https://www.faz.net/-gum-8mkvv

Katalonien : Verfassungsrichter heben Stierkampfverbot auf

  • -Aktualisiert am

Ein spanicher Stierkämpfer kniet beim einem Kampf in Barcelona mit einem Tuch in den Farben der katalonischen Flagge vor einem Stier. Bild: dpa

Das spanische Verfassungsgericht hat das Stierkampfverbot in der Region Katalonien als rechtswidrig verworfen. Das Urteil leitet neues Wasser auf die Mühlen der Sezessionisten.

          1 Min.

          Das spanische Verfassungsgericht hat am Donnerstag das Stierkampfverbot in der Region Katalonien als rechtswidrig annulliert. In einem Mehrheitsentscheid kamen die Richter zu dem Schluss, dass ein entsprechendes Gesetz des katalanischen Parlaments aus dem Jahr 2010 in Kompetenzen des Gesamtstaates eingreife. Zwar habe Katalonien das Recht, öffentliche Veranstaltungen im Zeichen des Tierschutzes zu regulieren. Es könne sie aber nicht verbieten, weil nationale Gesetze den Stierkampf zu einem Kulturgut erklärt hätten. Er falle damit nicht in ihre Zuständigkeit.

          Angesichts vermehrter regionaler Bewegungen wider den Stierkampf – als erste Region wurde er auf den Kanarischen Inseln verboten und ist auch auf den Balearen hart angefochten – setzte die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy in den Jahren 2013 und 2015 zwei Gesetze durch, welche die Tauromachie zu einem „immateriellen Kulturgut“ erklärten. Die Arena La Monumental war die letzte in Katalonien gewesen, in der zum Zeitpunkt des Parlamentsentscheids noch Stierkämpfe stattgefunden hatten. Sie füllte sich zuletzt nur noch mühsam und vor allem mit neugierigen ausländischen Touristen. Nur dem Torero José Tomás gelang es noch, alle Eintrittskarten zu verkaufen.

          Der Konflikt hat vor allem symbolische Kraft

          Ob die Toros nun jemals nach Barcelona, das sich schon im Jahr 2004 seitens der Stadtverwaltung als erste in Spanien explizit zur „Antistierkampfstadt“ erklärt hat, zurückkehren werden, ist mehr als zweifelhaft. Ähnlich wie bei den vom Verfassungsgericht schon für rechtswidrig erklärten Gesetzen der separatistischen Parteien über einen Bruch mit Spanien reagierten die vor allem aus politischen Gründen gegen die „spanische Corrida“ eingestellten Politiker mit Widerspruch. Bürgermeisterin Ada Colau sagte: „Was immer das Verfassungsgericht sagt, wir werden den Tierschutz durchsetzen.“

          Ähnlich äußerten sich Sprecher der übrigen Regionalnationalisten und auch der Sozialisten. Nur die konservative Volkspartei, die gegen das Verbot geklagt hatte, und die liberale Ciudadanos-Partei forderten die katalanische Regierung und das Parlament zu einer Korrektur auf. Sie verfügen dort jedoch über keine Mehrheit, so dass der vor allem symbolische Konflikt über den Stierkampf durch das Urteil neues Wasser auf die Mühlen der Sezessionisten zu leiten verspricht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In sieben Wochen Kanzler? Kurz nach Nikolaus will sich Olaf Scholz vom Bundestag wählen lassen.

          Ampel-Koalition : So wollen SPD, Grüne und FDP verhandeln

          300 Unterhändler machen für SPD, Grüne und FDP die Einzelheiten des Koalitionsvertrags aus. In 22 Arbeitsgruppen ringen sie um Kompromisse. Doch die harten Nüsse müssen die Parteichefs selbst knacken.
          Wegen der Cum-Ex-Aktiendeals musste Olaf Scholz im April vor einem Untersuchungsausschuss in der Hamburger Bürgerschaft aussagen.

          „Cum-Cum“ : 140 Milliarden Euro Beute durch Steuertricksereien

          Die „Cum-Ex“-Deals sind inzwischen bekannt. Doch auch mithilfe anderer Modelle sollen Banken dem Fiskus Geld aus der Tasche gezogen haben – weit mehr als bisher gedacht. Möglicherweise dauert das auch immer noch an.
          Schwierige Logistik: Impfung in einer Siedlung nahe Durban, Südafrika

          Corona in Afrika : Der durchseuchte Kontinent?

          Eine Münchner Studie legt nahe, dass sehr viele Afrikaner schon eine Corona-Infektion durchlitten haben, ohne es selbst zu wissen. Wenn das so ist, brauchte man weniger Impfstoff. In der Theorie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.