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Streit um Nachlass : Das Millionen-Vermächtnis des Mönchs

Im Kloster in Neresheim in Baden-Württemberg lebte der verstorbene Abt. Bild: dpa

Nach seinem Tod werden bei einem Abt Kontoauszüge zu einem Millionen-Vermögen gefunden. Um seinen Nachlass streiten sich das Kloster und der angebliche Verwalter einer Stiftung.

          Als der Benediktiner-Abt Norbert Stoffels 2013 im Kloster Neresheim starb, hinterließ er seinen Mitbrüdern und der Nachwelt ein Geheimnis. Einen Monat nach seinem Tod fanden sich in Stoffels Schreibtisch Kontoauszüge von zwei Konten der Deutschen Bank. Auf einem Wertpapierkonto in Krefeld befand sich ein Betrag von drei Millionen Euro, auf einem Spendenkonto in Aalen sollen weitere 1,4 Millionen Euro verbucht gewesen sein. Im Kloster wusste niemand etwas von diesem Nachlass.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Als der neue Klostervorsteher Pater Albert damit begann, die Vermögensverhältnisse zu klären, meldete sich ein gewisser Walter Marcelli, ein heute 82 Jahre alter Anwalt aus Krefeld. Er behauptete, Verwalter des Vermögens zu sein, das einer nicht rechtsfähigen, unselbständigen Stiftung „Weinberg“ gehöre. Die Staatsanwaltschaft Krefeld nahm Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Geldwäsche auf. Auffällig war, dass die Konten 2010 eingerichtet wurden, kurz nachdem die Abgeltungssteuer eingeführt worden war - gemeinnützige Einrichtungen wie die Kirche oder ein Kloster sind hiervon befreit.

          Das Kloster kann das Geld gut gebrauchen

          Seit mehreren Jahren streiten sich Marcelli und die Anwälte des Klosters Neresheim nun vor Zivilgerichten darüber, wer über welchen Teil des Geldes verfügen darf, die Benediktiner in dem Kloster in Ostwürttemberg oder der gewitzte Anwalt aus Nordrhein-Westfalen. Er will 1,4 Millionen Euro aus dem Aktienvermögen für zwei Treuhänder zurückbekommen. Offenbar hat er noch nicht einmal eine Vollmacht seiner angeblich dementen Mandanten über die Prozesswahrnehmung.

          Das Kloster - 1802 säkularisiert und 1919 von der Familie Thurn und Taxis wieder als Benediktinerkloster eingerichtet - verfügt nur über spärliche Einnahmen aus der Landverpachtung sowie einer Gaststätte. Mit einem Jahresumsatz von weniger als zwei Millionen Euro kann es das Geld gut gebrauchen, denn die aufwendigen Restaurierungsarbeiten können aus den Einnahmen nicht bezahlt werden. Marcelli klagte zunächst vor dem Landgericht Ellwangen auf Herausgabe des Geldes, verlor mehrfach und ging in Berufung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Dort wurde der Fall am Freitag verhandelt, allerdings brachte auch die mündliche Verhandlung keinen Fortschritt in der Sache.

          Geschäfte ohne Akten

          Der Vorsitzende Richter des fünften Zivilsenats lotete mehrfach aus, ob zwischen Rechtsanwalt Marcelli und dem Kloster ein Vergleich möglich ist. „Man könnte zumindest eine Teilsicherheit erreichen. Sonst bleibt das Geld zwar beim Kloster, aber das Kloster kann mit dem Geld nichts machen.“ Doch die Anwälte des Klosters lehnen das ab, weil sie befürchten, dass nach einem Vergleich Dritte Ansprüche geltend machen. Marcelli gibt die Namen der Stifter nicht preis. „Die Stiftung ist gegenüber dem Kloster nicht zur Rechenschaft verpflichtet. Nirgendwo steht, dass eine Rechnungslegung schriftlich erfolgen muss.“

          Es habe aber mehrfach Anhörungen über den Zustand der Stiftung gegeben. „Noch ist das Geld nicht das Vermögen des Klosters. Es ist Stiftungsvermögen der Stiftung.“ Sie müsse prüfen, ob das Kloster zu begünstigen sei. „Beim Kloster besteht offenbar die Angst, kriegen die watt oder kriegen die nix“, sagte Marcelli.

          Die Anwälte des Klosters wollen kein Risiko eingehen. „Millionen hin, Millionen her, es gibt keinen Federstrich über eine Rechnungsführung. Da sind wir beim Thema Bereicherung“, sagte einer der Anwälte des Klosters. An Marcelli gerichtet fügte er hinzu, dass es schwer zu begreifen sei, warum ein Mann mit Rechtsanwaltszulassung Geschäfte ohne Akten mache. Am Ende der Verhandlung sagte der Richter: „Dass Sie sich nicht einigen wollen, haben wir verstanden.“ Eine Entscheidung soll am 22. November verkündet werden. Zu erwarten ist, dass die Berufung als unzulässig zurückgewiesen wird.

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