https://www.faz.net/-gum-3w3l

Stimmungsbarometer : Deutsche skeptisch für 2003

  • Aktualisiert am

„Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder mit Befürchtungen entgegen?“. Nur noch 31 Prozent der Deutschen beantworten diese Frage mit „hoffnungsvoll“.

          2 Min.

          Die Stimmung der Deutschen ist zwei Umfragen zufolge auf einem historischen Tiefpunkt und wird zum Jahreswechsel von Skepsis und Befürchtungen bestimmt. Nicht einmal jeder Dritte gehe mit Hoffnungen ins neue Jahr, teilte das Institut für Demoskopie Allensbach mit.

          In der repräsentativen Traditionsumfrage wird seit 1949 stets im Dezember die Frage „Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder mit Befürchtungen entgegen?“ gestellt - in diesem Jahr äußerten sich nur noch 31 Prozent hoffnungsvoll. Ebenso viele Menschen gehen mit Befürchtungen ins Jahr 2003, 30 Prozent zeigten sich skeptisch. Unentschieden äußerten sich 8 Prozent. Befragt wurden 2090 Menschen über 16 Jahre.

          Weniger Optimismus als heute habe es nur 1950 zur Zeit des Koreakrieges, 1973 während der Ölkrise sowie zu Beginn der 80er Jahre als Reaktion auf kritische Zahlen aus der Wirtschaft und vom Arbeitsmarkt gegeben, hieß es.

          Das Ergebnis der Allensbach-Umfrage deckt sich mit dem einer Erhebung des Hamburger BAT Freizeit-Forschungsinstituts. Viele Deutsche sähen dem kommenden Jahr „unsicher und mit gemischten Gefühlen“ entgegen, sagte der Institutsleiter Horst Opaschowski der dpa. „Die Angst vor Konsumverzicht und Wohlstandsverlusten breitet sich aus.“ Die Menschen fürchteten zunehmend einen sozialen Abstieg. „Niemand will zu den Wohlstandsverlierern gehören“, erklärte Opaschowski. „Noch nie erschien in den letzten fünf Jahren die Zukunft so unsicher wie heute.“

          Sicherung der Rente hat größte Priorität

          „In Deutschland gerät die gewohnte Balance von Wohlstand und Wohlfahrt ins Wanken“, meinte der Wissenschaftler. So fürchteten die Menschen um ihre Rente, immerhin 79 Prozent der 2000 von seinem Institut befragten Menschen über 14 Jahren hätten die Sicherung der Renten als „vordringlich vom Staat zu lösendes Problem“ genannt. Nur die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (94 Prozent) sei als noch wichtiger eingestuft worden. Auf dem dritten Platz rangierte die Schaffung von Ausbildungsplätzen (70 Prozent).

          „Die Teuro-Debatte der letzten Monate sowie die Angst vor Steuererhöhungen und größeren Belastungen lässt auch die Wohlstandssicherung zur neuen Zukunftssorge der Deutschen werden“, sagte der Experte. Die Menschen fürchteten, sich ihre in den vergangenen Jahrzehnten erarbeiteten „Wohlstandsgüter“ wie Auto, Sport, Hobbys oder Reisen nicht mehr leisten zu können.

          Jammern auf hohem Niveau

          „In gewisser Hinsicht ist dies bei vielen Menschen ein Jammern auf hohem Niveau, denn es geht ja häufig nicht um die Angst vor Armut oder materieller Not“, sagte Opaschowski. Sorge bereite eher die Absenkung des eigenen Lebensstandards und der für viele Menschen damit verbundene „Gesichtsverlust gegenüber Nachbarn, Freunden und Kollegen“.

          Weitere Themen

          Lady Gaga fällt mit Fan von der Bühne

          In Las Vegas : Lady Gaga fällt mit Fan von der Bühne

          Für viele Fans ist es der größte Traum, einmal mit dem Star auf der Bühne zu stehen. Für einen Besucher des Konzerts von Lady Gaga ging dieser Wunsch in Erfüllung – allerdings endet die Begegnung mit einem Schock.

          Fassungslose Anwohner wollen Antworten Video-Seite öffnen

          Isolierte Familie in Ruinerwold : Fassungslose Anwohner wollen Antworten

          Die Bewohner des holländischen Ort Ruinerwold verstehen die Welt nicht mehr. In ihrer Nachbarschaft sollen Kinder neun Jahre lang gegen ihren Willen auf einem Hof festgehalten worden sein. F.A.Z-Redakteur Sebastian Eder hat sich vor Ort umgeschaut.

          Hemmungslos mitschmettern

          FAZ Plus Artikel: „Rudelsingen“ : Hemmungslos mitschmettern

          David Rauterberg bringt beim „Rudelsingen“ Tausende dazu, ohne Hemmungen loszuschmettern. Die Idee für die Mitmachkonzerte hat er bei einer Kölner Musikerin abgeschaut - und damit offenbar einen gesellschaftlichen Nerv getroffen.

          Topmeldungen

          Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

          Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

          Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
          Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

          Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

          Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.