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Orkanböen : Sturmtief „Elon“ wütet über Deutschland

Der Fähranleger in Dagebüll (Schleswig-Holstein) wurde teilweise überflutet Bild: dpa

Inseln sind vom Festland abgeschnitten, umstürzende Bäume behindern den Bahnverkehr. In Hamburg verletzten herabfallende Äste zwei Kinder schwer. Ein Unfall endet tödlich. Für Samstag werden abermals Orkanböen und Sturmfluten erwartet.

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          Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 122 Kilometer in der Stunde zieht derzeit der erste große Wintersturm über Norddeutschland hinweg. Noch bis zum Sonntag soll nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes das Sturmtief „Elon“ wüten, zum Teil mit Orkanstärke. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie gab eine Sturmflutwarnung für die Nordseeküste heraus. Fähr- und Bahnverbindungen im Norden wurden zum Teil eingestellt. Helgoland war abgeschnitten, ebenso die Halligen Hooge und Langeneß. Auch die Fähren von und zu den Nordsee-Inseln verkehrten zum Teil nicht mehr fahrplanmäßig oder fielen aus. Einschränkungen im Fährverkehr gab es auch an der Ostsee. In Hamburg musste die Feuerwehr bis zum Freitagnachmittag zu 250 Einsätzen ausrücken.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In Hamburg-Bahrenfeld verletzten herabstürzende Äste zwei Kinder einer sechsten Klasse so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Ein Lehrer und zwei weitere Kinder wurden leicht verletzt. Die Äste waren durch eine Windböe auf das Gelände einer Schule gestürzt. In Hamburg-Hamm durchtrennte ein umstürzender Baum eine Oberleitung der Bahn, die laut Feuerwehr kurz darauf Feuer fing. In Hamburg-Neuenfelde fiel ein Baum auf eine Moschee. Auch die Hamburger S- und U-Bahn hatte Probleme. Zudem wurden einige Autos von herabfallenden Ästen demoliert. Einige Züge fielen aus, weil umgestürzte Bäume die Gleise blockierten, so die Bahnstrecke zwischen Kiel und Flensburg und zwischen Oldenburg und Bremen. Für den Zugverkehr über den Hindenburgdamm auf die Nordseeinsel Sylt galten wegen des Sturms zunächst Einschränkungen: Es wurden keine Fahrzeuge mit Gefahrgut oder leeren Anhängern, keine Wohnmobile und keine Wohnwagengespanne transportiert.

          Die zur Autobahn 7 gehörende Rader Hochbrücke wurde für Lastwagen und Personenwagen mit Anhängern gesperrt, ebenso die Fehmarnsundbrücke. Wegen der stürmischen Wetterlage hat die Hamburger Verkehrsbehörde die geplanten Vermessungsarbeiten an der durch einen Schiffsunfall beschädigten Süderelbbrücke um eine Woche verschoben, wodurch an dieser Stelle die Autobahn an diesem Wochenende nun doch geöffnet bleibt. An der Kieler Universität fiel der Lehrbetrieb aus, sanierungsbedürftige Gebäude wurden geschlossen. Bei Varchentin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte fegte eine Böe einen Lastwagen von der Straße. Der Fahrer blieb unverletzt, das Fahrzeug jedoch wurde stark beschädigt und musste mit schwerer Technik geborgen werden. Die Bundesstraße 194 blieb deshalb für Stunden gesperrt. In Mecklenburg-Vorpommern kam es witterungsbedingt zu sechs Unfällen. In Wolgast fuhr ein Auto gegen einen Baum. Der 46 Jahre alte Fahrer starb wenig später im Krankenhaus.

          In Berlin und Brandenburg wurden bei Sturmböen von etwa 100 Stundenkilometern Dächer abgedeckt. Der S-Bahnverkehr war auf mehreren Strecken unterbrochen. Der Berliner Feuerwehr war wegen des stürmischen Wetters im Ausnahmezustand. Bis zum Abend mussten die Einsatzkräfte 150 Mal ausrücken.

          In der Hamburger Stadtteilschule Bahrenfeld wurden zwei Schüler durch abgebrochene Teile eines Baumes verletzt Bilderstrecke

          Für Samstag prognostiziert der Deutsche Wetterdienst abermals Orkanböen sowie Sturmfluten und gab für Norddeutschland eine amtliche Unwetterwarnung heraus. Nach den Angaben ist frühestens für Ende der kommenden Woche mit einer Wetterberuhigung zu rechnen. Ursache dafür sei ein gewaltiges Zentraltief über Island („Christian“), das immer wieder kleinere Tiefdruckgebiete nach Europa schicke. Das Tiefe „Felix“ fege an diesem Samstag und Sonntag noch mit Orkanstärke über Deutschland hinweg. Selbst im Tiefland kann es dabei zu orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 115 Kilometer in der Stunde kommen.

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