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Stockholm : Mit „Trängselskatt“ ein Viertel weniger Verkehr

  • -Aktualisiert am

Stockholm: Maut-Kontrollpunkt während der Testphase Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nach mehrjährigen, zum Teil heftigen Debatten gilt in Stockholm von diesem Mittwoch an die „Trängselskatt“, frei übersetzt Gedrängelsteuer. Im vergangenen Jahr hatte die schwedische Hauptstadt die City-Maut sechs Monate lang getestet.

          Nach mehrjährigen, zum Teil heftigen Debatten gilt in der schwedischen Hauptstadt vom 1. August an die „Trängselskatt“, frei übersetzt Gedrängelsteuer. Stockholm hatte zu Beginn des Jahres 2006 eine Maut für die Innenstadt eingeführt, begrenzt zunächst - als „Versuch“, wie es hieß - auf ein halbes Jahr.

          Die Idee war ursprünglich von den Bürgerlichen aufgebracht, war später von den Sozialdemokraten und anderen Linksparteien aufgegriffen und dann von den Bürgerlichen, abgesehen von der Center-Partei, wieder abgelehnt worden. Die Einführung der Straßenbenutzungsgebühren an Werktagen - je nach Tageszeit zwischen 1,10 und 2,20 Euro, maximal 6,65 Euro - führte zu einem Rückgang des Verkehrs um 25 Prozent (vor allem nachmittags), im Gesamtzeitraum um gut 20 Prozent, dagegen stieg die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs nur um acht Prozent. Als Erklärung der Diskrepanz wurde genannt, dass viele Pendler in Fahrgemeinschaften in die Stadt fuhren und dass es bei vielen Einkaufsfahrten zu einer Bündelung gekommen sei.

          City: Mehr Staus, Umland: mehr Verkehr

          Die Auswertung des halbjährigen Tests ergab, dass es weniger Staus bei Stadteinfahrten gab. Im Umland nahm jedoch der Verkehr überdurchschnittlich zu. Unklar blieb, ob es zu einer Verringerung der Abgasmengen gekommen war, ob der Lärm wirklich reduziert wurde und wie das Stadtmilieu beeinflusst wurde. Keine Veränderung hatte es bei den Verkehrsunfällen gegeben. Andererseits hatte sich auch die Befürchtung nicht bestätigt, dass der Handel der Innenstadt zurückgehen könnte.

          Ein Referendum in der Stadt Stockholm während der Reichstagswahl im Herbst 2006 ergab dann eine knappe Mehrheit für die dauerhafte Einführung der Maut. Allerdings waren die Bewohner der Vorortgemeinden von der Abstimmung ausgeschlossen. Empört über die Einseitigkeit des Vorgehens, veranstalteten deshalb einige Umlandgemeinden, aus denen die Pendler kommen, eine eigene Volksabstimmung. Dabei ergab sich eine große Mehrheit gegen die Einführung der Maut. Besonders Frauen und Rentner votierten allerdings für die Gebühren, die vor allem von den besser Verdienenden bezahlt werden: Fünf Prozent der Fahrer erbringen ein Drittel der Mauteinnahmen. (Th.)

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