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Tag der vermißten Kinder : Wo ist Katrin?

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Er war ihr heimlicher Freund. Den fast doppelt so alten Mann hatte das Mädchen kurz vor ihrem Verschwinden in Bergen besucht. Die Eltern erfuhren von ihm erst durch die Polizei. Kinder, so mußten sie erfahren, erzählen eben doch nicht alles. „Die Polizisten haben sogar seine Messer kontrolliert“, sagt Frank Konert. Ob er glaube, Hansi könnte es gewesen sein? „Es? Was soll das heißen: Es? Ob er was mit ihrem Verschwinden zu tun hat? Ich weiß es nicht.“

„Alle Spuren führten bisher in eine Sackgasse“

Auch ein ehemaliger Vermieter der Konerts, ein netter älterer Herr, der ein paar Jahre später die Tochter der Nachmieter belästigt haben soll, wurde überprüft. Ebenso die Mitglieder der ortsansässigen „Thelema“-Sekte, einer neosatanischen Organisation, deren Anführer wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung bereits vorbestraft ist. Und ein Bekannter von Katrin, der sich an der Bushaltestelle mit ihr unterhalten hatte, von dem sie sich aber, so seine Version, nicht nach Hause habe fahren lassen wollen.

„Es gab Verdächtige, es gab Beschuldigte“, sagt Kommissar Rusche. „Aber alle Spuren führten bisher in eine Sackgasse. Nirgendwo fand sich ein Hinweis auf Katrin.“ Der Verdacht gegen jeden einzelnen dieser Männer sei nie widerlegt worden, habe sich aber auch nicht weiter erhärten lassen. Rusche gehört für die Konerts mittlerweile fast zur Familie. Mindestens zwei-, dreimal im Monat ruft er an. Aber er hat wenig Hoffnung auf Aufklärung: „Ohne Leiche gibt es keine Möglichkeit, weiterzukommen.“

Massive mediale Belagerung

Noch immer ist Katrin im internationalen Vermißtenregister gelistet. Eine Belohnung ist ausgesetzt, ihr Foto auf der Homepage www.vermisste-kinder.de verlinkt. Dutzende von Artikeln, Fernsehbeiträgen, Dokumentationen sind erschienen. Alles haben die Konerts gesammelt. Es sei ziemlich schwierig gewesen, „ins eiskalte Wasser der Medienwelt geworfen zu werden“, sagt Frank Konert. Zwar habe ihn die Polizei gewarnt, aber auf einen solchen Ansturm, eine so massive Belagerung sei er nicht vorbereitet gewesen. „Zwei Tage nach Katrins Verschwinden stand plötzlich ein Kamerateam mitten in unserem Wohnzimmer.

Die haben nicht mal geklingelt.“ Seither lassen die Konerts die Haustür nicht mehr unverschlossen. Ihre Nummer steht nicht mehr im Telefonbuch. Trotzdem spricht Frank Konert immer wieder mit der Presse: „Man hofft natürlich immer noch, bei jeder neuen Geschichte.“ Bei „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ wurde über den Fall bereits zweimal berichtet. Das ZDF hatte dafür den möglichen Ablauf des Abends nachgestellt, mit einem Mädchen, das Katrin ziemlich ähnlich sah. Immer wieder meldeten sich Menschen, die Katrin schon fast überall auf der Welt gesehen haben wollen: in der Türkei, in Kalifornien, in Berlin.

„Die junge Frau sah ihr nur schrecklich ähnlich“

Die Polizei hat alle Hinweise überprüft. Nach Berlin allerdings ist Frank Konert im Winter 2002 selbst gefahren. „Auf dem Hinweg war ich ganz euphorisch. Ich dachte mir: Jetzt fährst du nach Berlin und holst Katrin nach Hause.“ Er hat an allen verdächtigen Orten gesucht, hat Prostituierten am Bahnhof Zoo Zettel mit Katrins Konterfei in die Hand gedrückt, hat sich auf dem Babystrich umgehört, hat Punks ausgefragt und Obdachlosen ein Bier spendiert, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ohne Erfolg. Dann glaubte er seine Tochter zu sehen. Das Mädchen habe direkt vor dem Karstadt-Kaufhaus gestanden. Er sei sich ganz sicher gewesen: „Das ist Katrin.“ Sein Herz habe einen Sprung gemacht. Doch es war nicht Katrin. „Die junge Frau sah ihr nur schrecklich ähnlich.“ Die Enttäuschung klingt noch heute in seiner Stimme mit.

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