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Tankerunglück : Erste Ölklumpen verschmutzen galicische Küste

  • Aktualisiert am

Festgenommen: Kapitän der „Prestige” Bild: AP

Eine Ölpest an der spanischen Nordwestküste rückt immer näher. Inzwischen wurden die ersten Ölflecken an den Stränden entdeckt.

          2 Min.

          Nach dem Tankerunglück vor der spanischen Atlantikküste hat ein Ölteppich die Küste erreicht. In der Region um Mugia in der Provinz Galicien verschmutzten Ölklumpen den Strand, erklärte ein Behördensprecher am Samstag im spanischen Radio. Auch aus der Gegend um Camariñas auf der gegenüberliegenden Seite des Meerbusens von Camariñas wurden Verschmutzungen gemeldet. Helfer errichteten schwimmende Ölbarrieren, um eine stärkere Verschmutzung zu vermeiden. Der mit 77.000 Tonnen Schweröl beladene Tanker „Prestige“ war am Mittwochabend bei schwerer See havariert. Rund 1.500 Tonnen Öl liefen aus.

          Die Gefahr, dass die 243 Meter lange „Prestige“ auseinander bricht ist nach wie vor nicht gebannt. Im Rumpf des klaffe ein rund 50 Meter großer Riss, hießt es. Mit den ersten Ölflecken an der Küste verstärken sich nun Befürchtungen von Umweltschützern, die ein Massensterben von Seevögeln kommen sehen.

          Angesichts der großen Gefahr waren die noch an Bord ausharrenden acht Besatzungsmitglieder am Freitag mit einem Hubschrauber geborgen worden. Unter ihnen waren der griechische Kapitän, der Erste Offizier und der Maschinist. Der Kapitän wurde anschließend festgesetzt.

          Weiterhin fließt Öl aus dem Rumpf

          Um weitere Schäden am Rumpf durch Vibrationen zu verhindern, waren zuvor die Maschinen gestoppt worden. Der altersschwache Tanker wurde aber auch am Samstag weiterhin von Schleppern aufs offene Meer gezogen. In der Nacht hatte sich das 80.000 Tonnen schwere Schiff kaum bewegt. Es befindet sich nun rund 110 Kilometer von der Küste entfernt. Ein niederländisches Bergungsteam soll weiterhin zu versuchen, das Öl in andere Schiffe umzupumpen.

          Der beobachtete Öl-Teppich hat unterdessen eine Größe von rund 14 mal 9 Kilometer erreicht. Wind und Strömung hatten ihn im Laufe des Freitags von der Küste entfernt, doch bereits am Abend näherte sich die giftige Brühe wieder dem Ufer. Umweltschützer äußerten die Befürchtung, ein Auseinanderbrechen oder Sinken des Tankers werde eine der artenreichsten Meeresgebiete des Atlantiks verseuchen. Dort leben auch viele Schweinswale. Zudem drohe der Tod tausender Papageientaucher, Möwen oder Kormorane, teilte die Umweltschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund) mit.

          Fischer bangen um ihre Fanggründe

          Eine Ölpest wäre für Galicien eine Katastrophe: Die Region lebt vor allem vom Fischfang, zu dieser Jahreszeit werden die berühmten Jakobs-Muscheln gesammelt, die zu Weihnachten bei keinem Fest in Spanien fehlen dürfen. „Wenn es eine Ölpest gibt, können wir nur noch auswandern“, sagte ein Fischer. Das als Schiffsbrennstoff genutzte Schweröl ist giftig und sehr zähflüssig. Es zu entfernen, ist besonders kompliziert.

          Die spanische Regierung kündigte inzwischen rechtliche Schritte gegen die griechische Reederei und die Behörden Lettlands an. Dort war der Tanker beladen worden. „Das Schiff erfüllt keine einzige der in Europa gültigen Sicherheitsvorschriften“, kritisierte das Außenministerium. Zudem habe der Kapitän sich zunächst geweigert, die Maschinen wieder in Gang zu setzen. Als Grund habe er ein nicht existierendes Feuer im Maschinenraum vorgetäuscht.

          Spanischer Protest bei britischer Regierung

          Mit einer diplomatischen Protestnote beschwerte sich Madrid auch bei der britischen Regierung. Der Tanker habe zuletzt im Juni Gibraltar angelaufen und sei dort entgegen den in Europa geltenden Vorschriften nicht auf seine Sicherheit überprüft worden, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Mariano Rajoy. Nach spanischen Angaben war die „Prestige“ bereits 1999 in New York und Rotterdam wegen Sicherheitsmängeln mit Sanktionen belegt worden.

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