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Suchhunde : Immer der Nase nach

  • -Aktualisiert am

Gerne im Geschirr: Gilbert Hörschläger, der Leiter der Eurinos-Gruppe vom Arlberg, folgt seinem Suchhund Mango Bild: Stephanie Geiger

Jeder Mensch legt eine Duftspur. Man muss sie nur erriechen und ihr folgen können. Dafür gibt es Mantrailer. Die speziell ausgebildeten Suchhunde trainieren hart, um Leben zu retten.

          4 Min.

          Sally kann es kaum erwarten. Die Labradorhündin sitzt im Auto auf der Rückbank und kläfft laut. Dreieinhalb Jahre ist der Hund alt - und auf dem besten Weg, ein Mantrailer-Suchhund zu werden. Sally weiß, dass schon bald eine Aufgabe auf sie wartet. Sie soll die Spur eines Menschen verfolgen. Alles nur Spiel an diesem Sonntagnachmittag. Doch im Ernstfall soll Sally vermisste Menschen finden und damit sogar Leben retten.

          Wie Sallys Trainingskollege Mango, sieben Jahre alt, ein Hund der Rasse Harzer Fuchs, wuscheliges rot-braunes Fell, ausgebildeter Lawinenhund, erfolgreicher Suchhund. Ein Patient war aus einer Klinik verschwunden. Vier Stunden war nach ihm gesucht worden, doch von dem verwirrten Siebzigjährigen fehlte jede Spur. Er war wie vom Erdboden verschluckt. Der Sohn des Patienten wusste von der Suchhundstaffel Eurinos („gute Nase“). Er bat Gilbert Hörschläger, den Leiter der Eurinos-Gruppe vom Arlberg, um Hilfe: Der machte sich mit Mango auf den Weg.

          Der individuelle Geruch ist wie ein Fingerabdruck

          Mango ist abgebrüht. Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Wenn Gilbert Hörschläger das Brustgeschirr in die Hand nimmt, schlüpft Mango freiwillig hinein. Er scheint genau zu wissen, dass es jetzt auf ihn ankommt, hält die Nase in den Wind und spitzt die Ohren. Mango weiß, was er kann. Was Menschen bei dem vermissten Patienten über Stunden nicht gelungen war - für den Hund war es eine Sache von Minuten. An einem Unterhemd des Opfers nahm Mango den Geruch auf. Im Krankenzimmer der Klinik begann er die Suche. Nach nicht einmal 45 Minuten hatte er den Vermissten gefunden. In einem Rohbau, wo ihn niemand vermutet hatte.

          Mantrailer wie Sally und Mango sind hochspezialisierte Suchhunde. Während beispielsweise Lawinenhunde in einem begrenzten Gebiet nach unter Schneemassen begrabenen Menschen suchen und Fährtenhunde überwiegend auf lockerem Gras-, Feld- oder Waldboden eingesetzt werden, weil sie sich an Fußabdrücken und anderen Spuren orientieren, verfolgen Mantrailer die Duftspur eines ganz bestimmten Menschen. Dieses Können wird gerade in gebirgigen Regionen gebraucht, die man kaum von Suchmannschaften durchkämmen lassen kann. Aber auch in Städten erweisen die Personensuchhunde wichtige Dienste.

          Rund 40.000 Geruchspartikel verliert jeder Mensch pro Minute. Der ausgebildete Hund kann selbst in dem Gewirr der menschlichen Gerüche in Fußgängerzonen und Flughäfen die eine Spur finden. Auch einen oder zwei Tage später, manchmal sogar noch nach einer Woche, kann ein Personensuchhund eine ganz bestimmte menschliche Spur verfolgen. Der individuelle Geruch des Menschen ist für den Mantrailer wie ein Fingerabdruck.

          Volle Konzentration gefordert

          Zwei bis drei Jahre dauert es, bis man sich auf einen Mantrailer-Hund verlassen kann. Dafür müssen die Hunde regelmäßig trainieren. Mindestens zweimal pro Woche treffen sich die vier Hundeführer der Eurinos-Gruppe von Sankt Anton mit ihren fünf Hunden. Neben Sally und Mango gehören dazu auch ein schwarzer Labrador-Setter-Mischling, ein Australian Shepard und ein Golden Retriever. Zum Mantrailen braucht es keine Sankt-Hubertus-Bloodhounds, die beim Aufspüren von geflohenen Sklaven genutzt wurden und noch heute in Amerika von der Polizei eingesetzt werden, deren Suchergebnisse dort sogar als Beweismittel vor Gericht erlaubt sind. In Rheinland-Pfalz hat die Polizei 2004 einen Malinois-Rüden als Mantrailer erfolgreich in Dienst genommen, und seit 2009 werden auch in Nordrhein-Westfalen Bayerische Gebirgsschweißhunde zur Personensuche eingesetzt. Das zeigt: Alle Hunde mit einer Spur Jagdtrieb können das lernen.

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