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Tarot : Die Entstehung der Karten

  • -Aktualisiert am

Pixies bermühmte Tarot-Karten beeindrucken bis heute durch ihre Symbolik Bild: Hans-Heinrich Pardey

Tarot ist in Wahrsagerei und psychologischer Beratung weit verbreitet. Annähernd eine halbe Million Kartendecks werden jährlich allein im deutschsprachigen Raum verkauft. Die Schöpferin, Pamela Colman Smith, hatte allerdings nie etwas davon.

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          „Ich brauche ein bisschen Geld für Weihnachten“, schrieb die junge Künstlerin aus London im November 1909 an ihren Gönner, den Galeristen und Fotografen Alfred Stieglitz in New York. Der Einunddreißigjährigen kam nicht in den Sinn, dass sie auf einer Goldader saß. „Gerade habe ich eine große Arbeit fertiggestellt - für wirklich wenig Geld: einen Satz Entwürfe für Tarot-Karten, 80 Zeichnungen! Ich werde Ihnen welche rüberschicken.“ Was „Pixie“, Pamela Colman Smith, in ihrem Brief wie nebenbei erwähnte, ernährt bis heute ihren Mann. Annähernd eine halbe Million „Tarot-Decks“, Kartenspiele mit ihren Bildern, werden jährlich allein im deutschsprachigen Raum abgesetzt.

          Die Illustratorin aber hat von dem Geldsegen so gut wie nichts gesehen: Als sie 1951 starb, bekam sie ein Armengrab, das, wie die Originale ihrer Karten und der größte Teil ihres künstlerischen Werks, als verschollen gilt. Nicht einmal ihren – immer wieder falsch geschriebenen – Namen haben die mit einem schlanken „PCS“ signierten Karten in die Welt getragen: Das Spiel, das zum Wahrsagen, aber auch bei der psychologischen Beratung als Assoziationsgrundlage benutzt wird und auf der ganzen Welt verbreitet ist, wird üblicherweise Rider-Waite-Tarot genannt: nach dem Verlag William Rider & Son, der es zum Weihnachtsgeschäft vor 100 Jahren publizierte, und nach dem Okkultisten Arthur Edward Waite, der die Zeichnungen bei Colman Smith in Auftrag gab.

          „Schlüssel zu den Mysterien“

          Die beiden hatten sich im einflussreichsten esoterischen Zirkel Londons, dem 1888 gegründeten „Hermetic Order of the Golden Dawn“, kennengelernt. Kein Geringerer als der irische Dichter William Butler Yeats soll Colman Smith in den okkultistischen Kreis eingeführt haben, als der schon dabei war, wegen Machtkämpfen in verschiedene Gruppen zu zerfallen. (Eine präsentiert sich mit dem Ordensnamen als geschütztem Warenzeichen noch heute im Internet und bietet Geheimwissen an.) Der viktorianische Club hatte große Nachwirkung - nicht zuletzt durch den Tarot. Colman Smith wurde eine Adeptin von Waite über die Ordens-Spaltung hinaus. In seiner Autobiographie äußert er sich jedoch eher kurz und herablassend über die Künstlerin. Offensichtlich betrachtete er sie nur als Werkzeug für sein eigentliches Anliegen: einen „berichtigten Tarot“ mit korrekter Symbolik zu schaffen. Waite sah in den Karten einen „Schlüssel zu den Mysterien“, die er in vielen Büchern enthüllte, nur um stets zu versichern, dass es noch weit tiefere Geheimnisse gebe, die er aber nicht ausplaudern dürfe.

          Pamela Coleman Smith illustierte Bücher und schrieb auch selbst, angeblich hatte sie Visionen
          Pamela Coleman Smith illustierte Bücher und schrieb auch selbst, angeblich hatte sie Visionen : Bild: Königsfurt-Urania Verlag

          Entgegen allem kunsthistorisch Gesicherten werden bis heute dem Tarot (es ist der französische Name des Kartenspiels, das deutsch Tarock und italienisch Tarocchi heißt) Wurzeln angedichtet, die weit zurückreichen. Aus Ägypten, wenn nicht gar von den Weisen aus Atlantis soll er als Erkenntnisschatz in Form einer Art Bilderrätsel zu uns herübergerettet worden sein. Auch den Sinti und Roma wird er gern in den Wandersack geschmuggelt. Die 78 Karten (diese Zahl entspricht der Summe der Zahlen eins bis zwölf) gruppieren sich in die 22 „großen Arkana“. Das ist bedeutsam, sind es doch genauso viele Karten, wie das hebräische Alphabet Buchstaben hat – und schon sind wir bei der Kabbala. Diese dreimal sieben Numerierten plus eine Karte mit einer Null oder gar keiner Zahl waren schon seit alters her bebildert. Vermutlich bereicherten italienische Kartenmacher im 15. Jahrhundert mit der spieltechnischen Innovation der „Trionfi“, der Trümpfe, das Kartenspielen. Ursprünglich von den Sarazenen übernommen, hatte es sich – dank beurkundeter kirchlicher Bannflüche gut zu verfolgen – im ausgehenden 14. Jahrhundert über ganz Europa verbreitet.

          Karten als Orakel

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