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Stromversorgung in Amerika : Freileitungen sind billiger als Erdkabel

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Nicht nur für Passanten gefährlich Bild: AP

Trotz der Wirbelsturmgefahr sind in amerikanischen Städten Freileitungen üblich, während in Deutschland Erdkabel die Stromversorgung übernehmen. Für Menschen können die Freileitungen eine tödliche Gefahr darstellen.

          Die Bilder der Zerstörung durch den Hurrikan „Katrina“ zeigen neben überfluteten Stadtteilen und Menschen, die auf den Dächern ihrer Häuser hocken, auch geknickte Strommasten mit Leiterseilen, die wild durch die Luft flattern. Für die Menschen in den getroffenen Gebieten können sie eine tödliche Gefahr darstellen. Und dennoch sind Freileitungen trotz der Wirbelstürme, die Amerika jedes Jahr heimsuchen, in vielen amerikanischen Städten üblich, während in Deutschland Erdkabel die „unsichtbare“ Stromversorgung übernehmen.

          „Eine Grund dafür sind die geographischen Bedingungen in Amerika, also die weiten Entfernungen, die überbrückt werden müssen, um auch schwach besiedelte Regionen zu erreichen“, sagt Dirk Förger vom Verband der Netzbetreiber (VDN). Außerdem sei eine unterirdische Verlegung von Stromkabeln viel teurer, als den Strom überirdisch mit Hilfe nicht-isolierter Seile zu transportieren. Die Erdkabel nämlich bestehen aus ganz bestimmten Materialien, die nicht nur isolieren, sondern auch kühlen, damit die zulässige Betriebstemperatur nicht überschritten wird. Hinzu kommt außerdem das aufwendige und teure Ausheben von Gräben. „Die Ästhetik spielt in den Vereinigten Staaten keine Rolle. In Deutschland hingegen gibt es dazu strengere Auflagen.“

          Isoliermedium Luft

          Die wichtigsten Elemente für eine Freileitung sind Masten, das Leiterseil und Isolatoren (etwa Kunststoff oder Porzellan) für dessen Aufhängepunkte. Als Isoliermedium dient die Luft, die gleichzeitig kühlt. „Die Freileitungen sind zwar Unwettern und damit auch rascher Schäden ausgesetzt als unterirdische Stromkabel, lassen sich dafür aber schneller wieder reparieren und sind jederzeit zugänglich.“ Mit der Stromversorgung in Amerika verhalte es sich wie mit der amerikanischen Leichtbauweise: „Die Häuser gehen schnell kaputt und lassen sich ebenso schnell wieder errichten.“ Im erdbebengefährdeten Kalifornien etwa kann es zudem nach Erdstößen schwierig sein, die unterirdischen Leitungen zu finden und zu erneuern. Ähnlich ist es in Japan, wo Oberleitungen das Bild der Städte beherrschen.

          Machtlos gegen Katrina

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