https://www.faz.net/-gum-7p8ps

Studie : Gesellschaftlicher Zusammenhalt wächst im Osten langsamer

  • Aktualisiert am

Vor dem Gebäude der Tafel in Leipzig: „Je niedriger das Armutsrisiko, desto höher der gesellschaftliche Zusammenhalt“ fanden Sozialforscher in einer Bertelsmann-Studie heraus. Bild: dpa

Nach Ansicht von Sozialforschern ist in ganz Deutschland das Vertrauen in die Mitmenschen spürbar gewachsen. Am größten sei der Gemeinsinn demnach in Hamburg. Nur die ostdeutschen Bundesländer liegen im Trend zurück.

          1 Min.

          Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ist einer Studie zufolge seit 1990 spürbar gewachsen. Dieser Prozess gehe im Osten aber deutlich langsamer voran als im Westen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der Bertelsmann Stiftung. Demnach ist der Gemeinsinn in Hamburg am größten. Es folgen die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Die ostdeutschen Bundesländer belegen die fünf letzten Plätze.

          Der Zusammenhalt habe sich seit 1990 auch im Osten verbessert, der Abstand zu den westdeutschen Ländern wachse aber, stellten die Autoren der Studie von der Jacobs University in Bremen fest. „Je höher das Bruttoinlandsprodukt eines Bundeslandes, je niedriger das Armutsrisiko, je urbaner das Wohnumfeld und je jünger die Bevölkerung, desto höher der Zusammenhalt“, fasste einer von ihnen, Kai Unzicker, die Ergebnisse zusammen.

          Parallelen zu anderen ehemals sozialistischen Staaten

          Eine Gesellschaft, die zusammenhalte, sei gekennzeichnet durch „belastbare soziale Beziehungen, eine positive emotionale Verbundenheit ihrer Mitglieder mit dem Gemeinwesen und eine ausgeprägte Gemeinwohlorientierung“, definiert die Studie. Für den Vergleich werteten die Wissenschaftler Befragungsstudien und amtliche Statistik für die Jahre 1990 bis 2012 aus.

          Im Osten gebe es Parallelen zu anderen ehemals sozialistischen Staaten, schreiben sie. „So ist das relativ geringe Vertrauen der Ostdeutschen in ihre Mitmenschen typisch für Länder, in denen zuvor eher Kontrolle das gesellschaftliche Klima bestimmt hatte.“

          Toleranz gegenüber Homosexuellen gewachsen

          Große West-Ost-Unterschiede gibt es auch beim Thema Verteilungsgerechtigkeit. Während im Westen mehr als jeder Zweite der Ansicht ist, einen gerechten Anteil am Wohlstand zu erhalten, ist es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nur jeder Fünfte.

          Ein weiterer Punkt der Analyse war die Akzeptanz von Vielfalt. In fast allen Bundesländern sei die Toleranz gegenüber Homosexuellen gewachsen, hieß es. Zuwanderern begegneten viele Deutsche aber nach wie vor mit großer Skepsis. Immer seltener werde akzeptiert, dass diese hier ihren traditionellen Lebensstil pflegten. Die Skepsis sei aber unbegründet, denn: „In den Bundesländern mit den höchsten Ausländeranteilen halten die Bürger am engsten zusammen.“

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Das Coronavirus hat sich längst zu einer Pandemie entwickelt. Wo gibt es wie viele Erkrankte – und wie viele haben sich bereits erholt? Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Mundschutzpflicht : Wiener Maskenball

          Wer in den Supermarkt geht, soll Maske tragen: Die Kurz-Regierung würde durch die neuen Maßnahmen gerne die Beschränkungen lockern. Doch die österreichischen Infektionszahlen steigen ungehemmt.

          Digitale Kommunikation : „Microsoft fühlt sich bedroht“

          Slack und Microsoft Teams sind in Homeoffice-Zeiten die Apps der Stunde. Zwischen den Konzernen hinter ihnen führt das zu Reibereien. Der Slack-Vorstandschef fühlt sich gewappnet – erst recht in der Corona-Krise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.