Seine Leiche sei auf einem der 300 Friedhöfe der südpakistanischen 12-Millionen-Stadt Karachi versteckt, hieß es. Eine großangelegte Suchaktion mit Tausenden von Polizisten blieb bislang ohne Erfolg.

          "Sorry für das Ultimatum"

          Dann am Samstag der bislang letzte Akt des Dramas, der Pearls Frau Marianne, die im sechsten Monat schwanger ist, wie ein endloser Alptraum vorkommen muss: Wie zuvor schon in kaum verständlichem, fehlerhaftem Englisch meldeten die Entführer, der Korrespondent sei „vielleicht“ noch am Leben. Die frühere E-Mail mit dem Ultimatum sei ein Fehler gewesen. Der unbekannte Autor entschuldigte sich sogar für die Fristsetzung.

          Behördenvertreter bestätigten gegenüber Agenturen, dass die Nachricht von der selben E-Mail-Adresse aus verschickt worden sei, wie die vorangegangenen Botschaften, an die auch Bilder des gefesselten Pearl gehängt waren. Zwischenzeitlich verlangte ein Anrufer zwei Millionen US-Dollar für Pearls Leben sowie die Freilassung des früheren Taliban-Botschafters in Pakistan Abdul Salam Saif.

          Entführergruppe gänzlich unbekannt

          Zwischenzeitlich hatten die Kidnapper, die sich zunächst als „Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der Souveränität Pakistans“ bezeichneten, eine Verbesserung der Haftbedingungen für die auf dem US-Stützpunkt Guantánamo auf Kuba inhaftierten Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer sowie wiederum die Überstellung aller von den USA in Afghanistan gefangen genommenen Pakistaner verlangt. Kenner der Polit-Szene Pakistans rätseln außerdem, wer sich hinter dieser bislang gänzlich unbekannten Vereinigung verbirgt (zum Hintergrund siehe Link: "Verwirrung um entführten Journalisten").

          Paul Steiger, Chefredakteur des Wall Street Journal verlangte am Samstag erneut ein Lebenszeichen von Pearl. Die Entführer sollten ein Foto des Journalisten mit einer aktuellen Tageszeitung präsentieren. Auch die Menschenrechtsorganisation amnesty international forderte in einer Erklärung Pearls Freilassung.

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