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Tarife : Nur Freenet bringt frischen Wind in den DSL-Markt

  • Aktualisiert am

Welcher Tarif lohnt bei DSL? Bild: F.A.Z.

Die meisten Anbieter von DSL-Verbindungen heben ihre Tarife an. Volumentarife sind in vielen Fällen besonders günstig.

          3 Min.

          Kaum hat das Statistische Bundesamt den schnellen DSL-Zugang zum Internet in seinen Warenkorb für die Ermittlung der Preisentwicklung aufgenommen, scheint der Preiswettbewerb schon am Ende zu sein: Nachdem T-Online den DSL-Pauschaltarif (Flatrate) bereits im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent angehoben hat, erhöht nun GMX den Tarif für Zusatzvolumen zum 1. April sogar um 120 Prozent. Auch beim Online-Dienst AOL wird darüber nachgedacht, ob sich die Flatrate noch rechnet. Nur Neueinsteiger Freenet sorgt zur Zeit für frischen Wind auf dem Zukunftsmarkt DSL: Für 4,90 Euro bekommen die Nutzer 25 Internet-Stunden und 1 Gigabyte Datenvolumen von der Mobilcom-Tochtergesellschaft. Der Tarif ist vor allem für Einsteiger interessant.

          Rund 3,5 Millionen Haushalte in Deutschland nutzen inzwischen die neue Technik, die das alte Telefon-Kupferkabel zum Turbo für das Internet macht. Daten lassen sich mit bis zu zwölffacher ISDN-Geschwindigkeit aus dem Internet laden. Die neue Variante DSL 1500 verdoppelt die Geschwindigkeit noch einmal. Nachdem DSL-Verbindungen in der Anfangszeit vorwiegend genutzt wurden, um sich Musik und Filme aus illegalen Tauschbörsen im Netz zu laden, steigt das Angebot kommerzieller Breitband-Dienste zur Zeit schnell an. Die Musikindustrie hat sich nach langer Diskussion darauf geeinigt, gemeinsam Musik im Internet zu verkaufen. Die Telefongesellschaft Arcor betreibt eine virtuelle Videothek; auch Konkurrent T-Online möchte das "Video on demand" zum Jahresende salonfähig machen. Da der Ausbau des Fernsehkabels zu einem Multimedianetz in naher Zukunft nicht zu erwarten ist, entwickelt sich DSL zur dominanten Breitband-Verbindung der Haushalte mit der Außenwelt.

          DSL-Surfen kostet
          Doch das schnelle Surfvergnügen hat seinen Preis: Der Marktführer Deutsche Telekom berechnet für den schnellen Anschluß an das Internet zusätzlich zum vorhandenen Telefonanschluß monatlich 12,99 Euro Aufpreis auf einen ISDN-Anschluß oder 19,99 Euro Aufpreis auf einen analogen T-Net-Anschluß. Konkurrent Arcor oder Stadtnetzbetreiber wie Hansenet (Hamburg) oder Netcologne (Köln) liegen meist einige Euro unter den Telekom-Preisen, machen aber einen kompletten Wechsel des Telefonanschlusses zur Bedingung. Rund 40 000 Hamburger haben ihren DSL-Anschluß inzwischen zu Hansenet verlagert. Im Vergleich zu den 3,4 Millionen DSL-Anschlüssen der Telekom bleibt der Marktanteil der Konkurrenz aber weiterhin verschwindend gering.

          Für den Kunden fallen zusätzlich zu den Kosten des DSL-Anschlusses noch die normalen Internet-Tarife an. Im Gegensatz zu Modem- oder ISDN-Verbindungen, für die fast ausschließlich nach Minuten abgerechnet wird, ist die Tarifvielfalt im DSL-Markt weit größer und übersichtlicher. Im Prinzip werden zur Zeit drei Tariftypen angeboten: Mit einem Volumentarif kauft ein Kunde ein Übertragungsvolumen, zum Beispiel 1 Gigabyte. Mit einem Zeittarif bekommt der Kunde für eine monatliche Grundgebühr ein festes Zeitkontingent, zum Beispiel 100 Internet-Stunden. Die unbeschränkten Pauschaltarife enthalten keinerlei Beschränkungen, sind dafür aber entsprechend teuer.

          Volumentarife lohnen sich

          Für die meisten DSL-Nutzer bedeuten Volumentarife die beste Wahl. Als Faustregel gilt: Um ein Gigabyte Datenvolumen zu bewegen, kann ein Nutzer entweder rund 100 Stunden lang Websites anschauen, 300 MP3-Musikstücke beziehungsweise 1,5 Spielfilme aus dem Netz laden oder rund 100 000 reine Text-E-Mails versenden. Normale Surfer, die nur im World Wide Web unterwegs sind, E-Mails schreiben, ein Buch bestellen oder bei Ebay eine Waschmaschine ersteigern, kommen mit einem Gigabyte also einen Monat lang aus. Die beiden Tarife DSL-Start von Freenet oder Internet DSL-2000 von GMX stellen mit Gigabyte-Preisen zwischen 3,5 und 5 Euro preiswerte Einstiege dar. Wer sich gar nicht auf eine Grundgebühr festlegen möchte, kann bei der AOL-Tochtergesellschaft Compuserve einen "DSL by Call"-Tarif wählen, der faire 1,19 Cent je Minute ohne monatliche Grundgebühr berechnet. Vergleichsweise teuer ist der Einsteiger-Tarif von T-Online: Das Unternehmen berechnet für ein Gigabyte Datenvolumen 9,95 Euro je Monat, also deutlich mehr als Freenet oder GMX. Auch der Preis für das Zusatzvolumen beim Überschreiten des Datenkontingents liegt rund ein Drittel über den Konkurrenzangeboten. Aufpassen müssen die Nutzer aber auch bei Freenet: Wird die Ein-Gigabyte-Datengrenze überschritten, werden im Starttarif sofort 7,90 Euro je angefangenes Gigabyte berechnet. Aus einem günstigen Angebot kann so schnell ein teurer Tarif werden.

          Sobald ein Nutzer Filme, Musikstücke oder Software aus dem Netz laden möchte, kommen schnell einige Gigabyte und damit eine hohe DSL-Rechnung zusammen. In diesen Fällen empfiehlt sich der Umstieg auf Dauernutzer-Tarife, die bis zu 5 Gigabyte Datenvolumen oder 100 Internet-Stunden umfassen. Die günstigsten Angebote für diese fortgeschrittenen Nutzer kommen von GMX, 1&1 und Freenet, die je Gigabyte zwischen 3 und 4 Euro berechnen. T-Online liegt auch in dieser Kategorie am oberen Preislimit: Während Freenet und GMX für 5 Gigabyte knapp 15 Euro verlangen, berechnet T-Online rund 25 Euro. Dabei erhält T-Online die günstigsten Einkaufskonditionen im Markt: Nach Schätzungen von Branchenkennern bezahlt T-Online weniger als 3 Euro je Gigabyte an die Muttergesellschaft Deutsche Telekom, während die Konkurrenz mehr zahlen muß.

          Flatrate lohnt nur für Profinutzer

          Erst für Profinutzer, die mehr als 100 Stunden im Monat online sind und mindestens 8 Gigabyte Daten bewegen, lohnt sich eine Flatrate. Einige kleinere Anbieter bieten den Pauschalzugang für weniger als 20 Euro an. AOL berechnet knapp 25 Euro, während sich T-Online mit knapp 30 Euro erneut an der oberen Preisspanne positioniert hat.

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