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Sternenschauspiel an der Nordsee : Am Himmel ist die Hölle los

Groß wie ein Teller: der Mond, hier aber nicht über der Nordsee, wo er derzeit auch so mächtig zu sehen ist, sondern über Brandenburg Bild: dpa

Der Mond ist nah, Sternschnuppen regnen herab, Sommergewitter schicken Blitze, und die Raumstation zieht vorbei: An der Nordsee ist der Blick nach oben gerade eine Erleuchtung.

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          Erst geht die Sonne, dann kommt der Mond, und schließlich fließen Tränen. So könnte man die letzten Abende an der Nordsee zusammenfassen, wenn man es denn poetisch sehen will.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nüchtern muss man es wohl so sagen: Erst beeindruckt der Sonnenuntergang die Sommerurlauber, dann überrascht der Mond mit großer Erdnähe, und schließlich regnet es Sternschnuppen, auch Laurentiustränen genannt. Als ob das nicht genug wäre, schaut auch noch die Internationale Raumstation vorbei und herab.

          Wenn man also im Sommerurlaub etwas erleben möchte (und an der Nordsee gibt es meistens wenig zu erleben), dann müssen es diese Tage Mitte August sein. Dann nämlich sitzen auf den Ostfriesischen Inseln die Urlauber mit ihrem Bier auf dem Deich, sehen der Sonne und den Surfern beim Untergehen zu und sind schon mitten im ersten Akt eines Himmelsschauspiels. Die Sonne versinkt als riesiger Ball im Meer, so groß womöglich wegen der atmosphärischen Refraktion, der Brechung des Sonnenlichts durch die Luftschichten, vor allem aber mangels Vergleichsmöglichkeiten am Meereshorizont. Mondtäuschung nennt man das, auch bei der Sonne.

          Himmlische Inszenierung in vier Akten

          Die nächste Mondtäuschung hingegen ist gar keine, sondern der zweite Akt einer himmlischen Inszenierung. Als ob der Alkohol nun alles vergrößern würde, hängt der Mond am Montagabend in ungeahnter Größe über dem Festland. Den Erdtrabanten bringt das Perigäum, seine Erdnähe, den Inseln näher. Die müde sich drehenden Rotoren der Windkraftanlagen auf den ostfriesischen Wiesen scheinen jedenfalls weiter entfernt als die riesige Mondscheibe, die über dem Watt hängt.

          Beeindruckendes Schauspiel: Der Sternschnuppenstrom der Perseiden ist in diesen Tagen besonders gut zu sehen - wie hier über dem Landkreis Oder-Spree nahe Sieversdorf (Brandenburg) Bilderstrecke

          Der dritte Akt im Himmelsschauspiel folgt sogleich: ein Sommergewitter mit einem gigantischen Regenbogen, der aus Sicht von Norderney zwei Nachbarinseln, Baltrum und Langeoog, zu überspannen scheint. Die vielen Blitze erhellen die Nacht, ausgerechnet diese Nacht, die dank Supermond ohnehin schon hell leuchtet.

          Gemächlich vorbeigezogen mit 28.000 Stundenkilometern

          Der vierte Akt im überirdischen Schauspiel ist menschengemacht: Die Internationale Raumstation zieht am Dienstagabend im Abstand von anderthalb Stunden gleich zweimal über die ostfriesischen Inseln hinweg. Nur wenige Stunden nachdem der ATV-Raumfrachter „Georges Lemaître“ an der Station festgemacht hat, überquert sie, von der Sonne beschienen, in gut 400 Kilometern Höhe Deutschland. Wegen der wenigen Lichtquellen ist sie auf den Nordsee-Inseln besser zu sehen als in den meisten anderen Teilen des Landes. Gemächlich scheint sie dahinzuziehen: Die 28.000 Kilometer in der Stunde kommen einem nicht schneller vor als die Kutsche mit zwei PS, die erst am Morgen wieder Urlauber vom Hafen in die Pensionen gebracht hat.

          Nicht einmal die schönsten Einfälle des Regietheaters hätten besser auf den Höhepunkt des Himmelsschauspiels vorbereiten können: die Perseiden. Die Sternschnuppen lassen in der Nacht zum Mittwoch zwar lange auf sich warten. Aber nach Mitternacht sieht man sie trotz vieler Wolken dann doch fast wie ein Feuerwerk herabregnen. Laurentiustränen ergießen sich ins Watt.

          Im Urlaub an der Nordsee ist eben alles anders. Auch das: Am Himmel ist hier mehr los als auf Erden.

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