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Stilikone Inès de la Fressange : „Plastik ist over“

  • -Aktualisiert am

Ihre 18 Jahre alte Tochter Violette d’Urso war auch schon mal Model bei einer Couture-Schau von Chanel. Sie trug damals Turnschuhe auf dem Laufsteg.

Selbstverständlich von Chanel. Während der Couture-Kollektion für den Herbst 2015 saß sie im für das Défilée aufgebauten Casino zwischen internationalen Stars und trug als Einzige Sneakers. Damals war die Idee von Turnschuhen als Luxusprodukt noch recht jung. Heute sind sie ein fester Teil des Luxusuniversums. Das ist jetzt keine Überraschung mehr.

Sie gelten als Personifizierung des Pariser Stils. Gibt es denn einen Schuh, den eine Pariserin niemals tragen würde?

In der Vergangenheit hätte man in Paris niemals diese schrecklichen bunten Plastik-Clogs gesehen. Aber kürzlich hat eine angesagte Marke ihnen einen Absatz verpasst, sie kosten jetzt bestimmt 700 Euro. Plötzlich fühlte ich mich alt, alt, alt. Ich kann das nicht greifen. Störer in die Garderobe einbauen heißt ja nicht, etwas so Hässliches zu entwerfen. Ich glaube, dass in ihnen niemand besser aussehen kann.

Schnallenpumps von Roger Vivier.
Schnallenpumps von Roger Vivier. : Bild: Roger Vivier

Kürzlich sagten Sie in einem Interview, Ihre liebsten Schuhe würden Sie nicht auf Ihrem Instagram-Account zeigen, weil Sie sie dafür als zu schlicht empfinden. Ist so ein bunter Clog eher für die Inszenierung in den sozialen Netzwerken als für den Fuß entworfen worden?

In Ihrer Frage liegt ja schon die Antwort. Ich bin der Mode gegenüber natürlich sehr aufgeschlossen. Aber es stimmt, dass heute vieles auf den Laufstegen gezeigt wird, das einzig der schnellen Effekthascherei dient. Da geht es bei Roger Vivier zum Glück elegant zu.

Sie sind die Markenbotschafterin des Unternehmens und Designerin Ihres eigenen Labels. Schauen Sie den Schuhdesignern eigentlich manchmal kritisch über die Schulter?

Nein – eben weil ich selbst Designerin bin. Ich erinnere mich an einen Urlaub in Südfrankreich, in dem ich die Stoffmuster für die nächste Kollektion auswählen musste. Jeder im Haus hatte seine Meinung. Warum nimmst du nicht dieses Blau? Was willst du mit dem Fummel? Furchtbar. Designer brauchen viel Freiheit. Es ist ganz normal, dass man einige Entwürfe nicht sofort versteht. Wir alle finden manchmal etwas hässlich und zwei Jahre später plötzlich schön. Viele Trends sind einzig eine Frage des Timings.

Und deshalb sehen wir Sie in zwei Jahren doch mit bunten Plastik-Clogs an den Füßen?

Ich fürchte, in diesem Fall müssen wir wirklich eine Ausnahme machen (lacht). Und wissen Sie, Plastik ist over. So viel Plastik überall! Die Mode ist ein schlechtes Vorbild, wenn es um die Umwelt geht. Sie sollte als gutes Beispiel vorangehen.

Noch einen Schuh sieht man übrigens nicht an Ihnen: High Heels.

Ab einem gewissen Alter wirken sie so ladylike, ein bisschen verklemmt. Ich denke, der Trend zu ultrahohen Stilettos ist ohnehin am Abflachen.

Meinen Sie, das hat damit zu tun, dass Frauen ihre Garderobe heute vornehmlich von ihrem eigenen, selbstverdienten Geld kaufen?

Erstens haben Frauen endlich verstanden, dass sie keine High Heels brauchen, um sexy oder trendy zu sein. Zweitens haben sie einfach keine Lust mehr, zu leiden. Und die Haltung ist so wichtig! Eine Frau auf Heels mit elegantem Gang, einem hübschen Kleid und Wind in den Haaren – wunderschön. Aber wehe, wenn sie nicht laufen kann! Es gibt immer noch fabelhafte Stilettos, aber auch ein flacher oder niedrigerer Absatz kann eben toll aussehen.

 Inès de la Fressange in 2011.
Inès de la Fressange in 2011. : Bild: Helmut Fricke

Haben Männer ein besonderes Interesse an hohen Schuhen?

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