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Suizid : Pfarrer verbrennt sich aus Angst vor dem Islam

  • -Aktualisiert am

Am Reformationstag zündete sich Pfarrer Weisselberg vor dem Augustinerkloster an Bild: dpa

Ein 73 Jahre alter Pfarrer hat sich in Erfurt selbst angezündet und getötet. Durch die Selbstverbrennung während eines Gottesdienstes vor einem Augustinerkloster wollte er gegen den Islam in Deutschland protestieren.

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          Der evangelische Pfarrer, der sich in Erfurt am Reformationstag selbst anzündete und tötete, hat den Suizid begangen, um ein Zeichen zu setzen gegen die Ausbreitung des Islam in Deutschland. Bevor er sich anzündete, rief er in Anspielung auf den Pfarrer Oskar Brüsewitz die Worte: „Jesus und Oskar!“

          Das bestätigten Bischof Axel Noack aus Magdeburg und die Erfurter Pröpstin Elfriede Begrich am Mittwoch nachmittag in Erfurt. Begrich sagte, seit mehreren Jahren habe den Mann der angeblich wachsende Einfluß des Islam umgetrieben.

          300 Gottesdienstteilnehmer bemerkten nichts

          Nach Zeugenaussagen betrat der 73 Jahre alte pensionierte Roland Weisselberg am Dienstag morgen das Areal des Augustinerklosters in der Erfurter Innenstadt. Gegen 10.30 Uhr ging er durch eine Lücke in einer Baustellenabsperrung in eine Baugrube von etwa 2,50 Meter Tiefe, wo die alte Bibliothek wiedererrichtet werden soll. Dort übergoß er sich mit einer brennbaren Flüssigkeit, die er selbst mitgebracht hatte, und zündete seine Kleidung an.

          Mitarbeiter des Klosters und Schwestern der dort untergebrachten „Communität Casteller Ring“ eilten zu Hilfe, löschten die brennende Kleidung und riefen die Polizei. Die 300 Teilnehmer an dem Kantatengottesdienst zum Reformationsfest, der zur gleichen Zeit in der Klosterkirche gefeiert wurde, bemerkten von dem öffentlichen Suizid nichts.

          Allerdings sollen etwa 20 bis 30 Personen auf dem Klostergelände die Rettungsversuche beobachtet haben. Schon während der ersten Ermittlungen soll sich die Ehefrau des Mannes bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt haben, daß es sich bei dem Verletzten vermutlich um ihren Mann handele. Die Frau erkannte Gegenstände, die der Mann bei sich hatte, zweifelsfrei als Eigentum ihres Mannes.

          Brüsewitz starb vier Tage später

          Weisselberg, der bis zu seiner Pensionierung 1989 Pfarrer im Erfurter Stadtteil Windischholzhausen gewesen war, der wie die Landeshauptstadt aus historischen Gründen zur Kirchenprovinz Sachsen mit Sitz in Magdeburg gehört, zog sich lebensgefährliche Verbrennungen vierten Grades am Oberkörper und am Kopf zu.

          Etwa 60 Prozent seiner Haut waren verbrannt. Er wurde zunächst in ein Erfurter Krankenhaus gebracht, später aber in eine Spezialklinik für Verbrennungen nach Halle verlegt, wo er am Mittwoch starb. Weisselberg hinterließ einen Abschiedsbrief, dessen Inhalt die Ehefrau nach Angaben von Kirche und Polizei nicht veröffentlicht wissen möchte.

          Ein Polizeisprecher sprach zunächst von „rein persönlichen Gründen“, die zu dem Selbstmord führten. Der Fall rief Entsetzen in Erfurt hervor. Er erinnert an Pfarrer Oskar Brüsewitz, der sich am 18. August 1976 in Zeitz mit Benzin übergossen und angezündet hatte, um gegen die Unterdrückung durch das kommunistische Regime im SED-Staat ein Zeichen zu setzen. Brüsewitz überlebte zunächst den Selbstmordversuch, nachdem ihm ein Busfahrer zu Hilfe gekommen war, starb jedoch vier Tage später.

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