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Südamerikas Kleinkamele : Bei Gefahr wird gespuckt

  • -Aktualisiert am

Lama in wild: Weibliches Guanako mit Jungtieren im Nationalpark Torres del Paine im Süden Chiles Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Guanakos sind von unbezähmbarer Neugier – dem Wanderer kann es passieren, dass sie ihm nahe kommen. Die Zahl der wildlebenden Kleinkamele, auch der kleineren Vikunjas, ist dank strenger Schutzmaßnahmen wieder gestiegen.

          Mit ihren nächsten in Afrika, Asien und Australien lebenden Verwandten, den Dromedaren und den Trampeltieren, haben die südamerikanischen Guanakos und Vikunjas auf den ersten Blick nur wenig Ähnlichkeit. Doch auch die von Equador im Nordwesten bis nach Feuerland im Süden Lateinamerikas in nicht durchgängiger Regelmäßigkeit verbreiteten höckerlosen Kleinkamele gehören zoologisch derselben Familie (Kamele) in der Unterordnung der Schwielensohler (Ordnung Paarhufer) an. Gemeinsam mit den Haustierformen – in Südamerika sind das die Lamas und die Alpakas – ist das schon die ganze Sippe, die sich durch die schwielenartige Lauffläche der Fußsohlen auszeichnet.

          Die Vorfahren sind einst in Nordamerika entstanden. Die Nachkommen haben sich getrennt: Die einen sind über die frühere Landbrücke nach Osten gewandert und haben sich im Verlauf Zehntausender Jahre zu den bis zu 1.000 Kilogramm schweren Höckerträgern entwickelt, die anderen haben ihren Lebensraum nach Süden verlegt und wiegen heute als Wildtiere zwischen 55 und 120 Kilogramm. Als die Spanier mit der Besetzung und Ausplünderung Südamerikas im 16. Jahrhundert begannen, lebten die zierlichen Vikunjas und die um gut ein Drittel größeren Guanakos millionenfach auf den hochgelegenen Steppen der Anden. Ihre geringen Nahrungsansprüche an die karge Gras- und Buschflora sowie die dichte Behaarung gegen die Winterkälte haben beiden Arten ermöglicht, ein Verbreitungsgebiet bis zu einer Höhe von 5.000 Metern über dem Meeresspiegel zu besiedeln.

          Vom Norden Ecuadors bis in den chilenischen Süden

          Die europäischen Eroberer, später auch nordamerikanische Siedler rotteten sie binnen zwei Jahrhunderten in manchen Gebieten aus, in anderen blieben Restbestände. Als Lieferanten von feiner Wolle waren die kleineren Vikunjas mit dem sandfarbenen Fell und der hellen Brustmähne begehrt. Die hellbraunen Guanakos wurden wegen ihrer nicht ganz so zarten, doch reichlicheren Wolle, aber auch wegen ihrer Haut und ihres Fleischs gejagt. Viehzüchter sahen in den Wildtieren Nahrungskonkurrenten für ihre Schafe und Rinder. Die südamerikanischen Ureinwohner hatten die Tiere einmal im Jahr in Gattern, schoren sie, schlachteten einige und ließen die Herden wieder frei. Schon vor 4500 Jahren begannen sie mit der Domestizierung: Aus den Guanakos züchteten sie die bis zu 155 Kilogramm schweren Lamas vornehmlich als Lastenträger und die bis zu 65 Kilogramm schweren Alpakas als Lieferanten feinster Wolle.

          Bis heute ist nicht vollends geklärt, ob das Alpaka die Nutztierform des Vikunjas ist, weil es wie dieses klein ist und ein viel dichteres, feinhaarigeres Fell als das Guanako und das Lama trägt. Lange hatte unter Zoologen die Meinung vorgeherrscht, dass beide Haustierrassen vom Guanako abstammen. Doch mit Hilfe von DNA-Untersuchungen ist das Alpaka vor gut zehn Jahren dem Vikunja als Stammform zugeordnet worden. Da sich die Wildtierformen mit den Haustierformen immer wieder einmal paaren und die Nachkommen auch untereinander fruchtbar sind, ist nicht mehr einwandfrei zu klären, wer von wem ursprünglich abstammt. Nur beim Lama, das es in verschiedenen Größen und Farbvarianten gibt, ist das Guanako mit Sicherheit die ursprüngliche Wildform. Heute sind freilebende Guanakos und Vikunjas zwischen Equador im Norden und Chile im Süden in ihrem Vorkommen weitgehend auf Nationalparks und Schutzgebiete beschränkt. Von den Vikunjas gibt es dank strenger Gesetze wieder mehr als hunderttausend wildlebende Tiere; bei den Guanakos ist die Zahl auf mehr als eine halbe Million gestiegen.

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