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Streit um die „Fusion“ : Wie viel Polizei braucht ein Kulturfestival?

  • -Aktualisiert am

Das „Fusion“-Festival in Lärz findet jedes Jahr auf dem Gelände eines alten russischen Militär-Flughafens statt. Bild: dpa

Jedes Jahr treffen sich am letzten Juni-Wochenende Zehntausende Raver zur „Fusion“ in Mecklenburg-Vorpommern. Doch das Festival ist in Gefahr. Ein Streit zwischen Behörden und Veranstaltern droht zu eskalieren.

          Seit nunmehr zwanzig Jahren verwandelt sich die unscheinbare Gemeinde Lärz in Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig zur linksalternativen Utopie. Zehntausende Feierwütige aus dem In- und Ausland treffen sich einmal im Jahr auf dem ehemaligen russischen Militärflugplatz, um auf dem „Fusion“-Festival „vier Tage Ferienkommunismus“ zu betreiben, wie die Veranstalter versprechen. Was einmal als kleiner Rave begann, hat sich ganz ohne Werbung und Sponsoring zu einer fast schon legendären Großveranstaltung gemausert. Doch in diesem Jahr ist unklar, ob die „Fusion“ überhaupt stattfindet.

          Während des Genehmigungsprozesses ist ein bitterer Streit zwischen den Behörden und den Veranstaltern vom Verein „Kulturkosmos e.V.“ entbrannt. Auslöser war das Sicherheitskonzept, welches Polizei und Landkreis bemängelten. Seit 2013 sind Großveranstalter in der Pflicht, entsprechende Konzepte einzureichen, um Katastrophen wie auf der Duisburger „Loveparade“, bei der 21 Menschen starben, zu verhindern. Die Kritik der Organisatoren konzentriert sich dabei besonders auf die Forderung einer Polizeiwache auf dem Gelände, sowie polizeiliche Bestreifung während des Festivals. Diese „anlasslose Polizeipräsenz“ werde von den Veranstaltern vehement abgelehnt.

          Alkohol oder Drogen bei 200 Autofahrern festgestellt

          Die Organisatoren stützen sich auf die guten Erfahrungen, die man in den vergangen Jahren mit dem alternativen Sicherheitskonzept gemacht habe. Demnach kümmern sich knapp 10.000 Mitarbeiter um die 70.000 Gäste, das seien wesentlich mehr als bei anderen Großveranstaltungen. Außerdem sei man stolz auf ein „für eine Großveranstaltung einzigartiges verantwortungsvolles Publikum, das gegenseitige Rücksichtnahme und Achtsamkeit praktiziert.“ Auch die Kriminalstatistik nutzen die Organisatoren für sich. Mit im Schnitt 2,5 Straftaten pro Veranstaltung sei keine Polizeipräsenz notwendig. Dabei dürfte es der Polizei, die sich in den vergangen Jahren außerhalb des Zauns aufhielt, vor allem um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gehen. Nach eigenen Angaben kam es in der Vergangenheit zu 400 solcher Verstöße, bei 200 Autofahrern seien Alkohol oder Drogen im Blut festgestellt worden.

          Die Veranstalter bei einer Pressekonferenz vergangenen Mittwoch

          Veranstalter, Besucher und Unterstützer sehen nun die Kunstfreiheit in Gefahr und richten sich in einer gemeinsamen Erklärung an die Landes- und die Bundesregierung. Seit Jahren heiße die Antwort auf alle gesellschaftlichen, sozialen und politischen Fragen: mehr Polizei, mehr Überwachung und mehr Kontrolle. Mehr als 120.000 Unterzeichner fordern „die Verteidigung der freien und liberalen Gesellschaft“ und den Schutz kreativer Räume des Schaffens. Es gehe am Ende um die politische Frage, ob es in dieser Gesellschaft weiterhin Freiräume geben könne, die nicht von der Polizei eingeschränkt und mit repressiven Maßnahmen begleitet werden und um die „Selbstgestaltungsfreiheit kultureller und künstlerischer Orte.“

          Unter dem Hashtag #fusionbleibt setzen sich auch prominente Politiker für den Erhalt des Festivals ein. Grünen-Politiker Cem Özdemir postete auf seinem Instagram-Account ein Foto von sich auf dem Festival und schrieb dazu: „Das größte unkommerzielle, alternative Kulturfestival Europas muss bleiben.“ Auch Linken-Chefin Katja Kipping hat die Erklärung unterzeichnet. Die Organisatoren kündigten indes an, auch vor Gericht ziehen zu wollen, „notfalls durch alle Instanzen“.

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