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Heimkino-Freunde : Open End für die Super-8-Szene

  • -Aktualisiert am

Schau an, da kommt der Film: Schmalfilm-Fan Jörg Maske hat im Keller seines Elternhauses in Berlin-Nikolassee ein Super-8-Heimkino eingerichtet. Bild: Jens Gyarmaty

Spezialgeschäfte für Super-8-Filme gibt es in Deutschland nur noch wenige, einige Enthusiasten laden aber noch immer zur Filmvorführung in ihren Hobbykeller. Die kleine Fangemeinde der Heimfilm-Ära hält tapfer durch.

          Das Gitter, das die Ladentür verrammelt, wird losgekettet und neben dem Eingang gleich wieder angeschlossen. „Sonst ist es weg“, sagt Michael Schneider, während er den Rollladen dahinter hochstemmt. Schneiders Geschäft liegt in der Braunschweiger Straße in Neukölln, benachbart sind Kioske, Kneipen, Friseurläden. Das Angebot, das seine Rollläden verbergen, ist nicht mehr zu erkennen: „dose“ steht auf einem abgebrochenen Pressspan-Schild über dem Schaufenster. Tatsächlich ist dieser Laden womöglich der letzte seiner Art in Deutschland: „Filmdose“ bot neben DVDs alte Super-8-Heimkino-Filme an, dazu Projektoren, 16-mm-Spielfilme, Filmbücher, „Scream“-Geistermasken, Plakate und King-Kong-Handschuhe: „Die machen sogar Geräusche!“

          Super-8-Film-Spezialgeschäfte gibt es in Europa nur noch selten: in Paris, London, Amsterdam. Betreten kann Schneider seine Räume kaum, hinter der Tür stapeln sich mannshoch Kartons und Filmdosen, darunter sein unverkäuflicher Lieblingsfilm „Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall“. Auch das hintere Gelass ist voll. Seit zwei Jahren lässt Schneider, der gesundheitlich angeschlagen ist, sein im Jahr 2003 gegründetes Gewerbe ruhen. „Leben kann man davon nicht“, sagt er. „Es ist nur Hobby, getragen hat es der DVD-Bereich.“ Aber er will demnächst wieder öffnen.

          Früher war er Imbissbetreiber, dann Angestellter der Berliner Verkehrsbetriebe. Jahrzehntelang war er einer der aktivsten der kleinen zweiten Film-Szene, die fernab von Festivals, Film-Clubs, Fördertöpfen und Cinedomes existiert. Sie besteht aus Enthusiasten und Privatkino-Betreibern, sammelt sich um Websites, Zeitschriften, Trödelmärkte und Filmbörsen – und hält der Heimfilm-Ära die Treue.

          Der Vorreiter des privaten Filmkonsums hatte stolze Preise

          Diese Epoche dauerte von Mitte der Sechziger bis Anfang der Achtziger. Hauptsächlich drei Firmen (Ufa, Piccolo, Marketing-Film) boten damals Tausende Super-8-Versionen von Kino-Klassikern und Blockbustern an – aber in Schnittfassungen, der Film wurde also gestutzt auf drei, zwei oder nur eine Rolle, wie etwa der eigentlich 180 Minuten dauernde Normandie-Invasionsfilm „Der längste Tag“, der dann nur noch 20 Minuten dauerte. Diese Bearbeitungen wurden über Fotoläden und Versandhäuser vertrieben, als Vorreiter heutigen privaten Filmkonsums. Jedoch zu stolzen Preisen: Pro 120-Meter-Rolle waren 120 bis 180 Mark fällig. Wer sich also reitende Leichen, Schulmädchen-Reports, Louis de Funès und das Urweltmonster Godzilla ins Wohnzimmer holte, war schnell bei Kosten für ein Auto.

          Mit dem Aufkommen des VHS-Videos brach dieser Markt um 1982 zusammen. Die Filme wurden Flohmarktware oder auch waschkörbeweise verschenkt. Inzwischen haben Filme wie „Star Wars“ oder George Pals „Zeitmaschine“ ihr Originalpreisniveau längst wieder erreicht. Michael Schneider lässt aber auf alte West-Berliner Zeiten nichts kommen: In der Bismarckstraße 86, unweit der Staatsoper, hatte die „Film-O-Theque“ des agilen Eduard Offermann ihr Domizil, „Europas Nr. 1“ mit einem Angebot von 8000 Super-8-, Video- und 16-mm-Filmen.

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