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„Stuttgart 21“ : Das soll mit dem alten Bahnhofsgelände passieren

Die Stuttgarter Innenstadt (Archivbild) Bild: dpa

Neun Jahre nach dem Baubeginn von „Stuttgart 21“ hat die Stadt Stuttgart vorgestellt, was mit dem alten Bahnhofsgelände geschehen soll. Geplant ist ein Stadtteil mit Museum, Konzerthaus und Hotels.

          Fast 25 Jahre nach der ersten Vorstellung des Projekts „Stuttgart 21“ im Jahr 1994 und neun Jahre nach dem Baubeginn hat die Stadt Stuttgart einen städtebaulichen Entwurf zur Gestaltung der alten Bahnhofsflächen vorgestellt. Der Entwurf des Stuttgarter Büros ASP ging als Sieger aus einem internationalen städtebaulichen Wettbewerb hervor, auf den zweiten Platz wählten die Juroren den Entwurf der Stuttgarter Büros Laux und Terra Nova (für die Landschaftsarchitektur).

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Siegerentwurf sieht vor, auf der 85Hektar großen Fläche nördlich des Hauptbahnhofs ein Kongresszentrum, Hotels, ein Konzerthaus sowie ein neues Gebäude für das Lindenmuseum mit seiner völkerkundlichen Sammlung zu bauen. „Unser Gedanke war es, mit einem zentralen, neuartigen Park das ganze Quartier zu erschließen“, sagte der für den Entwurf verantwortliche Architekt Cem Arat. Das Leitbild des Entwurfs sei die in Quartiere gegliederte „dichte europäische Stadt“.

          Jedes Quartier werde einen „Quartiers-HUB“ bekommen, damit der Individualverkehr das Wohnen nicht störe. Der Gleisbogen der früheren Gäubahnstrecke nach Tuttlingen soll ein parkähnliches grünes Band werden, das die Quartiere verbindet.

          Das Projekt besteht aus insgesamt vier Teilprojekten: einer kreativen „Maker-City“ in der Nähe der heutigen Wagenhallen, dem Wohngebiet Rosensteinviertel, der Erweiterung des Europaviertels mit Hotels und dem Kongresszentrum direkt hinter dem neuen Tiefbahnhof und den Parkanlagen. Auf dem Gelände sollen 6500 Wohnungen für 15000 Menschen gebaut werden. An der derzeitigen Wohnungsnot in Stuttgart dürfte das Projekt wenig ändern, denn Baubeginn für die ersten Bauabschnitte dürfte nicht vor dem Jahr 2030 sein. Der neue Bahnknoten kann frühestens Ende 2025 in Betrieb genommen werden. Die Vorbereitung der Bauflächen auf dem ehemaligen Gleisvorfeld des Kopfbahnhofs dürfte auch drei bis fünf Jahre dauern.

          Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sprach von einem „wichtigen Tag“ für die Entwicklung Stuttgarts. Am Siegerentwurf lobte er die Übergänge zwischen den Parkflächen und den Wohnvierteln. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sagte auf die Frage, warum im Wettbewerb in der Endauswahl nur Stuttgarter Architekten zum Zuge gekommen seien: „Das beweist doch die hohe Qualität der Architektenbüros, die wir in Stuttgart haben.“ Im Übrigen habe es sich um einen anonymisierten Wettbewerb gehandelt. Wegen des Wohnungmangels kam es in Stuttgart in den vergangenen Monaten vereinzelt zu Hausbesetzungen.

          Von der insgesamt 100 Hektar großen Fläche, die bebaut werden soll, gehören 15 Hektar noch der Deutschen Post. Ende 2001 hatte die Stadt unter dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die Bauflächen von der Bahn AG für 830 Millionen Mark gekauft und einen entscheidenden Anstoß dafür gegeben, das Projekt weiterzuverfolgen. Die Stuttgart-21-Gegner werfen der Stadt bis heute vor, mit dem Kauf der Gleisflächen hinter dem alten Kopfbahnhof Immobilienspekulation zu betreiben.

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