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Tankerunglück : Greenpeace und Marine wollen gemeinsam Chemietanker untersuchen

  • Aktualisiert am

Havarist Ievoli Sun Bild: AFP

Bei der Untersuchung des am Dienstag gesunkenen Chemietankers "Ievoli Sun" sitzen die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die französische Marine erstmals im selben Boot.

          Nach der Havarie des italienischen Chemie-Tankers "Ievoli Sun" im Ärmelkanal bereiten die Umweltorganisation Greenpeace und die französische Marine gemeinsam eine Untersuchung des Wracks vor. Die Marine und das Pariser Umweltministerium hätten bereits ihr Einverständnis für die von seiner Organisation vorgeschlagene Zusammenarbeit gegeben, sagte Greenpeace-Sprecher Yannick Rousselet am Donnerstag.

          Bevor die Operation eingeleitet werde, müsse jedoch noch das Verkehrsministerium in Paris offiziell sein Einverständnis geben. Diese Entscheidung werde im Laufe des Tages erwartet. In der Greenpeace-Einsatzzentrale in Cherbourg waren unterdessen knapp 20 Mitarbeiter eingetroffen, die sich an der Untersuchung des Wracks beteiligen wollten. Weitere Greenpeace-Experten sollten aus Großbritannien und den Niederlanden kommen, hieß es.

          Krebserregendes Styrol entwichen

          Der Tanker war am Dienstag nördlich der Insel Alderney vor der französischen Küste gesunken. Das elf Jahre alte Schiff war am Tag zuvor in einem Sturm leck geschlagen. Aus dem Wrack strömte seit Dienstag die explosive und krebserregende Chemikalie Styrol aus - vermutlich aus einer Kammer mit einem Volumen von 442 Tonnen. Styrol, das 4 000 der 6000 Tonnen Chemikalien an Bord des Tankers umfasst, sei aus einem der zehn Tanks entwichen, hatte auch der Chef von Shell France, Christian Balmes, am Mittwoch erklärt.

          Sturm behindert Beobachtung

          Ein heraufziehender Sturm droht die Überwachung an der Untergangsstelle des Wracks, das in 70 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund liegt, zu behindern. Nach den Angaben der See-Präfektur in Cherbourg vom Donnerstag soll ein Spezialschiff dennoch versuchen, im Laufe des Tages erneut Proben an der Untergangsstelle zu nehmen. Am Mittwochabend hatte ein Flugzeug die am Morgen gesichteten Verschmutzungspuren nicht mehr feststellen können.

          Die See-Präfektur nimmt an, dass der hohe Seegang dazu beigetragen hat, die Stoffe zu verteilen.
          Frankreichs Transportminister Jean-Claude Gayssot Frankreichs Transportminister Jean-Claude Gayssot bat am Mittwoch seine europäischen Amtskollegen um Vermeidung gefährlicher See-Transporte bis zum Wochende.

          Greenpeace und Marine arbeiten zusammen

          Die Zusammenarbeit zwischen der Pariser Regierung und der Umweltorganisation bezeichnete Greenpeace-Sprecher Rousselet als neu. Wenn Greenpeace-Taucher wirklich auf einem Schiff der französischen Marine aufs Meer fahren sollten, "wäre das eine Premiere". Die Beziehungen zwischen der Regierung in Paris und der Umweltorganisation waren Jahre lang äußerst angespannt: Im Juli 1985 hatten französische Agenten in Neuseeland das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior" versenkt, das zu einer Protestfahrt zum französischen Atomtestgelände auf dem südpazifischen Mururoa-Atoll auslaufen sollte. In den vergangenen Jahren hatten sich die Beziehungen jedoch spürbar verbessert. Mehrere Greenpeace-Taucher wurden dafür ausgerüstet, das Wrack des Chemie-Tankers mit ferngesteuerten Kameras zu untersuchen.

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