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Tag des Schlafes : Die Schlafforschung entdeckt den Tag

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FAZ.NET auf der Suche nach dem schönsten Schlafplatz: die Blumenwiese Bild: plainpicture

Wer gut schläft, ist auch im Beruf erfolgreicher. Deshalb plädieren Schlafforscher dafür, den Mittagsschlaf einzuführen.

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          Wer gut schläft, ist auch im Job fit. Unter dieser Leitlinie soll der dritte „Tag des Schlafes“, der am Freitag in Berlin stattfindet, die Bedeutung des Schlafens für den beruflichen Erfolg hervorheben. Die gleichnamige Initiative, die sich aus Schlafforschern, Arztneimittelkonzernen und einer Krankenkasse zusammensetzt, will Möglichkeiten vorstellen, wie die Leistungsfähigkeit durch richtiges Schlafen verbessert werden kann.

          Millionen von Bundesbürgern wälzen sich nachts schlaflos im Bett. Die Gedanken drehen sich im Kreis. Die Stunden vergehen und der Zeiger des Weckers rückt unerbittlich vorwärts. Mittags sacken viele am Arbeitsplatz in ein bleiernes Leistungstief und können sich kaum wach halten.

          Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Schlafmangel sind nicht abzuschätzen. Waren früher vor allem ältere Menschen von nächtlicher Ruhelosigkeit betroffen, ist es heute zunehmend die jüngere Generation zwischen 25 und 40 Jahren. „Vor allem bei beruflich sehr aktiven Menschen besteht die Gefahr zu 'überdrehen' und abends keinen Schlaf zu finden“, warnt der Schlafmediziner Jürgen Zulley von der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS).

          Die höhere Form des Mittagsschlafs: „Come in and sleep out”, laden Design-Studenten in die Kölner Christuskirche ein
          Die höhere Form des Mittagsschlafs: „Come in and sleep out”, laden Design-Studenten in die Kölner Christuskirche ein : Bild: dpa

          „Schlaf lässt sich nicht erzwingen“

          Entgegenwirken kann der Schlaflosigkeit ein „Schlaftraining“. Zu diesem Training gehört laut Schlafforscherin Anja Kniest, Ärztin im Schlaflabor des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit etwa, die Schlafdauer vorübergehend zu verkürzen oder wieder aufzustehen, wenn es mit dem Einschlafen partout nicht klappen will. Statt Probleme im Bett zu wälzen, sollte man sich besser eine Viertelstunde vor dem Schlafengehen mit den belastenden Gedanken auseinander setzen. Möglichst schnell in Morpheus' Armen landet allerdings nicht, wer sich besonders anstrengt, warnt die Ärztin.

          „Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Deshalb sollte man mit einer Störung möglichst gelassen umgehen und sich nicht hineinsteigern.“ Allein die Vorstellung, acht Stunden Schlaf seien unbedingt notwendig, könne das Problem auslösen. Entscheidend sei viel mehr die Qualität des Schlafes für den Erholungswert, meinen Schlafforscher. Sie gehen inzwischen davon aus, dass die Bedeutung der Schlafdauer überschätzt wird. Es sei völlig natürlich, nachts wach zu werden, eine nächtliche Schlafdauer von fünf bis zehn Stunden normal.

          Wer schlecht schläft, fühlt sich tagsüber meist nicht wohl. „Die Schlafforschung blickt heute nicht mehr so sehr auf die Nacht, sondern entdeckt den Tag“, erklärt der Schlafmediziner Jürgen Zulley. „Wir fragen nicht mehr, wie jemand geschlafen hat, sondern wie er sich danach fühlt“, so der Mediziner. „Studien haben gezeigt, dass gute Schläfer leistungsfähiger sind und deshalb schneller befördert werden.“ Zu einem erholsamen Schlaf gehört nicht nur das subjektive Gefühl des Ausgeschlafenseins, sondern auch eine erhöhte Leistungsfähigkeit und Beanspruchbarkeit am Tag.

          „Mittagsschlaf ist kein Zeichen von Faulheit“

          Um effektiv Arbeiten zu können, sei es nötig, die biologische Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen. Das bedeute, im Leistungshoch konzentriert zu arbeiten und sich im Leistungstief intensiv zu erholen. Tagestiefpunkte können am besten mit Entspannung, Bewegung oder einem kurzem Schlaf überwunden werden. „Der Mittagsschlaf ist kein Zeichen von Faulheit, sondern verbessert die Potenziale des Mitarbeiters“, erklärt der Schlafforscher. „Leider wird man Deutschland immer noch belächelt, wenn man das sagt.

          Die Schlafforscher fordern zudem die Gestaltung des Schulunterrichts auf die biologische Leistungskurve der Schüler abzustimmen. Dazu gehöre auch ein späterer Schulbeginn als er jetzt üblich ist. Dieses Signal scheint nun auch in der Politik angekommen zu sein. Der sächsische Fraktionschef der PDS, Peter Porsch, sagte, dass mit dem „Unfug“ eines Unterrichtsbeginns um 7 Uhr endlich Schluss gemacht werden müsse. Es sei mittlerweile allgemeine Erkenntnis der Schlafforschung, dass Kinder, die vor 7 Uhr aufstehen müssten, keine Top-Leistungen in der Schule erbringen könnten.

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