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Aktionstag gegen Sexismus : „Tag des Rocks“ spaltet Frankreich

Manch ein Schüler ließ trotz Rock die Hose an. Lag es am Wetter? Oder fehlte der Mut? Bild: AFP

Viele männliche Schüler sind in Frankreich im Rock zur Schule gegangen. Sie wollen ein Zeichen für Geschlechtergleichheit setzen. Traditionelle Elternverbände und die Gegner der Homo-Ehe zürnen.

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          Jean hat eine ältere Schwester, Alexandre eine schlanke Mutter. Den beiden Oberschülern aus Nantes fiel es nicht schwer, einen passenden Rock zu finden, in dem sie am Freitag in die Schule gezogen sind. Mit ihrem ungewohnten Outfit wollen sie ein Zeichen setzen gegen „Sexismus“ und für „Geschlechtergleichheit“, bekunden sie.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          An 27 Oberschulen im Nordwesten Frankreichs haben männliche Schüler und teils auch Lehrer am Freitag den „Tag des Rocks“ begangen. Der Elternverband Peep zeigte sich begeistert. „Es handelt sich um eine sinnvolle Provokation“, sagte die Vorsitzende Elisabeth Costagliola. Die Schulaufsichtsbehörde (Académie) in Nantes begrüßte die Aktion ebenfalls. Im Kampf gegen Diskriminierung sei dies eine „originelle Idee“. Das Bildungsministerium in Paris ließ sein Logo auf Plakate drucken, auf denen für den Tag des Rocks geworben wird.

          Aktionstag hat Debatte ausgelöst

          „Ce que soulève la jupe“ steht darauf, was soviel heißt wie: Welche Fragen der Rock aufwirft. Es sind viele, denn der Aktionstag hat im ganzen Land eine Debatte über ein mutmaßliches Gender Mainstreaming hervorgerufen. Traditionelle Elternverbände und die Gegner der Homo-Ehe argwöhnten, die Rock-Aktion sei ein Versuch, die Geschlechteridentität schon auf der Schulbank aufzulösen. Die Anhänger der „Manif pour tous“ hatten monatelang dagegen demonstriert, dass Frankreich die Homo-Ehe einführt. Sie sahen das traditionelle Familienbild mit klaren Rollenvorstellungen bedroht. Jetzt fühlen sie sich bestätigt: Junge Männer sollten unter dem Vorwand des Kampfes gegen Stereotypen im Rock zur Schule kommen, beschwerte sich Wortführerin Ludovine de la Rochère.

          Die UMP-Abgeordnete Véronique Louwagie hielt dem sozialistischen Bildungsminister Benoit Hamon in der Nationalversammlung vor, die Gendertheorie in den Klassenräumen zum „Pflichtdenken“ erheben zu wollen. Das Thema einer Indoktrinierung der jungen Franzosen unter dem Deckmantel des Kampfes für Gleichberechtigung wühlt seit langem die französische Gesellschaft auf. Zuletzt gab es eine nationale Debatte über ein Kinderbuch „Tous à poil“ („Alle nackt“), das nach Einschätzung des UMP-Vorsitzenden Jean-Francois Copé die Gendertheorie verteidigt und die männliche Autorität untergräbt. Das Kinderbuch wurde daraufhin zum Bestseller.

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