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Halloween und Samhain : Wenn das Tor zum Reich der Toten offen steht

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Selbst geschnitzte Halloween-Kürbisse in Brandenburg Bild: dpa

Halloween begann als heidnisches Samhain-Fest der Kelten in Irland. Was es heute noch mit Kürbissen und Schabernack zu tun hat.

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          Halloween wird als Brauchtum am 31. Oktober gefeiert, dem Vorabend des Allerheiligentages. Daher stammt auch der Name: Halloween ist die Kurzfassung von „(All) Hallows' Eve(ning)“.

          Im anglo-amerikanischen Kulturkreis ist Halloween neben dem Erntedank das wichtigste Brauchtumsfest. Erntedank wird aber nicht wie in Deutschland am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. In den USA ist Thanksgiving stets am vierten Donnerstag im November.

          Aber wieso das Ganze überhaupt? Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten. In der irischen Mythologie kommen Gestorbene in dieser Nacht aus dem Totenreich zurück.

          An Samhain ist der Kontakt zwischen Toten und Lebenden möglich

          Im altkeltischen Kalender war Samhain so etwas wie Neujahr. Es steht auch für das Ende des Lebens und den Eintritt in das Reich der Toten, die mit diesem Fest geehrt wurden. Große Feuer wurden entzündet, um die Seelen der Toten zu wärmen. Nach heidnischem Glauben war an den Berührungspunkten der Zeiten ein Kontakt zwischen der Geisterwelt und den Sterblichen möglich. Die Samhain-Nacht gilt in der irischen Mythologie als Nacht der Begegnung zwischen Lebenden und Toten, die Geister konnten zwischen der Welt der Toten und der Welt der Lebenden hin- und herwandeln. Weil die Kelten fürchteten, von den Geistern in die Welt der Toten gezerrt zu werden, verkleideten sich die Menschen selbst zur  Abschreckung als schauerliche Wesen.

          Im Laufe der Zeit fanden die einst heidnischen Bräuche Eingang in kirchliche Riten und wurden mit den Feiern zu Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November verknüpft. Im Jahr 837 ordnete Papst Gregor IV. an, die Bräuche der bekehrten Heiden zu „christianisieren“, statt sie abzuschaffen. Seitdem bildet das keltische Totenfest den Auftakt für die nachfolgenden Gedenktage.

          Einwanderer aus Irland brachten Ende des 19. Jahrhunderts Halloween als Masken-Brauch in ihre neue Heimat USA. Halloween wird dort mit Umzügen, Schabernack und Grusel-Partys gefeiert. Aus Amerika kam der Brauch zurück nach Europa. Hier hat sich das Fest erst in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts so richtig durchgesetzt.

          Im frühen Mittelalter verstanden die missionarischen Kirchenväter Samhain als ein heidnisches Totenfest. Bis heute sehen die Kirchen den Grusel- und Geister-Boom kritisch. Katholiken fürchten, die Spaßkultur zerstöre ihr Totengedenken an Allerheiligen und Allerseelen (01./2.11.), Protestanten sehen ihr Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther (31.10.) in Gefahr. Der Mönch veröffentlichte 1517 in Wittenberg 95 Thesen, um die katholische Kirche zu reformieren.

          „Trick or treat“: Schabernack oder Süßes

          Im Mittelalter zogen Leute von Dorf zu Dorf und erbettelten zu Halloween den „Seelenkuchen“, ein quadratisches Gebäck mit Johannisbeeren. Diese Tradition war bei den Kelten als „Souling“ bekannt. Sie versprachen, für die verstorbenen Angehörigen der Spender zu beten.

          Sie sangen Lieder oder sprachen Gebete für die Seelen der Verstorbenen und erhielten im Gegenzug Lebensmittel, in der Regel einen Seelenkuchen, ein Fladenbrot mit Früchten. Dieser Brauch ist heutzutage als „Trick or treat“ bekannt. Kinder ziehen verkleidet von Haus zu Haus und fordern Geld und Süßigkeiten („treat“). Erhalten sie diese nicht, spielen sie den Hausbewohnern einen Streich („trick“). Im deutschsprachigen Raum wird die Variante „Süßes oder Saures“ verwendet: Gebt uns Süßes, sonst bekommt ihr Saures. Manches mal sind solche Streiche allerdings Sachbeschädigung, wie die Polizei regelmäßig Ende Oktober pünktlich zu Halloween warnt.

          Ausgehöhlte und geschnitzt Kürbisse sind ein beliebter Brauch, im englischen Sprachraum „Jack O'Lantern“ (also „Jack mit der Laterne“) genannt. Einer irischen Volkserzählung zufolge spielt ein Mann namens Stingy Jack dem Teufel einen Streich. Zur Strafe wurde er dazu verbannt, bis in alle Ewigkeit mit einer brennenden Glut aus den ewigen Feuern der Hölle in einer Rübe umherzuwandern, um seinen Weg zu erleuchten.

          In Süddeutschland wurden traditionell Rübengeister statt Kürbisse verwendet. Man höhlte Futterrüben aus und beleuchtet sie von innen mit einer Kerze.

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