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Terror und die Folgen : Entführungsfall Pearl: Jetzt doch die Al-Qaida-Connection

  • -Aktualisiert am

Wächter vor dem Haus der Pearls in Karachi Bild: AP

Im Umfeld einer Islamistengruppe wollen Fahnder den Computer gefunden haben, von dem die Kidnapper die Fotos des entführten Reporters Daniel Pearl geschickt haben.

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          Steht der Durchbruch bereits bevor, oder werfen die pakistanischen Ermittlungsbehörden Nebelbomben? Glaubt man den Polizeimeldungen aus der 12-Millionen-Stadt Karachi, in der der amerikanische Wall-Street-Journal-Reporter Daniel Pearl am Mittwoch vor zwei Wochen entführt wurde, dann ist die Polizei weiter, als Pearls schwangere Ehefrau Marianne und seine New Yorker Arbeitgeber bis gestern zu hoffen wagten.

          „Fakt ist: Wir wissen, wer es getan hat und stehen ganz dicht vor der Auflösung des Falles“, so die jüngsten Aussagen des Polizeichefs der Südprovinz Sindh, Muchtar Achmed Scheikh. Noch am Montag hatte es geheißen, die Spur in die Islamisten-Szene sei mehr oder weniger im Sand verlaufen und man konzentriere sich auf die mafiöse Unterwelt der Hafenmetropole. Nur zwei Tage später ist jedoch wiederum das Terrornetzwerk Al-Qaida, genauer gesagt, dessen kaschmirische Ableger Dschaisch-i-Mohammed (“Armee Mohammeds“) und Harkat-ul-Mudschaheddin (“Vereinigung der Glaubenskämpfer“) ins Visier der Fahnder geraten.

          Familienmitglieder des Hauptverdächtigen verhaftet

          So wurden bereits am Dienstag in Karachi drei Verdächtige festgenommen, die zur Familie des militanten Moslem-Aktivisten Achmed Omar Said Scheikh - einem Pakistaner mit britischem Pass - gehören sollen. Er gilt offenbar als Anführer der Kidnapper. Scheikh (27) soll zur Extremistengruppe „Dschaisch-i-Mohammed“ gehören und Verbindungen zu Al-Qaida haben. Er war 1994 im Zusammenhang mit der Entführung britischer Touristen in Kaschmir in Indien festgenommen und durch die Entführung eines indischen Flugzeugs nach Afghanistan 1999 freigepresst worden.

          Korrespondent Pearl arbeitete an einem Artikel über Terrorismus, als er in Karachi verschwand. Eine „Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität“ bekannte sich Tage später zu der Entführung. Die Täter verlangten von den USA die Freilassung mutmaßlicher pakistanischer Terroristen, die in Afghanistan gefangen genommen worden waren. Nach der Entführung hatten die Kidnapper per E-Mail Fotos von Pearl verschickt. Bei den drei Festgenommenen soll nun der Computer gefunden worden sein, auf dem die Mails geschrieben wurden. Die Verhafteten sollen bereits gestanden haben, die verschickten Fotos von Scheikh erhalten zu haben.

          Rechtlosigkeit in der Verbrechensmetropole Karachi

          Fraglich ist aber, was wirklich dahinter steckt und wie die Aussagen der vermeintlich in den Fall Verwickelten zustande kommen. Da sich die Kriminalitäts-Metropole Karachi, seit über einem Jahrzehnt praktisch im Zustand eines permanenten Bürgerkriegs zwischen Sunniten und Schiiten, indischen Einwanderern und der Polizei sowie den verschiedenen Mafia-Clans befindet, sind die Sitten entsprechend verroht. Folter und „Verschwindenlassen“ gehören zum Alltag. Verwandte von Verdächtigen einzusperren, ist Teil der polizeilichen Fahndungstaktik, falls die eigentlichen Zielpersonen nicht greifbar sind.

          Sind Verdächtige erst einmal in die Mühlen des Polizeiapparates geraten, so sinken ihre Chancen, mit heiler Haut, oft auch nur mit dem nackten Leben davonzukommen, rapide. Viele werden nach ihrer Verhaftung von Gefängnis zu Gefängnis verlegt, bis sich ihre Spur verliert. Vor diesem Hintergrund gibt es auch im Entführungsfall Pearl bislang vor allem Grund, die Aussagen der Polizei mit Skepsis zu behandeln. (Zu den weiteren Spuren klicken Sie bitte den Link „Verwirrung um entführten Journalisten“)

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