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Studie aus Spanien : Die Neandertaler lebten die klassische Rollenverteilung

  • -Aktualisiert am

Spanische Studie: Die Neandertaler benutzten ihre Münder als „dritte Hand“. Bild: CSIC

Schon die Neandertaler lebten arbeitsteilig: Männer und Frauen erledigten im Alltag unterschiedliche Aufgaben. Während die einen Steinwerkzeuge schliffen, fertigten die anderen Kleider. Für die Forscher kennzeichnet das einen hohen Entwicklungsstand.

          Wenn die Menschen die einzige Spezies sind, die systematisch Arbeitsteilung praktizieren, dann haben sie früh damit angefangen. Das ist das Ergebnis einer spanischen Studie, die das jetzt am Beispiel der „Vettern“ des Homo sapiens, der Neandertaler, belegen zu können glaubt.

          Forscher des Rates für wissenschaftliche Untersuchungen (Consejo Superior de Investigaciones Científicas, CSIC) haben nach einer vom „Journal of Human Evolution“ veröffentlichten Analyse 99 Zähne von 17 Individuen aus drei Siedlungen - El Sidrón in Asturien, L’Hortus in Frankreich und Spy in Belgien - verglichen. Verschiedene Charakteristika zeigten, dass Männer und Frauen im Alltag unterschiedliche Aufgaben wahrnahmen.

          Noch ist nicht ganz klar, um welche es sich dabei handelte. Die Forscher, die darauf hinweisen, dass sowohl Männer als auch Frauen ihren Mund als „dritte Hand“ benutzten, vermuten, sie hätten sich wahrscheinlich bei der Herstellung von Kleidern, bei der Präparation von Fellen und beim Zerschneiden von Lebensmitteln unterschiedlich spezialisiert. Zahnlücken, Abschleifungen, Rillen im Zahnschmelz und ungleiche Abnutzung der oberen Zähne bei Männern und der unteren bei Frauen deuteten darauf hin, dass die einen unter anderem das Schleifen von Steinwerkzeugen übernahmen und die anderen sich auf die Fertigung von Kleidern konzentrierten.

          Alltagsaufgaben nach Geschlechtern aufgeteilt

          Die Neandertaler, die zu den Jägern und Sammlern zählten und vor rund 35.000 Jahren ausstarben, gingen zwar gemeinsam auf Großwildjagd, teilten sich danach aber offenbar mehrere Aufgaben des täglichen Lebens nach Geschlechtern auf. Die spanische Studie liefert mit dieser Beobachtung weitere Hinweise für die begründete Vermutung, dass die Neandertaler weiter entwickelt waren, als die Wissenschaftler lange Zeit angenommen hatten. So war in den vergangenen Jahren bekanntgeworden, dass sie Schmuck benutzt und Zeichnungen angefertigt haben.

          Antonio Rosas, einer der CSIC-Forscher und Mitarbeiter des Nationalen Museums für Naturwissenschaften, ergänzte dies mit der Bemerkung: „Wir haben erfahren, dass sie ihre Kranken pflegten, ihre Toten bestatteten, Fisch aßen und auch unerwartete physische Charakteristika aufwiesen, wie rote Haare sowie helle Haut und helle Augen. Bis jetzt glaubten wir, dass die Arbeitsteilung nach Geschlechtern nur typisch für die Sapiens-Gesellschaften war. Aber das scheint nicht der Fall zu sein.“

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