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Telefon : Bell wollte Töne sichtbar machen

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Gigantische Erfindung: Das Telefon revolutionierte die Welt Bild: dpa

Alexander Graham Bell wollte eigentlich ein Gerät entwickeln, das Töne sichtbar machen kann. Daraus wurde dann das Telefon. Vor genau 125 Jahren meldete Bell das Patent dafür an.

          Vor 125 Jahren, am 14. Februar 1876, reichte der schottische Taubstummenlehrer Alexander Graham Bell den Antrag für Patent 174/465 beim Patentamt der Vereinigten Staaten ein. Es ging um die „Methode und den Apparat für die telegrafische Übermittlung von gesprochenen und anderen Geräuschen, durch das Hervorrufen elektronischer Wellenbewegungen, ähnlich den Vibrationen geräuschbegleitender Luft“. Unter den Namen Telefon wurde das Patent ein Welterfolg.

          Bell wurde am 3. März 1847 in Edinburgh in Schottland geboren. Im Sommer 1870 wanderte er mit seiner Familie nach Boston aus. Bell wurde Lehrer an einer Schule für Gehörlose, im Oktober 1873 mit 26 Jahren sogar Professor für Sprachphysiologie und Sprachlehre an der Universität Boston. Neben seiner Lehrtätigkeit versuchte er, Geräte zu entwickeln, die ihm die Arbeit erleichtern sollten. Ein Grundgedanke war, dass es möglich sein sollte, Töne hörbar zu machen, indem man ihre Schallwellen sichtbar machte. Zusammen mit seinem Assistenten Thomas Watson arbeitete Bell an einem Gerät, das mit Hilfe von Membranen Töne sichtbar machen sollte. Die Töne sollten mit Hilfe von Elektrizität durch Metallkabel erzeugt werden. Das Resultat war anders als erwartet. Die Kabel produzierten nicht nur Klänge, sondern leiteten auch Töne weiter.

          Deutscher entwickelte Vorläufer

          Soweit war bereits 1861 der Deutsche Johann Philipp Reis gekommen. Er konstruierte einen Apparat, der immerhin schon einen einfachen Ton mittels elektrischer Wellen transportieren konnte. Bell ging mit seiner Entwicklung weiter. Allerdings hatte er einen Kontrahenten. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einem Wettlauf zwischen dem amerikanischen Erfinder Elisha Gray und dem Schotten. Gray fand noch vor Bell heraus, dass es mit einem Elektromagneten möglich war, jeden übermittelten Ton zu reproduzieren. Allerdings verfügte er noch über keinen Transmitter, der in der Lage war, komplexe Sprachschwingungen zu übertragen.

          Alexander Graham Bell im Jahr 1915

          Bell war einen Tick schneller

          Mit Hilfe seines Assistenten Thomas Augustus Watson, eines Elektro-Technikers, der dem eher ungeschickten Bell unermüdlich zur Hand ging, gelang es im Juni 1875, ein Gerät zu bauen, das am Empfänger-Ende Sprachfetzen wiedergeben konnte. Am Ende war Bell nicht nur bei der Entwicklung, sondern auch bei der Patentierung dieser bahnbrechenden Technologie einen Tick schneller als sein Konkurrent Gray. Am 14. Februar reichten beide Erfinder nur wenige Stunden nacheinander ihre Patentanträge für die elektronische Übermittlung von Sprache ein. Bell war jedoch schon am frühen Morgen da und erhielt allein auf Grund dieses früheren Zeitpunkts das Patent für eine Erfindung, die wie kaum ein andere die Welt revolutionieren sollte.

          Anfangs geringes Interesse

          Das Interesse an Bells Erfindung war anfangs eher gering. Selbst auf der Weltausstellung 1876 in Philadelphia blieb Bells Apparat weitgehend unbemerkt. Bell arbeitete ständig an Verbesserungen seiner Erfindung. Immer größer wurde die Entfernung, über die er und Watson sich unterhalten konnten. Mit Hilfe gemieteter Telegrafenleitungen gelang es ihnen im Dezember 1876, über 200 Kilometer Distanz zu kommunizieren.

          Im Juli 1877 gründeten Bell und seine Geldgeber eine nach ihm benannte Telefongesellschaft. Nach nur drei Wochen wurden 25 Telefone pro Tag vermietet. In Deutschland boomte die neue Technik sehr schnell. Die ersten Telefone hierzulande baute die Firma Siemens & Halske. Im November 1877 bereits 200 Apparate pro Tag. Jenseits des Atlantiks konnte Bell von den Erlösen der "Bell Telephone Company" sehr gut leben. Als Alexander Graham Bell am 1. August 1922 im Alter von 75 Jahren starb, wurde ihm zu Ehren in den USA eine Minute lang jeglicher Telefonbetrieb unterbrochen.

          Chance für Gehörlose

          Inzwischen hat sich Bells Erfindung zum Multimediagerät entwickelt. Das Mobiltelefon wird zum Datenübermittler, mit dem man SMS-Nachrichten versenden und im Internet surfen kann. Eine Chance auch für Gehörlose? Für die wollte Telefon-Erfinder Bell vor über 125 Jahren eigentlich ein Gerät entwickeln, mit dem Töne sichtbar gemacht werden. Durchaus denkbar, meint Bernd Kolpatzik, Leiter des Innovationsfeldes Information und Kommunikation bei der Siemens AG in München. Über einen im Hirn implantierten Kommunikator, der Kontakt zum Mobiltelefon besitzt, wäre das beispielsweise denkbar. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

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